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Strom aus der Wüste : Erstes Desertec-Projekt entsteht in Tunesien

  • -Aktualisiert am

Vorbild für Desertec: Das spanische Solarkraftwerk „Gemasolar“ Bild: REUTERS

Das erste Sonnenkraftwerk in Tunesien wird unter britischer Führung gebaut. Das deutsche Konsortium ist daran nicht beteiligt. Der Bau des Solarkraftwerks soll 2014 beginnen.

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          Das erste große Sonnenkraftwerk im Rahmen des Wüstenstromprojekts Desertec wird in Tunesien entstehen und nicht in Marokko. Dies teilte die Desertec Foundation am Dienstag in Frankfurt auf einer Veranstaltung des Frankfurt School Verlags mit. Bisher hatte die DII Desertec Industrial Initiative in München, der Zusammenschluss der deutschen Unternehmen zur Erzeugung erneuerbarer Energie in der Sahara, immer davon gesprochen, dass ein erstes Desertec-Pilotprojekt in Marokko entstehen soll. An dem Kraftwerk in Tunesien wird die DII jedoch nicht beteiligt sein.

          Der Bau des Solarkraftwerks Tunur in Tunesien soll 2014 beginnen. Von 2016 an soll es bis zu 2000 Megawatt Strom erzeugen. Dieser soll durch ein eigens verlegtes Unterseekabel über Italien nach Europa fließen. „Die Kapazität dieses Kraftwerks entspricht dem Doppelten eines durchschnittlichen Kernkraftwerks und könnte rund 700.000 Privathaushalte in Europa mit Strom versorgen“, sagte Till Stenzel, Geschäftsführer von Tunur. Das Projekt hat eine Investition von bis zu 11,5 Milliarden Euro, wovon 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro auf das Unterseekabel zwischen Tunesien und Italien entfallen. Für das Projekt zeichnet ein britisch-tunesisches Konsortium verantwortlich, an dem beispielsweise der Projektentwickler Nur Energie Ltd. in London beteiligt ist - „nur“ ist das arabische Wort für Licht. Außerdem ist das tunesische Unternehmen Top Oilfield Services Teil des Konsortiums.

          Keine Verhandlungen mit deutschen Geschäftsbanken

          Dass Desertec Foundation und die DII Desertec Industrial Initiative getrennte Wege gehen, überrascht. Bisher sind Desertec Foundation und DII stets eng zusammen aufgetreten. Die Gründe dafür nannten weder Stenzel noch Thiemo Gropp, Vorstand der Desertec Foundation. „Die DII hat konkrete Pläne für ein Projekt in Marokko“, sagte Gropp dazu lediglich.

          Torsten Jeworrek, Vorstand von Munich Re, im vergangenen Jahr im F.A.Z.-Interview. Von einem Desertec- oder DII-Projekt in Tunesien war nicht die Rede
          Torsten Jeworrek, Vorstand von Munich Re, im vergangenen Jahr im F.A.Z.-Interview. Von einem Desertec- oder DII-Projekt in Tunesien war nicht die Rede : Bild: Fricke, Helmut

          Erstaunlich ist auch, dass Tunur ohne direkte Beteiligung der deutschen Industrie im Rahmen der DII Desertec Industrial Initiative zustande kommt, obwohl Desertec früh von Unternehmen wie Munich Re, Siemens, Eon, RWE, Schott Solar, ABB und Deutsche Bank unterstützt wurde. Auch bei der Finanzierung finden bisher keine Verhandlungen mit deutschen Geschäftsbanken statt, sagte Stenzel. Bisher war auch nie von einem Desertec- oder DII-Projekt in Tunesien die Rede. „Marokko ist derzeit mit einem ersten Solarstromkraftwerk in der Endphase des Ausschreibungsprozesses, und auch für ein erstes Referenzkraftwerk der DII könnte nächstes Jahr der Startschuss fallen“, sagte Torsten Jeworrek, Vorstand von Munich Re, noch im Juli vergangenen Jahres der F.A.Z. „Der erste Strom könnte dann schon 2014 fließen.“

          Die Exportkomponente sei entscheidend für ein Solarprojekt in Nordafrika, sagte eine DII-Sprecherin in München auf Anfrage. Doch in diesem Punkt unterscheidet sich Tunur nicht von dem DII-Projekt in Marokko. Auch Tunur produziert Strom ausschließlich für den europäischen Markt, wie es auch in Marokko vorgesehen ist. Dies begründete die DII-Sprecherin mit der Finanzierung. Hinzu kommt, dass die Länder Nordafrikas bisher keine Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien haben. Damit ist Solarstrom für die nationale Energieversorgung zu teuer. Eine dauerhafte Trennung von DII und Desertec bedeutet die Trennung in Nordafrika wohl nicht. „Wir werden vielleicht zusammen neue Projekte in Südamerika oder Asien angehen“, sagte Gropp.

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