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Streit um unbewohnte Inseln : China droht Japan mit Wirtschaftskrieg

  • -Aktualisiert am
Ein chinesischer Polizist kommt aus einem geschlossenen japanischen Restaurant in Peking, das mit chinesischen Flaggen verhüllt ist.
          3 Min.

          Der Territorialstreit zwischen China und Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer bedroht die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden mächtigsten Ländern Asiens. Am Wochenende und am Montag kam es bei antijapanischen Demonstrationen in China zu teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen. Asiatische Medien berichteten von Plünderungen in Supermärkten, die japanischen Unternehmen gehören, von zerschlagenen Fensterscheiben und demolierten japanischen Autos. Der Elektronikkonzern Canon will drei seiner vier Werke in China bis auf weiteres geschlossen halten, aus Sorge um seine Mitarbeiter, wie japanische Medien berichten.

          Chinesische Fischerboote nimmt Kurs auf die Inseln

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Unterdessen ist eine große Flotte chinesischer Fischerboote zu den Inseln ausgelaufen, die auf Chinesisch Diaoyu und auf Japanisch Senkaku heißen. Dort gibt es große Fischbestände und wohl auch Öl- und Gasvorkommen. Unklar ist, um wie viele Boote es sich handelt, es ist von mehreren hundert die Rede. Das Landwirtschaftsministerium in Peking teilte mit, es werde die Fischer schützen. Beobachter schließen daraus, dass es sich um eine politisch gewollte Machtdemonstration handelt, nachdem zuvor schon sechs chinesische Patrouillenboote den Anspruch Chinas auf das Atoll unterstrichen hatten. Der Konflikt war eskaliert und hatte zu Massenprotesten in China geführt, nachdem die japanische Regierung drei der Inseln von Privatleuten gekauft hatte. Auf das Gebiet melden Japan, China und Taiwan Besitzansprüche an.

          Lage der umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer
          Lage der umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer : Bild: F.A.Z.

          In mindestens fünf Städten Chinas ist es seit dem Wochenende zu antijapanischen Ausschreitungen gekommen. So seien Autohändler von Toyota und Honda in Qingdao, dem ehemaligen Tsingtau, mit Brandsätzen angegriffen worden, heißt es in Medienberichten. Panasonic teilte mit, chinesische Arbeiter hätten eine seiner Fabriken sabotiert, so dass sie geschlossen bleibe. Auch ist von politisch motivierten Streiks in japanischen Betrieben die Rede. Sushi-Restaurants und Einzelhändler hätten geschlossen oder die Öffnungszeiten verkürzt. Es seien Flüge und Reisen zwischen beiden Ländern gestrichen worden. Sony habe von Dienstreisen nach China abgeraten. Die japanische Botschaft in Peking empfehle ihren Landsleuten, möglichst wenig auszugehen und in der Öffentlichkeit nicht in ihrer Sprache zu reden. Japanische Schulen in den Großstädten blieben geschlossen.

          Vergeltungsaktionen nicht ausgeschlossen

          Offiziell rufen staatliche Stellen in China zur Besonnenheit auf. Tatsächlich aber schürt das Regime die Kampagne. Die „Volkszeitung“, das Sprachrohr der Kommunistischen Partei, drohte am Montag: „Wenn Japan seine Provokationen fortsetzt, wird China den Kampf annehmen.“ Bisher sei die größte Volkswirtschaft der Welt „extrem zurückhaltend darin gewesen, die ökonomische Karte zu spielen.“ Wirtschaftliche Vergeltungsaktionen gegen Japan seien aber nicht ausgeschlossen. In diesem Falle drohe Tokio „ein weiteres verlorenes Jahrzehnt“. China und Japan sind die größten Wirtschaftsmächte Asiens. Der bilaterale Handel umfasste 2011 rund 340 Milliarden Dollar. China ist für Japan der wichtigste Handelspartner; Japan liegt für China auf Rang drei hinter der EU und den Vereinigten Staaten.

          Dem Anschein nach schreckt Peking nicht vor einem Wirtschaftskrieg gegen die Nachbarnation zurück. Wichtige Bereiche wie Produktion, Finanzen, Exporte nach China, Importe „strategisch wichtiger Materialen“ oder Unternehmen japanischer Investoren in China könnten Zielscheibe der Strafmaßnahmen werden, warnte die „Volkszeitung“.

          Ein Handelskrieg würde aber auch China schwer treffen, das viele seiner Waren in die Billigkaufhäuser des Nachbarlandes exportiert und deren Elektroindustrie ohne Komponenten aus Japan Probleme bekäme. Ein japanischer Unternehmer wies in Tokio zudem darauf hin, dass China als Standort für ausländische Investoren an Sicherheit verliere. „Heute sind es antijapanische Demonstrationen und Streiks, die von der Regierung geduldet, vielleicht sogar inszeniert werden“, sagte er. „Vielleicht sind es demnächst die deutschen Unternehmen, wenn sich die deutsche Politik gegenüber Peking unliebsam verhält?“

          Die Spannungen zwischen beiden Ländern bringen japanische Unternehmen in China bereits in ernsthafte Schwierigkeiten. Der Elektronikhersteller Canon schickte seine Arbeiter in drei Werken in Zhuhai, Zhongshan und Suzhou zunächst für zwei Tage heim, während Panasonic zwei Fabriken in Qingdao und Zhuhai schloss. Bei Panasonic wurden Fenster zerschlagen, Einrichtungen zerstört und Feuer gelegt, berichteten japanische Medien in großer Aufmachung. Auch der Autokonzern Honda schloss seine fünf Werke in China für zwei Tage.

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