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EU-Pauschalreise-Richtlinie : Streit um Reise-Gutscheine

Bild: dpa

Aus der Urlaubsbranche kommen Jubel und Kritik. Spielt die EU mit?

          2 Min.

          Urlauber haben eine Milliardensumme für in der Corona-Krise ausgefallene Flüge und Pauschalreisen gezahlt. Nun spaltet ein Streit, ob sie bloß Gutscheine oder doch auch Barerstattungen bekommen sollen, die Reisebranche. Die Initiative der Bundesregierung, die Auszahlungen durch Gutscheine ersetzen soll, sorgt für Streit. Der Deutsche Reiseverband, in dem Anbieter wie TUI oder DER Touristik organisiert sind, die vornehmlich Pauschalreisen ins Ausland verkaufen, bejubelt den Vorstoß. Präsident Nobert Fiebig sagte, er sei „erleichtert“. Andere geißeln den Vorschlag für Pauschalreisen und Flugtickets als lückenhaft. So sagt Michael Buller vom Verband Internet-Reisevertrieb: „Ein erheblicher Teil der Wertschöpfungskette innerhalb der Touristik fällt nach derzeitigem Stand durch das Raster.“ Mit der Sicht ist er nicht allein: Ferienhausvermieter, Hoteliers, weite Teile des deutschen Inlandstourismus befürchten, nichts von dem Vorstoß zu haben. Und die EU-Kommission macht klar, dass Auszahlungen nicht eilig ausgesetzt werden dürfen. „Wir haben die Fluglinien und Reiseveranstalter an ihre Pflicht erinnert, die Verbraucher zu entschädigen“, sagte EU-Kommissar Didier Reynders.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Kunden nur Gutscheine statt einer sofortigen Rückzahlung bekommen. Die Regelung soll für alle Buchungen vor dem 8. März greifen. Gutscheine sollen bis Ende 2021 befristet sein, erst wenn ein Kunde sie dann nicht eingelöst hat, muss der Wert ausgezahlt werden. Nach Kritik an den geplanten Gutscheinen für abgesagte Reisen und Kultur- oder Sportveranstaltungen hat die Bundesregierung jedoch angekündigt, für die Voucher finanziell einzustehen. „Wir nehmen die Bedenken der Verbraucher sehr ernst. Kein Kunde darf sein Geld verlieren“, sagte der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß (CDU). „Deshalb wollen wir den Wert der Gutscheine staatlich absichern.“ Zuvor hatten Verbraucherschützer das Vorhaben als „Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen“ abgelehnt und eine Rückzahlung der Reisekosten gefordert. Bareiß betonte: „Natürlich müssen die Verbraucher ihr Geld zurückbekommen können, wenn sie den Gutschein nicht einlösen und keine Reise antreten. Und für all diejenigen, die es besonders hart trifft und ihr Geld schnell selbst brauchen, wird es eine Härtefallregelung geben“, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung.

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