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Streit um Hamburger Hafen : Woher kommt der Schlick in der Elbmündung?

  • -Aktualisiert am

Tanja Schlampp und Peter Roland laufen am Strand des Seeheilbades Cuxhaven durch den Schlick im Watt. Bild: Franziska Gilli

In Cuxhaven legt sich unheimlicher Schlamm über das Watt. Bürger fürchten Gifte - und machen die Elbvertiefung verantwortlich.

          8 Min.

          Peter Roland ist nach Cuxhaven gezogen, um seinen Ruhestand an der Küste zu genießen. Mittlerweile aber ist für den pensionierten Amtsrat, der in Wuppertal im Ordnungsamt gearbeitet hat, aus dem Ruhestand ein Unruhezustand geworden. Schuld daran, sagt der Vierundsechzigjährige, ist nicht zuletzt ein „persönliches Verklappungserlebnis“. Roland war im September vergangenen Jahres bei Ebbe durch das Watt auf die Insel Neuwerk gewandert. Als die Flut einsetzte, fuhr er mit einem Ausflugsschiff zurück nach Cuxhaven. Dabei erblickte er ein Baggerschiff. Offenbar randvoll gefüllt mit einem Gemisch aus Schlick, Sand und Wasser, lag es ganz tief in der See, erinnert sich Roland.

          Der Pensionär, ein Mann mit schütterem grauen Haar, der jünger aussieht, als er ist, vertiefte sich auf Deck wieder in ein Gespräch und verlor das Baggerschiff aus den Augen. Kurz darauf sah er es wieder. Doch etwas stimmte nicht: Das Schiff stand nun ganz hoch im Wasser, wie von Ballast befreit. Offenbar hatte es seine Fracht „während des Gesprächs verklappt“ – und das wenige Kilometer vor Cuxhaven, wie Roland mehr als ein halbes Jahr danach noch immer mit Entrüstung feststellt. Das Erlebnis beschäftigt ihn – und das hat Folgen.

          Gemeinsam mit 20 Mitstreitern hat er die Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“ gegründet. Peter Roland und Tanja Schlampp, 50 Jahre, rotblond-gelocktes Haar, Diplom-Kauffrau, sind die Sprecher. Die Fracht von Schiffen wie dem aus Rolands „Verklappungserlebnis“ ist aus Sicht der Gruppe der Grund dafür, dass sich eine matschige Masse aus feinsten Sedimenten direkt vor dem Cuxhavener Sandstrand gebildet hat – ein ganzer Streifen aus „Schlick“, der mehrere Dutzend Meter breit ist und vor bald zehn Jahren das erste Mal beobachtet worden ist. Tatsächlich saugen Baggerschiffe aus den Fahrrinnen der Elbe und des Hamburger Hafens ein Gemisch, das sie in die Elbmündung und in die Nordsee bringen.

          So halten sie den Weg zum größten deutschen Hafen frei. Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind überzeugt, dass sich die besonders kleinen Bestandteile der trüben Masse, die verklappt wird, direkt vor dem Strand als Schlick absetzen. Ihre Rechnung: Je mehr Baggergut vor Cuxhaven verbracht wird, desto mehr Schlick liegt bei ihnen am Strand. Deshalb wollen sie, dass kein Baggergut mehr vor Cuxhaven abgeladen werden soll.

          „Früher hat man die Wattwürmer schmatzen hören“

          Unstrittig ist, dass der Schlick für Cuxhaven, Nordseeheilbad mit 3,5 Millionen Übernachtungen im Jahr, ein Problem ist. Weniger im Winter, wenn nur hartgesottene Nordseeliebhaber den windgepeitschten Deich entlangspazieren, vielmehr in der Hauptsaison, wenn Wasserfreunde und Wattwanderer zu Tausenden an den Strand kommen. Das Schlickfeld vor Duhnen betreten Roland, Schlampp und Norbert Welker von der Umweltorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum Ortstermin mit Gummistiefeln. Anders geht es nicht. Schon mit dem ersten Schritt sinken sie ein, fast bis zum Stiefelschaft. Als sie mit beiden Beinen darinstehen, müssen sie sich gegenseitig stützen, um nicht in die schwarz-graue Masse zu fallen. Die Kurverwaltung hat schon Warnschilder aufstellen lassen, trotzdem mussten laut der Stadt Cuxhaven in den Sommermonaten ältere Badegäste von Rettungskräften aus dem Schlick geholt werden, weil sie sich allein nicht mehr befreien konnten.

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