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Bergwerk Saar : Die Saarländer fürchten die Flut

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In NRW muss schon aus geographischen Gründen das Sickerwasser ewig aus den Gruben gepumpt werden. Im Saarland ist das nicht zwingend der Fall. RAG hat deshalb angekündigt, in einem ersten Schritt den Wasserspiegel in zwei unterirdischen Sammelstellen um 200 Meter auf minus 320 Meter ansteigen zu lassen. Auf dieser Höhe könne das Wasser dann in einem unterirdischen Kanal in eine Sammelstelle, eine sogenannte Wasserprovinz, nahe der Saar zusammenfließen, und etliche Pumpen könnten abgestellt werden. Zwei bis drei Jahre würde das dauern. In einem zweiten Schritt könnte RAG dann den Wasserspiegel auch in den restlichen Provinzen erhöhen, das Wasser in die Flüsse ableiten, die Pumpen würden dann nur noch als Reserve benötigt. Einen Antrag dafür hat der Konzern allerdings noch nicht gestellt, diese Phase würde auch deutlich länger dauern, Experten sprechen von mehr als 20 Jahren.

Um die Risiken zum Start der Flutung abzuschätzen, hat die RAG zehn Gutachten in Auftrag gegeben, zwei weitere hat das Oberbergamt angefordert. Die beauftragten Fachleute äußern sich überwiegend zustimmend: Eine Hebung der Erde von 10 Zentimetern halten sie zum Teil für möglich, auch weitere Erschütterungen seien denkbar, allerdings weniger intensiv als zu Zeiten des aktiven Bergbaus. Im Gegenzug sei nach der Flutung mit einer höhere Stabilität des Untergrunds zu rechnen. Zudem heißt es etwa in der Umweltverträglichkeitsstudie, dass die Flutung sich teils auch günstig auf die Umwelt und die betroffenen Flüsse auswirken könne.

Herausfiltern von Giftstoffen

Die Angst vieler Anwohner hat das nicht genommen. Zu präsent ist vielen noch das schwere Grubenbeben von 2008 mit seinen erheblichen Schäden. Auch vor diesem Beben hätten die beschwichtigenden Prognosen der Verantwortlichen nicht gestimmt, sagte König schon damals und verwies auf 100 Häuser mit Totalschäden allein in seiner Region. Vor allem über mögliche Giftstoffe in den Stollen herrscht aktuell Streit. Nach Erkenntnissen des Wirtschaftsministeriums wurde bis 2012 eine halbe Million Kubikmeter Flugasche aus Rauchgas-Entschwefelungsanlagen von Kraftwerken gelagert, dazu mehrere tausend Fässer Asbestzement und PCB-haltiges Hydrauliköl.

Die befragten Gutachter sehen dennoch zumindest im ersten Flutungsschritt nahezu keine Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. RAG muss nach Maßgaben des Landes zudem sicherstellen, dass mögliche Giftstoffe im Grubenwasser vor dem Einleiten in Flüsse herausgefiltert werden. Nach Darstellung der RAG soll der Wasserspiegel nur so steigen, dass er gegebenenfalls jederzeit gestoppt werden könne. Das Potential für Erdhebungen sei „vergleichsweise gering“. Zusätzlich hat der Konzern eine Beweislastumkehr der sogenannten Bergschadensvermutung zugesichert. So sei bei Schäden durch mögliche Hebungen und Senkungen eine Umkehr der Beweislast zugunsten der Betroffenen festgeschrieben wurden, konkret müsste die RAG dann nachweisen, dass sie keine Schuld trifft. König sagt, er und seine Mitstreiter wollen nun den Planfeststellungsbeschluss abwarten und gegebenenfalls dagegen klagen. Bis es tatsächlich zur Flutung kommt, könnten also noch Jahre vergehen.

Die Bergbau an der Saar mag Geschichte sein. Seine Folgen werden die Menschen noch lange beschäftigten.

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