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Streit in der EU : Wie „grün“ ist die Atomkraft?

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Atomkraft? Nein Danke, meint eine Staatenallianz rund um Deutschland nach einer EU-Einstufung (Archivbild) Bild: dpa

In einer geplante EU-Richtlinie für grüne Finanzinvestments soll Atomkraft als nachhaltige Energiequelle bezeichnet werden. Dem stellt sich eine Staatenallianz um Deutschland entgegen.

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          Im Streit über die Einstufung von Atomkraft als grüne und nachhaltige Energie macht eine Staatenallianz um Deutschland Druck auf die EU-Kommission. Jedes Land habe zwar das Recht, seine Energieform selbst zu wählen, schreiben Minister von fünf Staaten in einem Reuters vorliegenden Brief an die Kommission. Bei der geplanten sogenannten Taxonomie - der Richtlinie für grüne Finanzinvestments - gehe es aber um Nachhaltigkeit.

          „Wir machen uns Sorgen, dass der Einschluss von Atomkraft in die Taxonomie deren Integrität und Glaubwürdigkeit beschädigt und daher auch deren Nützlichkeit.“ Sparer und Investoren würden ihr Vertrauen in Finanzprodukte verlieren, wenn sie fürchten müssten, auch im Bereich der Atomenergie Geld anzulegen. Atomkraft sei unvereinbar mit den Grundsätzen der Taxonomie.

          Endlagerfrage bleibt ungelöst

          Den Brief haben neben Bundesumweltministerin Svenja Schulze auch Minister aus Spanien, Österreich, Dänemark und Luxemburg unterschrieben. Sie greifen in dem Schreiben auch das Vorgehen der Kommission bei der Einstufung der Atomkraft an. So hätten die Expertengutachten vernachlässigt, dass die Endlagerfrage des Mülls in allen Staaten ungelöst sei und noch Generationen belasten werde. Deutschland will nun ein eigenes Gutachten dagegen halten.

          Die Taxonomie soll ähnlich der deutschen Sustainable-Finance-Richtlinie der wachsenden Zahl von Investoren eine Richtschnur bieten, die in klimafreundliche und nachhaltige Unternehmen und Sektoren investieren wollen. Papiere der EU-Kommission hatten zuletzt aber deutlich gemacht, dass Atomkraft hier eingeschlossen werden soll. Allerdings gibt es auch innerhalb der Kommission hier offenbar unterschiedliche Auffassungen, da Kommissions-Vize-Präsident Frans Timermans sich skeptisch äußerte.

          Für die Atomkraft setzen sich vor allem Frankreich und eine Gruppe osteuropäischer Staaten ein, die zugleich auch Erdgas als Übergangstechnologie in der Taxonomie sehen wollen. Die Kommission erwartet in den nächsten Tagen letzte Experten-Meinungen dazu. Sie will einen Vorschlag in einem sogenannten delegierten Rechtsakt gießen. Um diesen dann noch zu ändern, bräuchte man eine aktive Staatenmehrheit dagegen, was als schwierig gilt.

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