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Peter Bofinger : Der Letzte der Weisen

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In einer empirischen Analyse habe ich seinerzeit die Determinanten zum Abgeben der Minderheitsvoten untersucht (Potrafke, Minority positions in the German Council of Economic Experts: A political economic analysis. European Journal of Political Economy 31, 2013, 180 – 187). Keine andere Variable erklärte die Wahrscheinlichkeit, Minderheitsvoten abzugeben, so gut, wie von den Gewerkschaften in den Rat entsandt worden zu sein.

Sind die Schlussfolgerungen auf Basis des Zeitraums 1971 bis 2011 womöglich längst überholt? Alles andere als das, ganz im Gegenteil. Seit 2012 wurden 27 weitere Minderheitsvoten abgegeben. 26 dieser Minderheitsvoten stammen vom Gewerkschaftsvertreter Peter Bofinger. Damit bleibt Bofinger also nicht nur seiner Linie und der Tradition der von den Gewerkschaften nominierten Räte treu, sondern hat sich und die Kollegen in jüngster Zeit noch fulminant übertroffen.

Unterschiede zwischen Bofinger und Kollegen sind gewaltig

Eine wichtige Frage ist, inwieweit die wirtschaftspolitischen Auffassungen der Räte wissenschaftlich fundiert sind. Da rappelt es im Karton. Die vier nicht über das Gewerkschaftsticket eingezogenen Räte sind durch Publikationen in international referierten Zeitschriften wissenschaftlich hervorragend ausgewiesen. Bei Peter Bofinger sieht es mit Publikationen in international referierten Zeitschriften, gelinde gesagt, eher mau aus. Auch das F.A.Z.-Ökonomen-Ranking, welches in der Rubrik Forschungsleistung die Zitate der Forschungsarbeiten berücksichtigt, spricht Bände: Die Unterschiede zwischen Peter Bofinger und seinen Kollegen sind gewaltig.

Die Ergebnisse des Rankings aus dem letzten Jahr ergeben für die Subkategorie Forschung: Die wissenschaftlichen Arbeiten von Lars P. Feld wurden in den Jahren 2012 bis 2016 693 Mal zitiert, die von Christoph Schmidt 583 Mal, von Volker Wieland 458 Mal, von Isabel Schnabel 185 Mal und von Peter Bofinger 24 Mal. Dieses Zitationsranking ist schon aufgrund der blanken Zahlen wenig schmeichelhaft für den Letztplazierten der Weisen. Noch größer wird die Diskrepanz, wenn man bedenkt, dass Peter Bofinger der älteste der fünf Weisen ist und somit am meisten Zeit gehabt hätte, einschlägige wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben, die zitiert werden. Im F.A.Z.-Gesamtranking sah die Rangfolge jedoch anders aus: Lars P. Feld (Platz 5), Peter Bofinger (Platz 8), Christoph Schmidt (Platz 13), Isabel Schnabel (Platz 27), Volker Wieland (Platz 36). Das liegt aber, wie gesagt, daran, dass da einer daherkommt und den Leuten erzählt, dass im Himmel wieder Jahrmarkt ist.

Die Gewerkschaften werden wohl bald einen Nachfolger für Peter Bofinger nominieren, der bereits seit dem Jahr 2004 im Rat sitzt. Bofingers Amtszeit läuft noch bis 2019, und bereits vor Verlängerung dieser laufenden Amtszeit wurde über mögliche Nachfolger spekuliert. Hoch im Kurs stand DIW-Chef Marcel Fratzscher. Wenn Fratzscher Weiser werden würde, wäre es nichts mehr mit Unterschieden in den Publikationsprofilen. Marcel Fratzscher ist wissenschaftlich hervorragend ausgewiesen. Die anderen Ratsmitglieder würden Fratzscher niemals durch wissenschaftliche Publikationen belegten Sachverstand absprechen können. Doch würden gewiss Unterschiede in den wirtschaftspolitischen Auffassungen bestehen bleiben. Langweilig würde es deshalb im Sachverständigenrat auch in Zukunft nicht werden.

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