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Umsatzeinbußen : Das Leid der Bahnhofsläden

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Leere Gleise - leere Bahnhöfe - leere Läden - so die einfache Gleichung Bild: dpa

Die Gewerkschaft GDL streikt nur noch bis Samstagabend. Der Rekordstreik trifft aber nicht nur Fahrgäste, sondern auch Einzelhändler und Kioskbetreiber an den Bahnhöfen.

          Normalerweise drängen sich mehrere Dutzend Menschen an den Auslagen. Franzbrötchen, Zimtschnecken oder eine Brezel: Die Bäcker am Hamburger Hauptbahnhof kommen dem Kundenansturm oft kaum hinterher. Doch seit Beginn des Lokführerstreiks stehen nicht nur die Züge an den Bahngleisen still - auch in den Wartehallen herrscht gähnende Leere. „Das hat die Gewerkschaft wohl nicht bedacht: Streiken die Lokführer, hat nicht nur die Bahn Verluste, sondern auch die Taxifahrer, Kebabbuden oder die Zeitungshändler“, sagt einer der Bäcker am Freitag.

          Mehr als 40 Geschäfte bieten am Hauptbahnhof ihre Ware - von Snacks bis Souvenirs aus Hamburg - an, doch kaum einer der Verkäufer hat noch Verständnis für den Lokführerstreik, der jetzt am Samstagabend enden soll. „70 Prozent weniger Umsatz, so extrem war es noch nie“, erzählt eine Konditorin und zeigt mit dem Daumen nach unten.

          Seit 6.00 Uhr stehen die Backwaren in der Vitrine, doch kaum ein Kunde lässt sich in dem Bäckerladen am Bahnhof blicken. Nur vereinzelt werden Kaffee oder eine Stulle bestellt. „Normalerweise stehen unsere Kunden schon vor der Tür, heute geht aber gar nichts“, berichtet eine Verkäuferin. Obwohl die Wartezeit gleich null wäre, bleiben auch am zweiten Tag des Rekordstreiks die Kunden aus – und die Bäcker auf ihrer Ware sitzen.

          An den Kaffeebuden am Frankfurter Hauptbahnhof muss man freitags üblicherweise Schlange stehen. Heute war nichts los. Zumachen dürfe er aber nicht, sagt der Verkäufer. Die Bahn erlaube das nicht.

          So kippt ein Pizzabäcker seine Ware in die Biotonne, denn von spätestens 21.00 Uhr an seien kaum noch Menschen im Bahnhof unterwegs. Einige Zimtschnecken und Fischbrötchen sammelt die Bahnhofsmission für Essensspenden ein. „Es ist fast ein Totentanz: Wir hatten einen Kunden in zwei Stunden“, sagt ein Saftverkäufer.

          Am ersten Streiktag konnten die Blumenhändlerinnen wegen fehlender Kunden zwar zwei Stunden eher Feierabend machen - jedoch hatten sie ein Umsatztief von mehr als 50 Prozent. „Niemand kauft am Streiktag Blumen. Entweder sie halten sich in den Kühlanlagen oder sie verwelken einfach“, sagt eine Blumenhändlerin.

          Obwohl der Freitag normalerweise der umsatzstärkste Tag am Bahnhof ist, stapeln sich kurz vor dem Wochenende in den Buchläden die Tageszeitungen. Wer als Pendler in den frühen Morgenstunden nach Hamburg kommt, kauft sich meistens eine Zeitung - nicht jedoch an den Streiktagen. „Hier wuselt es sonst wie im Bienennest, aber heute brauche ich die Zeitungen nicht einmal aus den Verpackungen nehmen. Die kauft doch heute sowieso niemand mehr“, klagt ein Zeitungsverkäufer. Mit besonderen Aktionen wollen einige Einzelhändler die Verluste durch die Streiktage im November wieder erwirtschaften.

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