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Alternativen zum Zug : Wie erreiche ich trotz des Bahnstreiks mein Ziel?

Was nun? Reisende warten im Hauptbahnhof in Berlin auf ihren Zug.. Bild: dpa

Deutschland wird durch den Streik der Lokführer lahmgelegt? Mitnichten. Es gibt jede Menge Möglichkeiten, sein Ziel trotzdem zu erreichen. Wir zeigen, wie.

          Wer in diesen Tagen mit der Bahn reisen wollte ist aufgeschmissen? Weit gefehlt. Trotz des 138-Stunden-Streiks heißt es vor allem erst einmal: Nerven bewahren! Denn noch nie war es so einfach wie heute, trotz des Arbeitsausstandes schnell und günstig an sein Ziel zu kommen. Während noch vor 8 Jahren bei dem ersten großen Tarifstreit zwischen Lokführergewerkschaft und Deutscher Bahn an den Bahnhöfen Chaos herrschte, gibt es dieses Mal kein Gedränge an den Auskunftspunkten der Deutschen Bahn. Nicht nur, dass die Deutschen sich mittlerweile an den Streik gewöhnt haben. Technische Hilfsmittel machen es einfach wie nie, trotzdem zu reisen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie kommt man also an sein Ziel? Der erste Blick sollte auf bahn.de fallen. Dort gibt es die Live-Auskunft, mit der man sich informieren kann, ob der Zug doch fährt. Das gilt auch für die App, die für alle gängigen Handy-Modelle verfügbar ist. Denn es ist bei weitem nicht so, dass kein Zug mehr fährt. Etwa jeder dritte Fernzug ist noch unterwegs. Je nach Region sind außerdem zwischen 15 und 60 Prozent der Regionalzüge auf der Strecke. Warum ist das so? Die GDL ist in West- und Ostdeutschland unterschiedlich gut organisiert. Und bedingt durch die frühere Teilung Deutschlands gibt es vor allem im Westen noch verbeamtete Lokführer, die per Gesetz nicht streiken dürfen.

          Gute Karten hat man auch, wenn die Bahn nicht nur innerhalb Deutschlands fährt. Mit vielen Ländern gibt es grenzüberschreitenden Verkehr. So fahren regelmäßig ICE-Züge zwischen Brüssel und Frankfurt oder Amsterdam und Frankfurt. Auch Paris wird aus vielen Städten mit Schnellzügen angefahren. Zusätzlich fahren Eurocitys zum Beispiel nach Kopenhagen oder Zürich. Auch bei diesen Zügen hat man generell eine gute Chance, dass sie trotzdem fahren. Der Grund ist so einfach wie logisch: Diese werden oftmals von ausländischen Lokführern gesteuert, die nicht in der GDL organisiert sind. Andere Eisenbahnunternehmen wie die Mittelrheinbahn oder der Hamburg-Köln-Express werden ebenfalls nicht bestreikt und erlauben es, mit dem Zug unterwegs zu sein. Allerdings werden diese Verbindungen erfahrungsgemäß ausgebucht oder sehr voll sein.

          Manchmal ist der Flieger eine gute Alternative

          Was aber, wenn der eigene Zug wirklich nicht mehr fährt? Eine Möglichkeit ist natürlich das Flugzeug. Zahllose Plattformen wie fluege.de oder expedia.de bieten eine Übersicht aller Fluggesellschaften an, die unterwegs sind. Das kann natürlich teurer werden als mit der Bahn zu fahren, ist dafür aber oft auch schneller. Aber diese Möglichkeit bietet sich natürlich nur für Distanzen zwischen den großen Städten an. Außerdem sind auch die Flugzeuge erfahrungsgemäß schnell ausgebucht.

          Doch was, wenn man nicht etwa von Berlin nach München, sondern nur zwischen Berlin und Chemnitz fahren möchte? Dann ist der Fernbus das Mittel der Wahl. Dank der schwarz-gelben Regierung wurden diese im Jahr 2013 im großen Stil erlaubt. Im Vorjahr sollen bereits etwa 20 Millionen Deutsche mit einem der Busse gefahren sein. Insgesamt werden rund 7300 Fahrten angeboten, das Liniennetz umfasst etwa 250 Strecken. Damit ist sichergestellt, dass auch kleinere Städte angefahren werden. Doch bei insgesamt 28 Anbietern fällt hier die Übersicht schwer. Dafür gibt es aber auch Seiten wie busliniensuche.de oder goeuro.de die helfen, den Überblick zu behalten.

          Durch Mitfahrgelegenheiten lässt sich Geld sparen

          Die Flieger sind voll, der Zug fährt nicht und Busse gibt es auch nicht? Dann bleiben immer noch zwei Möglichkeiten. Zum einen bieten sich Mitfahrgelegenheiten an. Gegen ein meist geringes Entgeld kann man dann von A nach B mitfahren. Im Internet bieten dazu die großen Anbieter wie Blablacar oder Mitfahrzentrale eine Übersicht, wer wohin fährt. Sollte auch das scheitern, kann man sich immer noch selbst ein Auto mieten. Nicht umsonst hat Sixt bereits mit Claus Weselsky als „Mitarbeiter des Monats“ geworben, denn die Mietzahlen explodieren geradezu. Um hier einen Überblick über das Angebot zu behalten, hilft zum Beispiel billiger-mietwagen.de.

          Mietet man sich selbst ein Auto, bietet sich der umgekehrte Weg an: Wenn man seine Fahrt bei einem der großen Mitfahrzentralen anbietet, kann man sich bei einem vollen Auto vielleicht die Spritkosten oder gar die ganze Leihgebühr durch die Mitfahrer wiederholen. Natürlich gilt das auch für das eigene Auto. Auch hier kann man seine Fahrten bei der Mitfahrzentrale einstellen oder vielleicht Arbeitskollegen fragen, ob sie mitfahren wollen. Diese spontanen Fahrgemeinschaften sind auch durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt.

          Und innerhalb der Stadt, wenn kaum noch eine S-Bahn-fährt? Dann bleiben je nach Kommune nur noch die U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse. Muss es schneller gehen, ist natürlich auch das Taxi eine Alternative. Der Anbieter Mytaxi hat – ob zufällig oder nicht – eine Aktion gestartet, dass 50 Prozent der Fahrtkosten von Mytaxi getragen werden. Diese ist bis zum 17. Mai befristet und nur in den Städten verfügbar, in denen Mytaxi auch vertreten ist. Doch so kann eine Fahrt zwischen Düsseldorf und Köln schnell günstig werden. Kostet die Fahrt sonst 80 Euro, sind es ganz schnell nur noch 40 Euro. Teilen sich dann zum Beispiel 4 Menschen ein Taxi, muss jeder nur noch 10 Euro bezahlen. Ein fairer Preis, wenn man es eilig hat.

          Zu guter Letzt: Sollte es trocken bleiben, bietet sich zumindest innerhalb der Stadt der Umstieg aufs Fahrrad an. Sollte das eigene noch eingemottet sein oder nicht fahrtüchtig, bieten sich die Call a Bikes an. Dieser Mietfahrraddienst der Deutschen Bahn streikt nicht und für wenige Cent ist das Ziel auch schnell erreicht. Erst wenn das alles nicht mehr möglich ist und auch der Weg zu Fuß keine Alternative ist - dann kann man langsam die Nerven verlieren.

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