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Streik am Dienstag : Lufthansa streicht jeden zweiten Langstreckenflug

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Streitpunkt sind unter anderem die Pläne von Konzernchef Spohr, die Billigfluglinie Eurowings auszubauen. Bild: Frank Röth

Die Piloten der Lufthansa streiken am Dienstag abermals. Tausende Passagiere sind betroffen. Die ersten Flieger blieben am Montagabend bereits am Boden. Doch die Lufthansa gibt sich gelassen.

          Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa legen die Piloten an diesem Dienstag die Arbeit nieder. Der Streik auf allen Langstreckenflügen aus Deutschland heraus beginne um 8.00 Uhr morgens und dauere bis Mitternacht, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Montag mit. Der Streik betreffe auch Cargo-Flüge.

          Die Lufthansa will trotz des Pilotenstreiks möglichst viele Passagiere ans Ziel bringen. Es werde entgegen der Drohungen der Vereinigung Cockpit ein Großteil der Flüge stattfinden, erklärte ein Konzernsprecher am Montagmorgen in Frankfurt. Laut Sonderflugplan, der am Montagnachmittag veröffentlicht wurde, streicht das Unternehmen am Dienstag jeden zweiten Langstreckenflug. Insgesamt müssen 84 Interkontinentalverbindungen von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf gestrichen werden. Damit sitzen mehr als 20.000 Lufthansa-Gäste fest. Die Arbeitsniederlegung wird voraussichtlich vor allem Urlaubsheimkehrer treffen, da in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg in einer Woche die Schule wieder beginnt.

          Hingegen können wohl 90 Flüge von insgesamt etwa 170 Flügen nach Übersee abheben, da eine „vergleichsweise hohe Zahl an freiwilligen Cockpitbesatzungen gefunden wurde“. Zudem sollten so viele Passagiere wie möglich auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden, um sie doch noch ans Ziel zu bringen. Erste Flüge wurden bereits am Montag gestrichen. Damit will die Lufthansa nach Ende des Streiks wieder möglichst schnell zum Normalbetrieb übergehen. Die Lufthansa forderte die Gewerkschaft auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

          Nach Darstellung der Pilotengewerkschaft hatte die Lufthansa es in einem Spitzengespräch mit Vorstandschef Carsten Spohr abgelehnt, die geplante Verlagerung von Flugzeugen und Arbeitsplätzen ins Ausland für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen. Daraufhin hatte die Pilotengewerkschaft am Mittwoch die Gespräche abermals für gescheitert erklärt. Ging es in der Vergangenheit vordergründig um die künftige Frühverrentungsregelung für Lufthansa-Piloten, tritt nun immer deutlicher zu Tage, dass die Eurowings-Pläne der wahre Knackpunkt sind. Vorstandschef Spohr treibt sie konsequent voran, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns gegenüber Herausforderern wie Easyjet und Ryanair zu sichern. Die Arbeitnehmervertreter scheinen diese Beharrlichkeit unterschätzt zu haben.

          „Zuletzt hatte die Lufthansa der Pilotengewerkschaft am vergangenen Wochenende zwei Gesprächsangebote unterbreitet. Diese klangen nur auf den ersten Blick vielversprechend. Eine genauere Analyse zeigte jedoch, dass die Inhalte erneut substanzlos waren“, heißt es in der Mitteilung der Gewerkschaft.

          Ein Streik mit Symbolkraft

          Die Lufthansa-Sprecherin sagte, das Unternehmen habe am Wochenende „weitgehende, weitreichende“ Angebote gemacht. Bettina Volkens, Personalvorstand trat der Kritik entgegen, dass die Konditionen beim europäischen Eurowings-Ableger für Piloten nicht akzeptabel seien. Innerhalb einer Woche hätten sich mehr als 1000 externe und interne Bewerber auf Cockpitstellen dort beworben. „Das zeigt, dass wir auch dort attraktive Beschäftigungsbedingungen anbieten“, sagte Volkens.

          Die Pilotengewerkschaft hatte dem Unternehmen zuletzt nach eigenen Angaben Einsparmöglichkeiten in einem Volumen von rund 500 Millionen Euro angeboten. Neben einem späteren Eintritt in den Vorruhestand sollte innerhalb des Konzerntarifvertrags eine Tarifgruppe für Billigflieger eingeführt werden. Die Pilotengewerkschaft betonte am Montag zudem, weiter für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

          Spohr setzt auf die Rückendeckung seiner Aktionäre im Arbeitskampf mit den Piloten. „Per se goutiert der Finanzmarkt, wenn wir in diesen Arbeitskämpfen hart bleiben“, hatte Spohr am Donnerstagabend in Stuttgart gesagt. Die Streikpläne der Piloten hielten die Anleger am Montag von Lufthansa-Aktien zurück. Bei einem Plus von lediglich 0,09 Prozent notierten die Papiere kaum verändert.

          Es ist der 13. Streik in dem laufenden Tarifkonflikt. In bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat sie dem Unternehmen nach dessen Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt. Der Ausstand ist zudem der erste seit März, als ein Kopilot ein Flugzeug der Tochtergesellschaft Germanwings gegen einen Berg gelenkt und sämtliche Passagiere mit in den Tod gerissen hatte. Daher kommt dem Streik eine besondere Symbolkraft zu. Die Tragödie im Frühjahr hatte den Konflikt nur vorübergehend abgekühlt.

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