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Kommentar : Überzogen

Niemand kann sich diesen Streik leisten: weder die Fahrgäste, noch die Deutsche Bahn – und auch die GDL nicht. Wer sein Streikrecht so überzieht, schadet am Ende der eigenen Sache.

          Niemand kann sich diesen Streik leisten: Die Fahrgäste kostet jeder Streiktag Nerven und Zeit. Die Deutsche Bahn kostet jeder Streiktag viele Millionen Euro und das Vertrauen der Kunden. Für die Politik konterkariert jeder Streiktag das Ziel, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Und letztlich kann sich auch die Lokführergewerkschaft GDL den Streik nicht leisten, denn sie verspielt gerade den Rest von Verständnis.

          Trotzdem lässt Gewerkschaftschef Claus Weselsky den Tarifkonflikt zum siebten Mal seit September eskalieren. Er fühlt sich von der Bahn provoziert, weil sie seinen Forderungen nicht voll nachgibt. Von Lüge ist die Rede. Die Bahn gibt sich derweil „bestürzt und fassungslos“. Da ist allenthalben viel Theaterdonner. Weselsky gibt der Politik die Schuld, schließlich habe sie durch die Bahnreform dafür gesorgt, dass Lokführer nicht mehr Beamte seien.

          Aber muss der neue Status zu Streik statt Loyalität führen? Wohl kaum. Ein grundsätzliches Streikrecht kann doch nicht heißen, dass Spielregeln zwischen Tarifpartnern obsolet sind – im Dreieck mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG. Wer sein Streikrecht so überzieht wie die GDL, schadet am Ende der eigenen Sache.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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