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Bahn-Streik : GDL steht hinter Weselsky  - aber die Kritik wächst

Nicht jeder Lokführer unterstützt den Kurs des GDL-Chefs - nicht wenige Züge fahren trotz des offiziellen Ausstandes. Bild: dpa

GDL-Chef Claus Weselsky hat auch für den nun begonnenen Streik viel Rückendeckung bekommen. Aber Kritik an seinem Kurs kommt nicht nur vom Amtsvorgänger. Auch die vielen Züge, die fahren, sind ein Zeichen.

          Als die Lokführer-Gewerkschaft GDL ihren neuen Streik beschlossen hat, stand sie mit großer Mehrheit hinter ihrem Chef Claus Weselsky. Der Streik ist auch wie geplant angelaufen. Allerdings fahren nach wie vor Züge - allein in Hessen sind auch an diesem Donnerstag angeblich rund ein Drittel aller Fernverkehrszüge angeboten worden.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Da die Züge nicht von Robotern gesteuert werden, bedeutet das auch, dass offenbar eine gewisse Zahl der 20.000 Lokführer, die von der GDL organisiert sind, den Streikkurs ihrer Vertreter nicht mitträgt. Allem Anschein nach werden es mehr, auch wenn sich die meisten nicht öffentlich äußern - zudem dürfte es aktuell noch überzogen sein davon zu sprechen, dass Weselskys Gefolgschaft kleiner wird.

          Viel Kritik vom Vorgänger

          Als Mann mit einem starken Ego und einem starken Durchsetzungsvermögen polarisiert er naturgemäß. Seine Stellvertreter Quitter und Schreiber stehen an seiner Seite, sie hat er erst letztes Jahr in diese Position geholt.

          Vorausgegangen war dem Revirement im Mai 2013 ein interner Machtkampf. Damals  enthob Weselsky seine beiden Stellvertreter ihrer Ämter. Der eine, ein Vertrauter von Weselskys Vorgänger Manfred Schell, hatte zuvor für seinen Hausbau einen höheres Darlehen vom Arbeitgeber verlangt, was Weselsky ablehnte - wohl auch weil die Chemie nicht mehr stimmte.

          Schell sprach damals von „Säuberungen“ und trat aus Protest als Ehrenvorsitzender zurück. Die GDL-Delegierten aber bestätigten Weselskys Linie und wählten ihn bis zum Jahr 2017 zum Vorsitzenden. Er hat die Zugkraft, seine neuen Stellvertreter halten ihm den Rücken frei. Schell selbst lässt heute kein gutes Haar mehr an Weselsky. Er nimmt dessen Führungsstil aufs Korn, nennt ihn „Mao“ oder „Assad“ und wirft ihm vor, in den „Heiligen Krieg“ ziehen zu wollen.

          Für das Ausmaß des aktuellen Streiks hat der ehemals starke Mann der Gewerkschaft, der den großen Arbeitskampf 2007/2008 gegen den damaligen Bahnchef Mehdorn führte, kein Verständnis: „Ich glaube nicht, dass die Aktion etwas bringt. Auch wenn Weselsky 200 Stunden streikt, wird er sein Ziel nicht erreichen. Er kann diesen Kampf nicht gewinnen. Es muss ein Kompromiss gefunden werden.“

          Und Schell sagte auch: „Weselsky reitet einen Egotrip.“ Er habe Angst, in gemeinsamen Verhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ,EVG keine Rolle mehr zu spielen.

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