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Bahnstreik : Der Ersatzfahrplan für die nächsten beiden Tage steht

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Die Deutsche Bahn steht vor dem längsten Streik ihrer Geschichte. Nun hat sie die Ersatzfahrpläne für Mittwoch und Donnerstag erstellt: Wieder soll rund ein Drittel der Fernzüge fahren.

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          Wegen des angekündigten Streiks der Lokführer stellt die Deutsche Bahn wieder Ersatzfahrpläne auf. Für den Fernverkehr seien diese Pläne für Mittwoch und Donnerstag bereits fertig und in den Auskunftssystemen abrufbar, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Dienstag in Berlin. „Wir bedauern besonders, dass es ausgerechnet am Pfingstwochenende dazu kommt.“ Die Ersatzfahrpläne für Freitag werden am Mittwoch um 12 Uhr veröffentlicht, am Tag darauf die für Samstag. In diesem Rhythmus wird es dann weitergehen.

          Wie bei den früheren Streiks der Lokführergewerkschaft GDL soll während des unbefristeten Streiks etwa ein Drittel der Fernzüge fahren. Bei den Regionalzügen erwartet die Bahn, dass je nach Region 15 bis 60 Prozent der üblichen Zahl unterwegs sein werden. Im Güterverkehr sollen etwa 70 Prozent der Züge rollen.

          Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 99 66 33 (20ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60ct/Anruf) hat die Bahn eine kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33 geschaltet. Die Auskunft ist unter www.bahn.de zu erreichen. Weitere Tipps für den Bahnstreik hat FAZ.NET hier zusammengestellt.

          Homburg sprach von einem immensen wirtschaftlichen Schaden, der der Bahn und der Wirtschaft insgesamt entstehe. Großkunden hätten sich inzwischen für ihre Transporte „ein zweites Standbein aufgebaut“. „Das Vertrauen in das Gesamtsystem Bahn ist erschüttert“, fügte der Manager hinzu.

          Die Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL hatte am Vortag angekündigt, am Dienstag um 15.00 Uhr im Güterverkehr die inzwischen neunte Arbeitskampfrunde zu starten. Ab Mittwoch 2.00 Uhr sollen dann auch die meisten Personenzüge wieder stehen. Die Deutsche Bahn will den Streik noch verhindern: Seit 11 Uhr sitzt sie mit Vertretern der GDL zusammen, wie Personalvorstand Ulrich Weber am Morgen ankündigte. Auch ein einen externer Arbeitsrechtler wurde hinzugezogen.

          Mehrere Unionspolitiker hatten zuletzt eine Zwangsschlichtung gefordert. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte „Focus Online“, für Lokführer, Fluglotsen oder im Gesundheitswesen müsse es bei Streiks eine „Pflicht-Schlichtung“ geben. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die GDL schon vor der neuerlichen Streikankündigung zum Einlenken aufgefordert und eine Schlichtung des Konflikts verlangt.

          Worüber streiten Bahn und Lokführer überhaupt?

          Im Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL geht es um mehr als um Lohnerhöhungen in dieser Tarifrunde. Die GDL will die uneingeschränkte Hoheit, für alle seine Mitglieder Tarifverträge abschließen zu dürfen. Das sei ein vom Grundgesetz geschütztes Grundrecht, sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Bislang verhandelt die Bahn mit der GDL nur über die Gehaltsforderungen der Lokführer, nicht aber über Tarife für die in der GDL auch organisierten Zugbegleiter und Bordgastronomen. In diesen Berufszweigen sind die meisten Bahnangestellten bislang in der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) organisiert. Bis letzten Sommer hatten beide Gewerkschaften ihre jeweiligen Einflussbereiche miteinander abgesteckt, doch das Verhältnis ist tief zerrüttet: Inzwischen wollen beide Gewerkschaften ihre Macht im Bahnkonzern behaupten. Jeder möchte für seine Mitglieder Abschlüsse aushandeln. Die Bahn will aber nach eigener Aussage verhindern, dass es für eine Berufsgruppe zwei unterschiedliche Tarifverträge mit abweichenden Regelungen gibt. Brisanz bekommt der Streit vor allem wegen dem geplanten Tarifeinheitsgesetz. Danach soll künftig in einem Betrieb nur noch das Vertragswerk der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Da die Bahn rechtlich unterschiedliche Sparten als Einzelbetriebe führt, muss jeweils festgestellt werden, welche Gewerkschaft im jeweiligen Betrieb mehr Mitglieder hat. Die GDL fürchtet, durch das Gesetz an den Rand gedrängt zu werden. Streiks einer kleineren Gewerkschaft für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise nicht mehr verhältnismäßig und illegal. (tine.)

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