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Der Bahnstreik im Fernsehen : Bus und Bahn, der helle Wahn

  • -Aktualisiert am

Nicht nur im Miniaturwunderland Hamburg gibt es Komplikationen. Bild: dpa

Beim Lokführerstreik springt das Fernsehen aus dem Gleis: Beobachtungen zu manchen Unfällen, interviewten Ex-Frauen von Gewerkschaftsführern und falsch parkenden Zügen.

          Die Moderatorin Mareile Höppner hatte für die Zuschauer von „Brisant“ am Donnerstagnachmittag eine besondere Nachricht: „Eventuell fahren dieses Wochenende doch noch wieder Züge. Denn in diesen Minuten berät die Deutsche Bahn, ob es nicht vielleicht doch möglich ist, diesen Streik noch juristisch zu stoppen, irgendwie.“

          Was sie vermutlich sagen wollte, irgendwie, war, dass gerade das Arbeitsgericht Frankfurt tagte, um über die Rechtmäßigkeit des Streiks der Gewerkschaft der Lokführer GDL zu entscheiden, aber Deutsche Bahn, Arbeitsgericht wer kann das schon auseinanderhalten, jedenfalls nicht die Leute, die beim ARD-Boulevardmagazin die Texte auf den Teleprompter schreiben.

          Nicht nur Züge parken falsch

          Der folgende Bericht staunte über die „ungewöhnlichen Schicksalsgemeinschaften“, die durch den Bahnstreik entstehen: „ein Student unterwegs zu Freunden und eine Dozentin unterwegs zur Fortbildung“. Beide nutzten, man stelle es sich vor, dieselbe Mitfahrgelegenheit! „Selbst am Himmel wird die Luft dünn“, hieß es, und: „Wer muss/fährt Bus.“

          Bei den Kollegen vom ZDF-Blaulichtmagazin „Hallo Deutschland“ war der Streik eine Herausforderung für Tim Niedernolte, seine Pflicht zur Überleitung von einem Thema zum anderen zu erfüllen. Von einem Film über den schnellsten Abschleppdienst Frankfurts kam er zum Streik: „Was aus Sicht vieler Pendler definitiv auch falsch parkt, sind viele Züge.“ Vom Streik zu einem Stück über alte Renaults ging es mit dieser Krücke: „Wegen des Streiks sind heute auch viel mehr Leute als sonst in ihre Autos gestiegen. Mich würde mal interessieren, ob da auch der ein oder andere legendäre R4 dabei war.“

          Zwischendurch erkundigte er sich nach dem Stand der Verhandlungen am Arbeitsgericht bei einem Korrespondenten, der nicht am Arbeitsgericht, sondern am Hauptbahnhof stand. Warum auch nicht. Bei N24 hatten sie einen Reporter direkt vor der Tür des Verhandlungssaals postiert, der mehrmals die Raumnummer ablas und die Etage angab. In einer Sitzungspause sagte er: „Wir sehen: Das Fenster ist geöffnet, weil man mal durchlüften muss.“

          Wenn man nicht weinen kann

          Der ARD-Korrespondent Andreas Clarysse schilderte den Applaus von Gewerkschaftsmitliedern für ihren Chef im Gericht als „ziemlich abgespacte Situation“. Das habe sich gelegt, als die Anwälte redeten, dann wurde es „ein ganz cooles Miteinander..., cooles Gezerre, muss man sagen“. Clarysse glaubte auch, die Bahn müsse gegen die Entscheidung der ersten Instanz „Revision“ einlegen statt Berufung. Aber man ist ja um jeden ARD-Mitarbeiter froh, der nicht Bahn und Gericht verwechselt. Das Erste nahm auch einen „Brennpunkt“ ins Programm, der zufällig gerade lief, als es in Frankfurt tatsächlich spannend wurde.

          Die Richterin hatte den Streitparteien einen Vergleich vorgeschlagen. Aber auf aktuelle Ereignisse war die aktuelle Sondersendung vom HR nicht vorbereitet, und so fragte Markus Gürne, der sonst an der Börse steht, die zugeschalteten Vertreter von Bahn und GDL: „Wie lange soll das eigentlich so weitergehen?“ Und: „Was bieten Sie denn an, dass es überhaupt mal vorangeht?“ Als er Bahn-Personalchef Ulrich Weber dann doch auf den Vergleich ansprach, antwortete der: „Ich weiß von einem Vergleichsvorschlag. Ich kenne ihn leider nicht, weil ich in der Vorbereitung auf dieses Gespräch in der Schminke war.“ Tragisch.

          Die entscheidende Expertin in dieser komplexen Auseinandersetzung um Tarifpluralität tat RTL auf: Ingrid Michael, die Ex-Frau von GDL-Chef Weselsky. „Sie sagt“, so RTL-„Explosiv“, „was Millionen Pendler denken: Ihr Ex ist ungeeignet für diesen Posten.“ Frau Michael erzählte, dass Weselsky auch in der Familie, der Freizeit immer schon „machtversessen“ gewesen sei: „Er hat mit allen überall diskutiert und wollte zum Schluss immer derjenige sein, der aus der Diskussion als strahlender Sieger hervorgegangen ist.“ RTL fügte hinzu: „Genau diesem Fanatismus ist es zu verdanken, dass Lokführer derzeit alles andere als beliebt sind.“ Man muss nur mit den richtigen Leuten reden, um die Welt zu verstehen.

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