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Bahnstreik : Weselsky zieht Ausstand unerbittlich durch

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Personenzüge in der Warteschleife: Ab Sonntagmorgen muss die Deutsche Bahn im Streikchaos aufräumen Bild: dpa

Trotz einer neuen Verhandlungsinitiative der Deutschen Bahn bleibt GDL-Chef Claus Weselsky unerbittlich und zieht den Streik bis Sonntagmorgen durch. Danach wird es immer noch zu Einschränkungen kommen.

          Ungeachtet einer neuen Initiative des Bahnchefs Rüdiger Grube zieht die Lokführergewerkschaft GDL ihren Streik durch. „Wir werden diese Maßnahme am Sonntag punkt 9.00 Uhr beenden und dann über weitere Maßnahmen beraten“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Leipzig.

          Der „Saarbrücker Zeitung“ (Samstagausgabe) sagte er, bisher habe die Bahn keine GDL-Forderung erfüllt. Sollte es auch weiter vonseiten der Bahn keine Bewegung in dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt geben, „werden unsere Mitglieder erneut streikbereit sein“.

          Die Fahrgäste müssen sich auch am Wochenende auf ausgedünnte Fahrpläne einrichten und die Folgen des bislang längsten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn AG ertragen. Auch nach dem geplanten Streikende gibt es laut Bahn nicht sofort das gewohnte Vollangebot, weil zunächst noch nicht alle Züge dort stehen, wo sie gebraucht würden. Der Streik sei ein „großer Erfolg“, sagte Weselsky im Gespräch mit der Zeitung.

          300 von 800 Fernzügen am Wochenende

          Im Fernverkehr will die Bahn am Sonntag rund 300 der sonst üblichen 800 Züge einsetzen. Etwa 50 davon müssten kurzfristig eingeplant werden und stünden erst zwei Stunden vor Abfahrt im Internet-Fahrplan. Das Schienennetz sei „offen und befahrbar“, gab die für die Infrastruktur zuständige DB Netz AG zumindest grundsätzlich grünes Licht.

          Die Güterbahn DB Schenker Rail nannte keinen exakten Zeitpunkt bis zum Normalbetrieb. Die abgestellten Güterzüge würden möglichst schnell abgefahren, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Bei der vorherigen, kürzeren Streikwelle habe man für das „Aufräumen“ bis zur Wochenmitte gebraucht.

          Nach Unternehmensangaben sollten an den insgesamt sieben Streiktagen im Güterverkehr jeweils rund zwei Drittel der sonst üblichen Züge fahren. Besonders wichtige und zeitkritische Güter wie zum Beispiel Teile für die Autoindustrie seien dabei bevorzugt worden.

          Bahnchef verhandelt offenbar im Hintergrund

          Bahnchef Rüdiger Grube kündigte in dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt eine zweite Initiative an, nachdem sein Vermittler Matthias Platzeck von der GDL abgelehnt worden war. Noch vor Streikende werde er „die nächste Stufe zünden“, sagte Grube einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ zufolge am Donnerstagabend in Esslingen. Grube dämpfte aber zugleich die Erwartungen an seinen „Plan B“: „Die Lösung wird es nicht sein.“

          Aus Konzernkreisen hieß es, am Freitag und am Wochenende sei keine Pressekonferenz oder andere öffentliche Ankündigung zu erwarten. Offenbar will Grube hinter den Kulissen versuchen, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen.

          Die deutsche Industrie hat den 138 Stunden langen Streik im Güterverkehr offenbar ohne größere Produktionsausfälle überstanden. Die besonders vom Schienentransport abhängigen Unternehmen der Auto- und Chemiebranche hatten sich nach Angaben ihrer Verbände intensiv auf die Transportprobleme vorbereitet. Auch die Hochöfen der Stahlindustrie mussten nicht heruntergefahren werden.

          Zur Höhe der zusätzlichen Kosten machten die Verbände am Freitag keine Angaben. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Chemischen Industrie (VCI) beklagten die mit jedem Streiktag stärker steigenden Logistikkosten, die mit dem Umstieg auf Privatbahnen, Binnenschiffe oder Lastwagen verbunden waren.

          Die GDL-Lokführer bestreiken in dem Tarifkonflikt zum achten Mal deutschlandweit den Zugbetrieb der Deutschen Bahn. Der bislang längste Ausstand soll noch bis Sonntagmorgen dauern. Es geht der GDL grundsätzlich um eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal. Während die Bahn nur die gleichen Bedingungen wie mit der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG akzeptieren will, drängen die Lokführer auf Abweichungen etwa bei der Arbeitszeit.

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