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Tarifstreit : Bahnchef Grube rechnet weiter mit Streiks

Rüdiger Grube: Die Beteiligten des angedrohten Bahnstreiks müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein Bild: dpa

Nach Kritik aus den eigenen Reihen verzichtet die GDL auf den angedrohten 100-Stunden-Streik. Doch Bahnchef Grube sieht die Gefahr nicht gebannt. Und spricht im F.A.Z.-Interview über die Möglichkeit einer Zwangsschlichtung.

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          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, sieht die Streikgefahr im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL noch nicht gebannt. „Wir sind noch nicht am Ziel“, sagte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er sei aber froh, dass an diesem Donnerstag wieder verhandelt werde. In den Gesprächen sei es bisher um Tarifstruktur gegangen, jetzt gehe es um Inhalte. Dabei müsse aber auch die Wirtschaftlichkeit gewahrt bleiben. „Wenn die GDL Forderungen von insgesamt über zwölf Prozent stellt, ist das völlig unrealistisch“, kritisierte Grube.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Bahnchef verweist aber nicht auf die inhaltliche Diskrepanz der Streitpartner, sondern macht auch klar, dass allein die Drohung eines Lokführerstreiks für die Bahn bereits ein „Riesenproblem“ darstellt. Die Kunden würden verunsichert und blieben weg, dies koste die Bahn rund fünf Millionen Euro täglich. Grube mahnte daher, alle Beteiligten sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden.

          Grube: „Ich bin kein Freund von Zwang“

          Damit reagiert er auf die Aussagen des GDL-Vorsitzenden Claus Weselskys. Dieser hatte vergangene Woche „100 Stunden Streik“ in Aussicht gestellt. Die Gewerkschaft verzichtete dann – auch nach Kritik aus ihrer Dachgewerkschaft DBB Beamtenbund – vorerst auf einen Ausstand. Am Sonntag einigten sich Bahn und GDL darauf, dass Weselsky für das gesamte Zugpersonal verhandeln könne.

          Grube sagte dazu, ihm sei daran gelegen, eine Spaltung der Belegschaft zu verhindern. Deshalb müssten Tarifverträge mit den Gewerkschaften GDL und EVG „nicht wortgleich, aber widerspruchsfrei“ sein. Zum Vorschlag einer Zwangsschlichtung in festgefahrenen Tarifkonflikten sagte Grube:

          „Ich bin kein Freund von Zwang. Wenn Sie allerdings einen Tarifpartner dabei haben, der partout nicht abschließen will, der also die Tarifautonomie gar nicht wahrnehmen will, dann gibt es nur noch eine Möglichkeit, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen“, sagte Grube. Der Bahnchef zeigte sich skeptisch, ob mit EVG und GDL bis Ostern eine Tarifeinigung zu erreichen sei.

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