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Streik gegen Rentenreform : Französische Bahn streicht Großteil der Züge an Heiligabend

  • Aktualisiert am

Leuchtraketen statt Weihnachtkerzen: Wegen der Streiks droht in Frankreich an Heiligabend Verkehrschaos. Bild: AFP

Frankreich droht weihnachtliches Verkehrschaos: Bei den Gesprächen der Regierung mit den Gewerkschaften über die geplante Rentenreform gab es weiterhin keinen Durchbruch. Rund 200.000 Bahnkunden müssen an Weihnachten umbuchen.

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          Wegen der anhaltenden Streiks muss die französische Bahn den Großteil ihrer Verbindungen an Heiligabend streichen. Am 23. und 24. Dezember fallen sechs von zehn TGV-Schnellzügen sowie Intercity-Zügen aus, wie die Bahngesellschaft SNCF am Donnerstag mitteilte. Demnach kann nur jeder zweite Kunde mit einem Ticket befördert werden. Die Verhandlungen zwischen Premierminister Edouard Philippe und den Gewerkschaften brachten am Donnerstag keinen Durchbruch und wurden auf Anfang Januar vertagt.

          Die Bahngesellschaft SNCF erklärte, rund die Hälfte der rund 400.000 Kunden mit einem Fahrschein für die beiden Tage müsse auf ein anderes Datum umbuchen. Die andere Hälfte könne zwar befördert werden, aber einige nur zu einer anderen Uhrzeit als gebucht. Die Regierung hatte zuvor versprochen, die Bahn werde an den Feiertagen für jeden Passagier eine Lösung finden.

          Aus Protest gegen die geplante Rentenreform der Regierung traten viele Bahn-Mitarbeiter am Donnerstag bereits den 15. Tag in Folge in den Streik. Der Verkehr war abermals stark beeinträchtigt, in Paris verkehrten die meisten Metros und Busse nicht. Die zweitgrößte Eisenbahnergewerkschaft Unsa Ferroviaire sprach sich allerdings für eine Streikpause aus. Generalsekretär Didier Mathis rief zu einer „Pause während der Schulferien“ auf, die am Freitag beginnen.

          „Der Premierminister hat die Straße nicht verstanden“

          Regierungschef Philippe verhandelte den zweiten Tag in Folge mit den Gewerkschaften über die Rentenreform. Der Premier sprach danach von „Fortschritten“ und kündigte weitere Gespräche zwischen den Sozialpartnern für die „ersten Januartage“ an. Der Chef des mächtigen Gewerkschaftsbunds CGT, Philippe Martinez, erklärte hingegen nach dem Treffen: „Nichts Konkretes (...) Der Premierminister hat die Straße nicht verstanden.“ Mehrere Gewerkschaften riefen für den 9. Januar zu einem branchenübergreifenden Protesttag mit Streiks und Kundgebungen auf. Auch die Gewerkschaft Force Ouvrière schloss sich dem Aufruf an.

          Nicht mehr völlig auf Konfrontationskurs gegen die Reformpläne von Staatschef Emmanuel Macron ist hingegen der Gewerkschaftsbund CFDT. Er unterstützt das Vorhaben grundsätzlich, wendet sich aber gegen Pläne, die Franzosen dazu bewegen zu wollen, länger zu arbeiten.

          Trotz eines „konstruktiven“ Verhandlungsklimas bleibe dies ein „harter Punkt“, erklärte CFDT-Generalsekretär Laurent Berger. Die Regierungspläne sehen ein Regel-Renteneintrittsalter von 64 Jahren vor. Die Franzosen könnten demnach zwar weiterhin mit 62 Jahren in Rente gehen – allerdings mit Abstrichen bei den Rentenzahlungen. Arbeitnehmer, die auch nach ihrem 65. Geburtstag im Beruf bleiben, sollen hingegen einen Rentenbonus bekommen.

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