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Streik auf Korsika : Sperrminorität für Staat und Belegschaft

  • Aktualisiert am

Der Streit um SNCM geht weiter Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Angesichts der Forderung Brüssels nach einer Privatisierung der Korsika-Reederei SNCM strebt die französische Regierung jetzt eine gemeinsame Sperrminorität von Staat und Belegschaft an.

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          Angesichts der Forderung Brüssels nach einer Privatisierung der Korsika-Reederei SNCM strebt die französische Regierung jetzt eine gemeinsame Sperrminorität von Staat und Belegschaft an.

          Die EU-Kommission akzeptiere nur einen Staatsanteil von maximal 25 Prozent, sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton am Mittwoch im Rundfunk. Wenn die Belegschaft acht Prozent übernehme, sei aber eine gemeinsame Sperrminorität von 33 Prozent machbar.

          Entweder der Plan der Regierung oder die Insolvenz

          Die nationalistische korsische Gewerkschaft STC streikt bereits die dritte Woche gegen eine Privatisierung der Reederei. Tagelang war die Insel ganz von der Außenwelt abgeschnitten. Die SNCM stehe am Rande der Insolvenz, bekräftigte Breton vor seinem zweiten Treffen mit den Gewerkschaften in Marseille. Sollten die Arbeitnehmervertreter die von Paris vorgeschlagene Regelung ablehnen, müßte der Gang zum Insolvenzrichter angetreten werden. Der Staat könne „unmöglich“ 51 Prozent behalten, wie dies von den Gewerkschaften gefordert werde, betonte der Minister unter Verweis auf Bedenken der EU-Kommission. „Wir haben mit Brüssel beraten, was wir machen können, ohne daß Gegenleistungen wie die Streichung von Schiffen gefordert werden.“ Der Staat und die südfranzösischen Gebietskörperschaften dürften demnach „höchstens 25 Prozent“ an der Fährgesellschaft behalten.

          Gewerkschaften : Landesweiter Streik in Frankreich

          Premierminister Dominique de Villepin erklärte: „In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als 1,2 Milliarden Euro von der Öffentlichen Hand an dieses Unternehmen überwiesen.“ Vergangene Woche hatte die Regierung knapp 20 Millionen Euro für die Septembergehälter der Seeleute vorschießen müssen. Eine Beteiligung an der lukrativen Frachtreederei Sud Cargos wurde für drei Millionen Euro verkauft.

          Einstieg eines Investmentfonds mit Ausstiegsoption

          Die Regierung in Paris hatte die SNCM ursprünglich zu 100 Prozent an den Investmentfonds Butler Capital Partners (BCP) verkaufen und dem Unternehmen eine letzte Finanzspritze von 113 Millionen Euro verabreichen wollen. Der Rettungsplan um die Streichung von 400 der 2.400 Stellen wurde nach heftigen Protesten geändert; er sah zuletzt vor, daß BCP 40 Prozent an dem Unternehmen halten soll und das Verkehrsunternehmen Veolia Connex 30 Prozent. Breton betonte, nun liege es an Veolia und Butler Capital, eine etwas geringere Beteiligung zu akzeptieren. Dies sei „nicht unmöglich“. In diesem Falle „könnten wir die Sperrminorität haben“.

          Die SNCM bietet Fährverbindungen zwischen dem französischen Festland, Korsika und Nordafrika an; ihre Beschäftigten befinden sich nunmehr allerdings seit mehr als zwei Wochen im Streik. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen Verluste von 29,7 Millionen Euro. Die Schulden der SNCM werden auf 200 Millionen Euro taxiert. Am kommenden Montag soll sich der Verwaltungsrat des Unternehmens mit der angespannten Finanzlage befassen. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, will der Staat nach Angaben aus der Regierung zum Insolvenzrichter gehen.

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