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Straßenverkehr und ein bisschen Anarchie : Ohne Ampel geht es auch

  • Aktualisiert am

Abmontierte Schilder stapeln sich vor dem Bauhof Bild: dpa

Der Ort Bohmte nimmt als einzige deutsche Gemeinde am EU-Projekt „Shared Space“ teil. Dafür haben die Bohmter Ampeln und Schilder abgeschraubt, Bordsteine abgebaut und Zebrastreifen beseitigt. Seit einem Monat teilen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer eine gemeinsame Ebene.

          Nach drei Jahren Planung und Umbauzeit ist die niedersächsische Kleinstadt Bohmte die erste deutsche Gemeinde ohne Verkehrsschilder im Zentrum. Der Ort nimmt als einzige deutsche Gemeinde am EU-Projekt „Shared Space“ teil (zu deutsch: „gemeinsam genutzter Raum“). Dafür haben die Bohmter Ampeln und Schilder abgeschraubt, Bordsteine eingeebnet und Zebrastreifen beseitigt. Seit einem Monat teilen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer eine gemeinsame Ebene. Am Wochenende hat EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering den umgebauten Abschnitt der Durchgangsstraße dem Verkehr auch offiziell übergeben.

          Die Idee von Shared Space: Mitten im Ortskern gelten auf der Hauptverkehrsstraße nur noch die Regeln „rechts vor links“, Tempo 30 und das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Auto- und Radfahrer müssen den Verkehrsfluss über den Blickkontakt regeln.

          576.000 Euro Zuschuss von der EU

          In Europa beteiligen sich insgesamt sieben Kommunen in Deutschland, den Niederlanden, in Belgien, Dänemark und Großbritannien an dem von der Europäischen Union mitfinanzierten Versuch. Bohmte ist bislang die einzige deutsche Projekt-Gemeinde. Die Gemeinde baute einen rund 450 Meter langen Abschnitt der Durchgangsstraße um. Bürgersteige und Verkehrsinseln wurden eingeebnet und Fahrbahnmarkierungen entfernt. Die Fläche wurde bis an die umliegenden Privathäuser, die Geschäfte und die Kirchentreppen heran rot gepflastert. Auch die Fläche eines Hotelbiergartens wurde einbezogen, so dass ein Platz entstand. Gerillte weiße Steine fungieren als Blindenleitsystem. Die EU schoss 576.000 Euro zu dem insgesamt 2,35 Millionen Euro teueren Umbau hinzu.

          Im Ortskern von Bohmte: „Alle nehmen Rücksicht aufeinander”

          Als Vater des Projekts gilt der im Januar gestorbene niederländische Verkehrswissenschaftler Hans Monderman: „Wenn Sie auf einen Campingplatz fahren, dann fahren Sie doch ganz langsam. Warum? Weil es ein Campingplatz ist. Die Leute gucken Sie an, Sie haben Augenkontakt zu den Leuten, Sie gehören eigentlich zu dem Platz“, beschrieb er vor zwei Jahren den Grundgedanken. Seine Idee hat sich in mehreren holländischen und dänischen Gemeinden bereits durchgesetzt.

          Bislang keine Unfälle

          In den Medien - vor allem den norddeutschen - wird das Projekt in Bohmte neugierig verfolgt. Die „taz“ jubelt, weil endlich jemand etwas gegen die „blinde Regelgläubigkeit“ tut und gibt Tipps, wie man sich sicher durch Bohmte bewegt: „Bleiben Sie locker und denken Sie mit!“ Und auch der Pastor ist von der Idee gegenseitiger Rücksicht angetan:„Shared Space ist ja nicht nur ein Verkehrskonzept, sondern es hat etwas mit Leben, Begegnung und Kommunikation zu tun.“

          In den ersten Wochen habe sich das Konzept bewährt, sagte Bohmtes Bürgermeister Klaus Goedejohann (CDU) am Wochenende: „Alle nehmen Rücksicht aufeinander.“ Unfälle habe es seit der inoffiziellen Verkehrsfreigabe am 19. Mai noch keine gegeben. Früher habe man jährlich 40 bis 45 Unfälle verzeichnet - daran muss sich das Projekt künftig messen lassen.

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