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Handelsstreit : Peking wirft den Australiern den Fehdehandschuh zu

Ein Besucher betrachtet eine Ausstellung australischer Weine auf der China International Import Expo (CIIE) in Shanghai. Bild: dpa

China verhängt Strafzölle auf Wein als Antwort auf unerwünschtes Verhalten Canberras. Das versucht sich gegen seinen wichtigsten Abnehmer von Bodenschätzen zu behaupten.

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          Der Handelskonflikt zwischen China und Australien spitzt sich weiter zu. Von Mitternacht an wird Peking australischen Wein mit Strafzöllen von bis zu gut 212 Prozent belegen. Zeitgleich wächst die Flotte der nicht entladenen Kohlefrachter vor Chinas Küste. Australiens Handelsminister Simon Birmingham warf Peking eine „geplante Strategie“ vor, um Australien abzustrafen. Er warnte die internationale Gemeinschaft vor den Risiken, mit dem kommunistischen China Geschäfte zu machen: „Unternehmen und Länder auf der ganzen Welt werden nun die Risiken ganz anders einschätzen, wenn sie sich mit der Möglichkeit beschäftigen, dass ihr Handel durch solche Art ungerechtfertigter Aktionen unterbrochen werden könnte. Diese passen offen gesagt nicht in die Art regelbasierter Handelsordnungen, die wir unterstützen.“  

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Chinas Handelsministerium erklärte, der australische Wein sei unter Herstellungskosten angeboten worden und beschädige deshalb die eigene Weinindustrie. Deshalb gelten ab Mitternacht Zölle von mindestens 107 Prozent. Die Winzer haben nun zehn Tage Zeit, dagegen Einspruch einzulegen. Jedoch versuchen sie fieberhaft, Ware umzuleiten oder in Zwischenhäfen, wie beispielsweise Singapur, noch zu entladen. Erreicht ihr Wein China, muss der Absender beim dortigen Zoll die zusätzlichen Gebühren als Pfand hinterlegen. Birmingham erklärte am Freitag, Chinas Vorgehen verstoße sowohl gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), wie auch gegen jene des Freihandelsabkommens, das beide Länder geschlossen haben. Erst vor gut einer Woche hatten beide zudem ihre Mitgliedschaft in der ostasiatisch-ozeanischen Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) erklärt.  

          Mehr als 80 Kohlefrachter vor Chinas Küste

          Von Tauwetter aber ist nichts zu spüren. Der Handelsminister warnte, Pekings Schritt drohe einen australischen Exportmarkt im Wert von mehr als 1,3 Milliarden Australischen Dollar (803 Millionen Euro) jährlich zu zerstören. Die Aktien des börsennotierten Weingutes Treasury Wine Estates verloren im Handel in Sydney am Freitag 11,3 Prozent ihres Wertes. Treasury hält die Weltmarken Penfolds und Wolf Blass. Sie stehen für etwa 40 Prozent der gesamten australischen Weinausfuhr nach China. Zur selben Zeit liegen inzwischen mehr als 80 Kohlefrachter vor Chinas Küste, die nicht mehr gelöscht werden. Der Wert ihrer Ladung summiert sich auf rund 1,1 Milliarden Australische Dollar. Zwar weisen Branchenvertreter darauf hin, dass viele der Kohle-Quoten für 2020 erfüllt seien, und allein deshalb die Ladung nicht angelandet werden dürfe. Die Chinesen allerdings sprechen von „Qualitätsproblemen“ mit der australischen Kohle. Auch überschreitet die Menge, die nicht ins Land gelassen wird, diejenige der Vorjahre deutlich. 

          Es ist das erste Mal, dass der Handelsminister die wachsenden Hürden für australische Produkte öffentlich mit politischen Differenzen verbindet. China hat, ohne dies publik zu machen, zuvor schon Schranken vor der Einfuhr australischer Hummer, bestimmter Holzprodukte, Gerste und Rindfleisch hochgezogen. „Die gehäuften Auswirkungen der chinesischen Handelssanktionen gegen eine Reihe von australischen Industrien im Laufe dieses Jahres lassen den Eindruck entstehen, dass diese Maßnahmen als Folge auf einige andere Faktoren ergriffen wurden“, sagte Birmingham. Für die Hersteller dieser Handelswaren sind das gerade in Corona-Zeiten empfindliche Nadelstiche, die einige von ihnen – etwa die Hummer-Fischer – an den Rand des Ruins treiben. 

          Eine Vorwarnung erfolgte nicht

          Doch längst schon geht es um mehr: Analysten der Citibank warnen, Australien könnte einen Exportverlust in Höhe von 76 Milliarden Australischen Dollar erleiden, wenn die Kommunisten alles bremsten, was sie nicht wirklich brauchten. Im vergangenen Haushaltsjahr exportierte der Fünfte Kontinent im Wert von rund 150 Milliarden Australischen Dollar in die Volksrepublik. 

          Pekings Botschafter in Canberra, Cheng Jingye, hatte Australien mehrfach öffentlich gedroht. Zuletzt warnte er davor, dass das „Fehlverhalten“ der Australier zu weniger Tourismus, weniger Studenten und Handelsbarrieren führen werde. Vor zehn Tagen war australischen Medien eine Liste mit 14 Punkten zugespielt worden, die China an ihrem Verhalten auszusetzen habe. Als ungewöhnlich für einen diplomatischen Umgang miteinander empfinden die Australier nun auch, dass Canberra nur auf der Internetseite des chinesischen Handelsministeriums von den Zöllen las – eine, auf dieser Ebene übliche – Vorwarnung über die diplomatischen Kanäle erfolgte nicht.  

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