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Straffere Geldpolitik : Vorbereitung auf den Entzug

  • -Aktualisiert am

Will den Märkten langsam die Unterstützung entziehen: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve in Washington Bild: dapd

Die Börsen sind süchtig nach billig zufließendem Geld. Wie bei jeder Sucht kann die Dosis nicht ewig erhöht werden. Deshalb ist es gut, dass die Finanzmärkte nun beginnen, sich auf den Entzug vorbereiten.

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          Die aktuellen Kursverluste an vielen Anleihe-und Aktienmärkten geben einen guten Vorgeschmack auf die irgendwann bevorstehende Zinswende. Noch ist im Grunde nichts passiert, aber schon die Diskussion über eine mögliche Straffung der amerikanischen Geldpolitik führt zu teilweise panikartigen Verkäufen an einigen Märkten. Dabei soll dem Finanzmarkt nicht plötzlich der Geldhahn zugedreht werden. Das Zinsniveau ist rund um den Globus historisch niedrig und eine grundlegende Änderung der Situation ist nicht abzusehen.

          Die Diskussion um die amerikanische Geldpolitik dreht sich viel mehr um die Frage, ob neben den niedrigen Zinsen statt bislang 85 Milliarden Dollar (63 Milliarden Euro) vielleicht im Herbst nur noch 70 oder 50 Milliarden Dollar zusätzlich jeden Monat in die Kapitalmärkte gepumpt werden. Es geht also nicht darum, Luft aus dem System zu lassen, sondern es nur nicht mehr ganz so stark weiter aufzublähen.

          Kein Grund zur Panik

          Doch die Märkte sind seit fünf Jahren anderes gewohnt. Stets ging es nur darum, Zinsen zu senken und immer neue und größere Impulse durch die Geldpolitik in Form von Anleihekaufprogrammen zu erhalten. In Japan reichte es Anfang der Woche aus, dass die Notenbank ihr Programm zur Inflationserhöhung nicht weiter ausbaute, um an den Märkten im Wochenverlauf mehrere Kursrutsche auszulösen.

          Die Börsen sind süchtig nach billig zufließendem Geld in immer größeren Mengen. Wie bei jeder Sucht muss die Dosis regelmäßig erhöht werden, um den Süchtigen noch zufriedenzustellen. Das funktioniert jedoch nicht ewig. Daher ist es gut, dass die Finanzmärkte nun beginnen, sich gedanklich auf einen Entzug einzustellen, wann immer er beginnen möge.

          Der amerikanische Immobilienmarkt, einst Ausgangspunkt der Finanzkrise im Jahr 2007, zeigt sich in stabilisierter Verfassung mit der Aussicht auf einen starken Aufschwung. Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten ging zuletzt von 9 auf 7,6 Prozent zurück. Es gilt als ausgemacht, dass die Notenbank ab einer Quote von 6,5 Prozent nicht mehr unterstützend eingreifen will. Die Fed wird dann aber nicht schlagartig alle Maßnahmen beenden, zumal die Anleihenkaufprogramme gar nicht an diese Marke gekoppelt sind. Es wird ein schleichender Prozess, wie bei einem vernünftigen Entzug üblich. Ohne Nebenwirkungen bleibt dies nicht. Grund zu Panik besteht jedoch auch nicht. Die Märkte haben auch die Phasen restriktiver Geldpolitik überstanden.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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