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Straffere Geldpolitik : Federal Reserve drosselt die Anleihekäufe

Das Gebäude der Federal Reserve in Washington Bild: AP

Die amerikanische Notenbank wird ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um zehn Milliarden Dollar kürzen. Die Fed sichert aber zugleich eine weit ausgedehnte Nullzinspolitik zu. Die Wall Street jubelt.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat ihre Geldpolitik in geringem Ausmaß gestrafft. Der Offenmarktausschuss teilte am Mittwochabend mit, von Januar an nur noch Anleihen für 75 Milliarden Dollar im Monat zu kaufen, statt der bisherigen 85 Milliarden Dollar. Die Fed begründete die Drosselung mit besseren Wirtschaftsdaten, die auf eine im Kern robustere Erholung hindeuteten. Der Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke betonte vor Journalisten aber zugleich, dass die Fed die Geldpolitik nicht habe straffen wollen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Als Ausgleich für die moderate Rücknahme der Anleihekäufe signalisierte der Offenmarktausschuss, dass den faktischen Nullzins bis weit nach dem Zeitpunkt aufrechtzuerhalten, an dem die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent und darunter fällt. Nach den jüngsten Prognosen der Fed wird diese Schwelle schon 2014 erreicht werden. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote bei 7 Prozent. 15 Mitglieder des Ausschusses erwarten eine erste Zinserhöhung frühestens 2015.

          Jubel an der Wall Street

          An der Wall Street erreichten die Aktienkurse nach der Fed-Entscheidung Rekordwerte. Der Dow-Jones-Index legte 1,9 Prozent zu auf 16168 Punkte, der S&P-500-Index 1,7 Prozent auf 1811 Punkte. Der Dollar gewann gegenüber japanischem Yen und dem Euro. Der Kurs zum Yen stieg auf mehr als 104 Yen je Dollar. So hoch lag er zuletzt im Oktober 2008.

          Die Ankäufe langfristiger Staatsanleihen gehen gemäß der Entscheidung im Januar von 45 Milliarden auf 40 Milliarden Dollar zurück, die Ankäufe von Hypothekenanleihen von 40 auf 35 Milliarden Dollar. Erst am Mittwoch hatte ein überraschend kräftiger Anstieg der Hausbaubeginne eine Besserung am Immobilienmarkt signalisiert.

          Bernanke: Schluss mit den Anleihekäufen wohl gegen Ende 2014

          Offen ließ die Fed, wie es mit den Anleihekäufen weiter gehen werde. Bernanke äußerte die Erwartung des Offenmarktausschusses, dass die Fed die mit weiteren maßvollen Drosselungsschritten gegen Jahresende 2014 die Anleihekäufe wohl einstellen werde. Die Fed folge aber keinem vorbestimmten Kurs. Weitere Entscheidungen hingen von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Unter bestimmten Umständen könne die Fed die Anleihekäufe auch wieder erhöhen, sagte Bernanke.

          Die Wirtschaftslage schätzt der Ausschuss positiver ein. Er sieht die Risiken für den Ausblick und den Arbeitsmarkt fast ausgeglichen. Im Oktober hatte er noch vor Abwärtsrisiken gewarnt. Im Durchschnitt dieser Erwartungen soll das Wachstum der Wirtschaft im kommenden Jahr rund 3 Prozent betragen und sich 2015 auf rund 3,2 Prozent beschleunigen, um dann 2016 wieder nachzulassen.

          Gegen die Entscheidung stimmte Eric Rosengren, der Präsident der regionalen Fed von Boston. Angesichts der immer noch erhöhten Arbeitslosenquote und der geringen Inflationsrisiken hält er die Entscheidung des Offenmarktausschusses für voreilig. Sorgen über die niedrige Inflationsrate drücken den Offenmarktausschuss aber nur begrenzt.

          Der von der Fed besonders beachtete Kern-Preisindex für die Konsumausgaben von Haushalten lag zuletzt 1,1 Prozent höher als vor einem Jahr, während die Fed mittelfristig 2 Prozent anstrebt. Gemäß der Fed-Prognosen soll diese Kerninflationsrate schon 2014 auf rund 1,5 und 2015/16 auf knapp 2 Prozent steigen. Bernanke betonte, dass die Fed den Zinssatz nicht anheben werde, wenn die Inflation sich nicht in Richtung Zielwert entwickele.

          Einstieg in das Ende der quantitativen Lockerung

          Mit der Drosselung der Anleihekäufe leitet der im Januar aus dem Amt scheidende Fed-Vorsitzende Bernanke das Ende des wohl größten geldpolitischen Experiments in der hundertjährigen Geschichte der Fed ein, das er selbst 2008 in Gang gesetzt hatte. Der Leitzins liegt seit Dezember 2008 bei 0 bis 0,25 Prozent. Um trotz des faktischen Nullzinses noch beweglich zu sein, hat die Fed seither in drei Runden in großem Stil langfristige Staatsanleihen und zur Stützung des Häusermarktes hypothekenbesicherte Anleihen gekauft. Allein mit der im Herbst 2012 begonnenen dritten Runde weitete die Fed ihre Bilanzsumme von 2,8 Billionen auf fast 4 Billionen Dollar aus. Studien deuten darauf hin, dass diese quantitative Lockerung im Jahr 2009 noch die Langfristzinsen spürbar senkte und so die Wirtschaft stützte. Dieser positive Effekt wurde in den folgenden Runden aber schwächer.

          Die Drosselung der Anleihekäufe am Mittwoch sei von seiner wahrscheinlichen Nachfolgerin, der jetzigen Fed-Vizevorsitzenden Janet Yellen voll mitgetragen worden, betonte Bernanke und signalisierte so Kontinuität der Geldpolitik. Yellens Bestätigung durch den Senat stand am Mittwoch trotz einiger Kritik aus dem konservativen Lager der Republikaner kurz bevor. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist Ende Januar noch unter der Leitung Bernankes, danach übernimmt Yellen. Planmäßig ist ihre erste Pressekonferenz im April.

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