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Carsten Knop

Deutsche Bank : Die Strafen sind nicht das größte Problem der Deutschen Bank

  • -Aktualisiert am

Wie viele Milliarden Dollar Strafe muss die Deutsche Bank in Amerika zahlen? Bild: Jonas Wresch

Klagen über die Art und Weise, wie die Deutsche Bank ihre Geschäfte im Alltag betreibt, häufen sich. Das ist viel schlimmer als die drohenden Milliardenstrafen.

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          Die Mehrheit der Deutschen ist laut einer Emnid-Umfrage gegen Staatshilfen für die Deutsche Bank. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) weiß um diese Stimmung und hat das Institut heftig angegriffen: Man habe es hier mit Spekulantentum als Geschäftsmodell zu tun, die Bank erkläre sich nun zum Opfer, habe aber einfach nur verantwortungslos gehandelt – und der „Wahnsinn“ gefährde damit die Arbeitsplätze Tausender Mitarbeiter. Wie wahr.

          Der Vorstandsvorsitzende dieser Bank bemüht sich derzeit, eine drohende Strafzahlung in den Vereinigten Staaten in Höhe von 14 Milliarden Dollar erheblich zu reduzieren. Schon Ende vergangener Woche hatte es geheißen, das Institut stehe kurz davor, sich mit dem Justizministerium in Washington auf ein Bußgeld von nur noch 5,4 Milliarden Dollar für umstrittene Immobiliengeschäfte zu verständigen.

          Wer braucht die Deutsche Bank?

          Wie durch einen Zufall läge das sogar noch einen Schnaps unter der Höhe der von der Bank gebildeten entsprechenden Rückstellungen von 5,5 Milliarden Euro. Doch selbst das wäre nur – ein noch immer hoher – Preis für das Schließen einer einzigen Baustelle. Viele weitere bleiben. Vor allem die Höhe der kommenden Strafzahlungen für Geldwäschedelikte in Russland ist noch nicht absehbar.

          Wer aber glaubt, die Strafzahlungen und die damit verbundenen Sorgen um die Eigenkapitalausstattung der Bank seien ihr größtes Problem, der irrt: Zum einen ist Mitarbeitern, Kunden und Aktionären unklar, wohin die Bank überhaupt steuert, mit welchen Geschäften sie in zehn Jahren ihr Geld verdienen will – und vielleicht geht das auch dem Vorstand so: Was soll verkauft werden? Welcher Teil der Bank würde wie viel Geld in die Kasse spülen, wie würde sich das auf die Strategie auswirken? Herrin ihres eigenen Schicksals scheint die Bank aber ohnehin nicht mehr zu sein.

          Zum anderen, und das ist das Schlimmste, häufen sich Klagen über die Art und Weise wie die Bank ihre Geschäfte im Alltag betreibt, allen öffentlichen Treueschwüren von Dax-Vorständen zum Trotz. Die Erzählungen über eine unfreundliche Behandlung von aufstrebenden Kleinunternehmern und Mittelständlern sind niederschmetternd.

          Die Folgen, von denen man dann hört, sind in der Regel: Konto ausgeglichen, Bankverbindung beendet. Und für die Bank heißt es, wieder eine hoffnungsvolle Kundenbeziehung verloren. Vertrauen sei vor allem eine Funktion von Zeit, schreibt ein Leser: Zerstört werde es durch Arroganz, Ignoranz, Einseitigkeit, Unberechenbarkeit, Überheblichkeit.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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