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Stiftungen : So sanieren die Milliardäre die Welt

Stifter setzen auf Forschung und Entwicklung

Ein einheitliches Muster lässt sich für die neue Spendenindustrie nicht erkennen. Nur so viel ist klar: Der Spender sucht die Projekte nach Gusto aus. Und zieht so Kritik auf sich. Dieter Lehmkuhl, der eine Initiative von Millionären für eine Vermögensteuer gegründet hat, ärgert sich, dass der Staat eine Spendenindustrie bezuschusst, deren Geld nicht nach demokratischen Maßstäben verteilt wird.

Doch das ließe sich vertreten, wenn die Spenden der Reichen besser wirkten als die des Staates. Milliardär Warren Buffett hat nicht zuletzt deshalb der Stiftung von Bill Gates und dessen Frau Milliarden versprochen, weil er glaubt, dass diese das Geld besonders wirksam einsetzen. Mit dem Kapital der beiden ehemals reichsten Männer der Welt ist die Stiftung selbst inzwischen enorm reich. Aber kann ein Unternehmer, der mit Computersoftware erfolgreich war, Krankheiten besser bekämpfen als die Weltgesundheitsorganisation?

Geld hat Gates dafür genug. Mehr als eine Milliarde Dollar hat seine Stiftung allein für ein Programm ausgegeben, das den Impfschutz in Entwicklungsländern verbessern soll. Das Ehepaar Gates bekämpft Malaria, lässt nach neuen Medikamenten gegen Aids forschen und finanziert Aids-Kliniken in Afrika.

Gates geht dabei anders vor als andere Hilfsorganisationen. Er bleibt Technologie-Unternehmer - er macht sich den Markt zunutze und setzt auf Forschung und Entwicklung. Für seine Stiftung hat er das Credo von Partner Warren Buffett übernommen: „Wenn wir nicht gelegentlich Geld verlieren, sind wir zu wenige Risiken eingegangen.“ Auf diese Weise entstehen tatsächlich häufig sinnvolle Programme, die andernfalls nie ins Leben gerufen worden wären.

Wo bringt das Geld die meisten Lebensjahre pro Dollar?

Stolz erzählt Bill Gates, dass er in Botswana bewiesen hat, dass sich Aids-Medikamente auch unter den schwierigen Bedingungen Afrikas zu den Patienten bringen lassen - später habe die amerikanische Regierung das Projekt mit ihrem Geld ausgedehnt und weiterfinanziert. Einen Impfstoff entwickelt Gates, indem er die Forschung den Firmen überlässt und ihnen einen Mindestabnahmepreis garantiert, den sie sonst aus armen Ländern nicht bekämen.

Weil die Eheleute Gates so auf Effizienz getrimmt sind, lassen sie manches liegen. Sie fragen: Wo bringt das Geld die meisten Lebensjahre pro Dollar? Die Antwort lautet: Kinder impfen, Malaria und Aids bekämpfen. Der Rest wird ignoriert. Das ist nicht immer gut. Aus Lesotho kamen bald Berichte, denen zufolge Kinder zwar vor Aids gerettet werden, aber bald darauf an anderen Krankheiten oder gar an Hunger sterben. Manche Kranke kommen gar nicht erst zum Krankenhaus. Transport und Ernährung überlässt die Stiftung nämlich den Regierungen vor Ort, um deren Politik nicht zu stören, wie sie sagt.

Arbeitsteilung zwischen Stiftern und Staat

Doch in der Praxis wirbelt Gates die Gesundheitspolitik der Regierungen gehörig durcheinander. Denn die Stiftung zahlt relativ hohe Gehälter für Ärzte und Krankenschwestern. In den übrigen Krankenhäusern bleiben oft nicht genügend Ärzte übrig. Dafür geben die Menschen in den armen Ländern aber nicht allein der Gates-Stiftung die Schuld. Die staatlichen Entwicklungshelfer und die internationalen Hilfsorganisationen werben ebenfalls Personal ab.

Doch am Ende stehen auch Erfolge. Die Immunschwäche Aids hat die Forschung mittlerweile einigermaßen im Griff. Ohne Gates hätte das nicht funktioniert, geben Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt und Regierungen in den betroffenen Ländern zu.

Es hat sich eine Arbeitsteilung gebildet: Die Stifter treiben die Hilfe voran - aber verlassen sich selbst wiederum auf Vater Staat. Ohne dessen Entwicklungshilfe hätten auch die Programme der Gates-Stiftung keinen Erfolg. "Wir beschleunigen", sagt der Chef-Mediziner der Gates-Stiftung. Diese helfe Regierungen, Entwicklungshilfe zu verbessern. "Wir sind keine Ersatzmütter."

Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
Patrick Bernau
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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