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Handelsstreit mit China : Trumps Doppelpack für harte Nüsse

Steve Mnuchin (l) und Wilbur Ross auf dem Weg zu den Verhandlungen über den Handelsstreit zwischen China und Amerika in Peking Bild: AFP

Zu den Handelsgesprächen hat der amerikanische Präsident seine Minister Ross und Mnuchin nach China geschickt. Das ungleiche Paar eint die Härte, die dem Präsidenten als Ideal vorschwebt.

          Das Weiße Haus hat eine illustre Delegation unter der Führung von zwei Ministern nach China geschickt, um den Handelskonflikt beizulegen und eine Eskalation zu vermeiden. Finanzminister Steven Mnuchin und Wirtschaftsminister Wilbur Ross führen die hochkarätige Gruppe an. Sie vertreten den Typus Mann, den Donald Trump im Sinn hatte, als er im Wahlkampf über die Kunst des Verhandelns schwadronierte und versprach Leute einzusetzen, welche die besten Deals für Amerika herausschlagen. Denn nach Trumps tief verwurzelter Wahrnehmung hat sich Amerika in den letzten 40 Jahren in Verhandlungen über den Tisch ziehen lassen. Schon während des Weltwirtschaftsforums in Davos schlug das Duo wichtige Pflöcke ein. Die China-Reise war nun die bisher größte politische Herausforderung für die beiden Minister, die bis zu ihrem Amtsantritt noch nie politische Verhandlungen geführt haben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Dass der 80 Jahre alte Wilbur Ross verhandeln kann, hat Donald Trump hautnah erlebt. Als Investmentbanker bei NM Rothschild arbeitete er in der Sparte für Firmensanierung und half Berichten zufolge dabei, einen Vergleich zu entwickeln, der Trumps marode Casinos vor dem Untergang bewahrte und womöglich dessen Privatvermögen rettete.

          Gute Erfahrungen mit Strafzöllen

          Ross’ steiler Aufstieg in die Milliardärsliga begann, als er sich nach 24 Jahren Sanierungsgeschäft für die Bank selbständig machte. Er begann, marode Stahlkonzerne zu kaufen, fügte sie zur International Steel Group zusammen, um sie nach wenigen Jahren an den indischen Stahlkonzern Mittal zu verkaufen. Ähnlich ging er in der von Strukturkrisen gebeutelten Textilbranche und in der Kohleindustrie vor. Zwangsläufig machte Ross damals zwei Erfahrungen. Der Niedergang alter Industrien ist gravierend, zeigten ihm seine eigenen Bilanzen. Und Strafzölle haben auch ihr Gutes: Seinen ersten Stahlkonzern kaufte Ross einen Monat, bevor Präsident George W. Bush Strafzölle auf Importstahl verhängte, um die heimische Industrie zu schützen.

          Eine Zeitlang schien das Verhältnis zwischen Trump und Ross etwas abgekühlt. Der Minister pflegt gelegentlich in Sitzungen oder bei Vorträgen einzudösen. Einmal passierte das, als der Präsident redete. Und in solchen Sachen kann Trump nachtragend sein. Eine giftige Zunge aus dem Weißen Haus sagte dazu: „Wilbur Ross ist topfit. Bis elf Uhr vormittags.“

          Doch Ross hat sich als entschlossener Verteidiger der von Trump erlassenen Strafzölle auf Stahl und Aluminium erwiesen. Anfang März hielt er eine Bierdose in die Fernsehkameras und wies darauf hin, dass Aluminiumstrafzölle das Dosenbier in Amerika nur um den Bruchteil eines Pennys verteuern würden. Die Aktieninvestoren und die metallverarbeitende Industrie sollten jetzt nicht hysterisch werden. Der Auftritt dürfte seinem Reality-TV-gestählten Chef gefallen haben. Auch die von Trump unbeirrt verbreitete Botschaft, dass Handelsdefizite schlecht seien und durch Deals reduziert werden müssen, scheint Ross zu teilen. Zuletzt führte er die Gespräche mit der EU-Kommission zur Abwendung eines Handelskrieges mit Europa.

          Mnuchin hat etwas gutzumachen

          Auch wenn die Unterschiede im Alter und der Physis etwas anderes glauben machen, sind Ross und sein Kabinettskollege Steven Mnuchin sich nicht so unähnlich. Beide verbindet der Drang nach oben und Unternehmergeist. Der 55 Jahre alte Mnuchin arbeitete jahrelang für die Bank Goldman Sachs, gründete danach einen Hedgefonds, der marode Banken sanierte, und betätigte sich als Hollywoodproduzent von knapp 30 Filmen, darunter „Wonder Woman“, „American Sniper“ und „Batman Lego“. Hatte er jahrelang seine Wahlkampfspenden gleichmäßig über die Parteien verteilt, wurde er 2016 zum Anhänger von Trump. Dieser machte ihn zu seinem wichtigsten Geldbeschaffer für seinen Präsidentschaftswahlkampf. Mnuchin wurde schließlich mit dem Finanzministerium belohnt.

          Seine politische Haltung bleibt vielen Beobachtern unklar. Er hat vor allem die Unternehmensteuerreform vehement verteidigt und zur Einkommensteuerreform gesagt, sie werde die Reichen nicht besserstellen. In vielen Fällen stimmt das allerdings nicht. Aus seinem Ministerium kamen luftige Kalkulationen, der zufolge ein großer Teil der Steuermindereinnahmen durch das entfachte Wirtschaftswachstum kompensiert wird. Die Rechnungsprüfer des Kongresses sagen dagegen voraus, dass er der Herr über eines der größten Haushaltsdefizite sein wird, das die Vereinigten Staaten je produziert haben.

          Wie er zum Freihandel steht, ist nicht eindeutig geklärt. Man hatte ihn im stetig schrumpfenden Lager der Zoll- Gegner in der amerikanischen Regierung vermutet. Auffällig an Mnuchins Öffentlichkeitsarbeit waren bisher regelmäßige Pressemitteilungen und Äußerungen, die sich mühelos als an den Präsidenten gerichtete Ergebenheitsadressen deuten lassen. Vielleicht muss er etwas gut machen: Er gehört zu den Männern im engen Umfeld von Trump, von denen Medien verbreiten, sie hätten den Chef als Idioten bezeichnet. Mnuchin hatte sich im Vorfeld der Reise nach China optimistisch darüber geäußert, einen Handelskrieg beilegen zu können. Dass die Verhandlungen schließlich ohne den großen Durchbruch endeten, zeigt, dass auch Trumps Doppelspitze kein Garant für den besten Deal ist.

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