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Abwicklungsprobleme von Firmen : „Steuersenkung zum 1. Juli ist Irrsinn“

Für die Umstellung der Mehrwertsteuer müssen die meisten Unternehmen externe SAP-Berater hinzuziehen. Bild: dpa

Kern des Konjunkturpakets ist die befristete Senkung der Mehrwertsteuer. Der Starttermin in wenigen Wochen stellt die Wirtschaft jedoch vor hohe Hürden. Denn die Kataloge sind gedruckt und SAP-Experten nicht zu bekommen.

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          Der überraschendste Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung war die Reduzierung der Mehrwertsteuer für sechs Monate. Seit dies am Donnerstag bekannt wurde, laufen bei Steuerberatern die Telefone heiß, in Unternehmen schwitzen Finanz- und IT-Abteilungen, spontan gebildete Projektteams nehmen ihre Arbeit auf, die Nachfrage nach SAP-Programmierern steigt sprunghaft. Der Präsident des Steuerberaterverbands, Harald Elster, fasst zusammen, was alle Beteiligten in den Unternehmen und Verbänden eint: „Eine Absenkung der Umsatzsteuersätze vom 1. Juli an ist absoluter Irrsinn.“

          Stefanie Diemand
          Redakteurin in der Wirtschaft.
          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dabei wird nicht grundsätzlich an der konjunkturbelebenden Auswirkung gezweifelt. Doch die Umsetzung sei in den wenigen verbleibenden Tagen nicht möglich, zumal es ja bisher auch keine Umsetzungsrichtlinie des Finanzministeriums gibt. „Jede Umstellung, die in das Tagesgeschäft der Unternehmen eingreift, hat viele Änderungen in den Prozessen zur Folge“, hebt Stefan Böhler, Steuerberater des Beratungsunternehmens KPMG hervor. So etwas dauert in der Regel mehrere Monate. Es müssen ja nicht nur Rechnungen mit neuen Steuersätzen geschrieben werden. Die Steuersatzänderung hat auch Folgen für die Kalkulation der Unternehmen, für die automatische Prüfung der Eingangsrechnungen bis hin zur Ausrichtung einzelner Ladenkassen.

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