https://www.faz.net/-gqe-qhv9

Steuern : Tricksen bei der Steuer ist riskant

Lästig, aber oft lohnend - die Steuererklärung Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Bei der Steuererklärung wird gerne ein bißchen geschummelt. Doch die Finanzbeamten sind cleverer, als manche denken. Wer weiß, wie sie arbeiten, vermeidet gefährliche Fehler. Ein FAZ.NET-Spezial mit Tips zum Steuersparen.

          2 Min.

          Die größte Steuerhinterziehung entsteht nicht dadurch, daß ein Unternehmer eine Million vor dem Fiskus verheimlicht. Sondern durch die große Masse derjenigen, die bei der Abrechnung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zwei oder drei Kilometer dazuschummeln. Das hat einmal vor vielen Jahren der damalige Präsident des Bundesfinanzhofs, Franz Klein, beklagt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch heute glauben viele Steuerpflichtige, mit solchen einfachen Tricks ein paar Euro Steuern sparen und damit den Fiskus prellen zu können. Doch die Schummelei mit der Entfernungspauschale klappt schon lange nicht mehr. Denn die Finanzbeamten können jederzeit elektronische Routenplaner starten und prüfen, ob die angegebene Entfernung stimmt. Einen Ausweg gibt es allerdings noch. Wenn der längere Weg schneller ist, wird er vom Finanzamt akzeptiert. Aber nur, wenn diese Begründung auch in der Steuererklärung steht.

          15 Minuten - Gutverdiener bekommen etwas mehr

          Das Beispiel zeigt: Wer so trickst, fliegt schnell auf. Und nicht nur dabei. So prüfen Finanzbeamte die Steuererklärung Zwar hat ein Finanzbeamter im Durchschnitt nur 15 Minuten Zeit für eine Steuererklärung. Mehr sind aber oft auch gar nicht nötig. Zudem werden manche Gruppen intensiver geprüft. Etwa Gutverdiener. Angelehnt an die interne Dienstanweisung Gnofä, sind davon Einkünfte über 200.000 Euro im Jahr betroffen. Nach dieser Regelung werden auch jene Steuerzahler verschärft unter die Lupe genommen, die einer Gruppe angehören, die statistisch gesehen häufiger schummelt. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie Aufwendungen für ein Arbeitszimmer angeben oder sehr hohe Ausgaben für Fortbildung oder Umzüge ansetzen.

          Andere Bürger müssen befürchten, in eine der Schwerpunktprüfungen zu geraten. Jedes Jahr legen die Finanzämter bestimmte Themen fest, die intensiver durchleuchtet werden, etwa die Ausgaben für doppelte Haushaltsführung. Die anderen Teile der Steuererklärung werden dann im Normalfall durchgewinkt, wenn keine großen Widersprüche auftauchen.

          Schwerpunktprüfungen: etwa Vermietungseinkünfte

          Über die Schwerpunkte bewahren die meisten Finanzämter Stillschweigen. Die Oberfinanzdirektion Münster, die für Westfalen-Lippe zuständig ist, geht hingegen in die Offensive. "Wir prüfen bei Arbeitnehmern dieses Jahr verstärkt Vermietungseinkünfte", verrät der zuständige Referatsleiter Thomas Waza. So sollen schwarze Schafe entdeckt werden, die zu hohe Ausgaben bei ihren Mietobjekten angeben, etwa indem sie die Handwerkerrechnung ihres Privathauses als Aufwendungen für die vermietete Wohnung angeben.

          Wer nicht auffallen will, sollte strittige Ausgaben erläutern. "Aber kurz, denn wer viel schreibt, wirft neue Fragen auf", rät Wolfgang Wawro, Steuerberater und Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Den alten Trick, ein paar offensichtlich falsche Angaben zu machen, damit der Finanzbeamte etwas streichen kann, um ihn damit an weiteren Nachbohrungen an anderer Stelle zu hindern, hält der Steuerberater für riskant. "Damit diskreditiert man sich schnell selbst und gibt damit erst recht Anlaß für Nachfragen."

          Hoffnung für Computerbesitzer

          Experten raten zudem, zu große Sprünge in den Ausgaben von einem Jahr zum nächsten zu vermeiden. Die Beamten sehen gerne auch in die Erklärung des Vorjahres hinein. Wer im Vergleich dazu nur noch halb soviele Zinseinnahmen hat, provoziert Nachfragen. Bei der PC-Nutzung und dem Arbeitszimmer - beides mögliche große Ausgabenblöcke für Arbeitnehmer - gibt es hingegen Hoffnung.

          Wer freiwillig nur 50 Prozent der Kosten des Computers als beruflich motiviert ansetzt, kommt leichter durch als derjenige, der alles geltend macht und damit unterstellt, das Gerät nicht privat zu nutzen. Ein Arbeitszimmer dürfen auch Arbeitnehmer ansetzen, etwa Vielbeschäftigte, die sich einen Teil der Schreibarbeiten mit nach Hause nehmen, oder diejenigen, die sich in der Freizeit noch in ihrem Beruf fortbilden. Nachfragen gibt es allerdings, wenn eine Familie mit Kind in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebt und trotzdem ein Arbeitszimmer angibt.

          Weitere Themen

          Neuer Ärger für Boeing mit der 737 Max

          Konzern in der Krise : Neuer Ärger für Boeing mit der 737 Max

          Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing kommt nicht zur Ruhe. Sein Krisenflieger 737 Max macht schon wieder Probleme. Der Zeitplan für das Wiederzulassungsverfahren werde dadurch jedoch nicht durcheinander gebracht.

          Lieferengpässe wegen Coronavirus-Epidemie Video-Seite öffnen

          iPhone Produktion stockt : Lieferengpässe wegen Coronavirus-Epidemie

          Wegen der Coronavirus-Epidemie in China hat Apple seine Umsatzprognose für das laufende Quartal zurückgenommen. Ursprünglich hatte der amerikanische Konzern bis Ende März mit einem Umsatzvolumen von bis zu 67 Milliarden Dollar gerechnet. Diese Zahlen kann das Unternehmen nach eigenen Angaben nun nicht mehr erreichen.

          Topmeldungen

          Ramelows Angebot : Der Coup von Erfurt

          Das Angebot von Bodo Ramelow, seine Vorgängerin übergangsweise Thüringen regieren zu lassen, ist ein doppelt vergiftetes. Gleichwohl müssen alle Beteiligten aus dem Erfurter Dilemma lernen, neue Wege und Koalitionen zu wagen.
          Luft-Schloss: So könnte die am Flughafen geplante Multifunktionsarena zwischen der Autobahn 3 (oben) und der Bundesstraße 43 aussehen.

          Neue Frankfurter Arena : Hoffnung für „The Dome“

          Am Frankfurter Flughafen soll eine Multifunktionsarena entstehen. Auf Druck der SPD-Fraktion ist es nun zu einem Treffen mit dem Investor gekommen. Doch es gibt zwei Konkorrenzprojekte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.