https://www.faz.net/-gqe-9513y

Steuerreform : Deutschlands Erleichterung über Amerika

  • Aktualisiert am

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, rechnet jetzt mit zusätzlichen Milliarden-Investitionen deutscher Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Deutsche Unternehmen hätten in Amerika schon 255 Milliarden Dollar investiert und schafften vor Ort knapp 700.000 Arbeitsplätze. „Mit der Steuerreform könnte hier noch einmal eine Beschleunigung einsetzen“, sagte Schweitzer am Mittwoch in Berlin. Die Reform werde zumindest kurzfristig für einen Wachstumsschub sorgen. Er erwartet in den kommenden Jahren zusätzliche Investitionen deutscher Unternehmen in Amerika von jährlich knapp 40 Milliarden Euro.

Zugleich fordert auch er eine Steuerreform in Deutschland. „Wir brauchen eine deutliche Entlastung der Unternehmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Schweitzer. „Wenn wir Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen in Deutschland halten und ausbauen wollen, werden wir auch in Deutschland die Unternehmensteuern senken müssen.“ Im internationalen Wettbewerb um Standorte liege Deutschland künftig mit seiner Steuerbelastung aus Körperschafts- und Gewerbesteuer deutlich über den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich. Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht einen internationalen Trend zu sinkenden Steuersätzen. „Das verschärft den Wettbewerb um die Ansiedlung von Investitionen und Arbeitsplätzen.“

Das Wirtschaftsministerium und das Finanzministerium wollen nach eigenen Angaben erst dann eine umfassende Bewertung vornehmen, wenn das Gesetz von beiden Kammern des Kongresses verabschiedet worden ist. Sie zeigte sich allerdings erleichtert, dass die Steuerreform mit Blick auf mögliche Belastungen für deutsche Exportunternehmen offenbar entschärft worden ist. „Es ist für uns eine gute Nachricht, dass es so aussieht, als wäre die Excise Tax nicht mehr Bestandteil“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Mittwoch in Berlin. In vorigen Entwürfen sei diese Steuer noch enthalten gewesen, was angesichts internationaler Lieferketten Anlass zur Sorge gegeben habe. Die Excise Tax wäre eine Art Importsteuer gewesen, mit der Vorleistungen und Produkte aus dem Ausland bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten belastet worden wären.

Amerikanische Wirtschaft läuft

Die Amerikaner können offenbar zunehmend besser mit der Wirtschaftspolitik ihres Präsidenten leben. Immerhin 42 Prozent der Befragten erklärten in einer Umfrage des „Wall Street Journal“, sie seien zufrieden mit Trumps Wirtschaftspolitik - mehr als zuletzt. 37 Prozent sind unzufrieden mit seiner Leistung. Ob nun dank oder trotz Trumps Politik: Der amerikanischen Wirtschaft geht es immer besser. Der Dow-Jones-Index hat seit seinem Amtsantritt rund 25 Prozent gewonnen. Die Arbeitslosenquote liegt bei niedrigen 4,1 Prozent. Im November gab es knapp 230.000 zusätzliche Stellen auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Auch die strukturellen Schwächen des amerikanischen Arbeitsmarktes scheinen abzunehmen. Langzeitarbeitslose, die bislang aus der Statistik herausgefallen waren, kehren auf den Arbeitsmarkt zurück und melden sich zunehmend arbeitssuchend.

Die Autoren der Steuerreform erwarten, dass ein bestimmtes Element der Steuerreform dem Fiskus binnen zehn Jahren eine Billion Dollar bringt: die Streichung der Absetzbarkeit von regionalen und lokalen Steuern in der Einkommensteuererklärung. Gut für den Bund: Die Abschaffung ist eine der zentralen Finanzierungsquellen für die Steuersenkung. Schlecht allerdings für die gutverdienenden Amerikaner, vor allem für die aus Bundesstaaten mit hohen eigenen Einkommensteuern. Das trifft vor allem Besserverdiener in Bundesstaaten wie New York, New Jersey, Kalifornien, Connecticut oder Washington DC. Sie sind von der großen Entlastung ausgenommen, das heißt, ihr Spitzensteuersatz sinkt kaum oder nur wenig. Leute, die mehr als 500.000 Dollar verdienen, zahlen auch künftig knapp 40 Prozent Einkommensteuer. Präsident Donald Trump hatte schließlich versprochen, dass die Reichen, ihm eingeschlossen, nicht von der Reform profitieren würden.

Weitere Themen

Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen Video-Seite öffnen

Importzölle gegen China : Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen

Schuhhersteller haben Präsident Trump dazu aufgefordert, ihre Produkte von geplanten neuen Importzöllen gegen China auszunehmen. Der Aufschlag würde den Käufern pro Jahr insgesamt sieben Milliarden Dollar an zusätzlichen Kosten aufbürden, schrieb der Branchenverband FDRA.

Jamie Olivers Restaurant-Gruppe ist pleite Video-Seite öffnen

Britischer Starkoch : Jamie Olivers Restaurant-Gruppe ist pleite

Die Restaurant-Gruppe des britischen Starkochs Jamie Oliver ist pleite. Die meisten Restaurants gehören zur Kette "Jamie's Italian", die der Koch 2008 gegründet hatte. Bedroht sind nun 1300 Arbeitsplätze.

Topmeldungen

Theresa May am Dienstag

May für neues Referendum : Zwei Köder für die Labour Party

Mit neuen Vorschlägen versucht die britische Premierministerin May, die Abgeordneten der Labour Party, die das EU-Austrittsabkommen bislang abgelehnt haben, umzustimmen. Kann das gelingen?

Meeresanstieg um 2 Meter : Polarforscher verschärfen Warnung vor Eisschmelze

Diese Warnung stellt alle Klimaberichte in den Schatten: Das Meer steigt um zwei Meter, 187 Millionen Menschen könnten in den nächsten drei Generationen ihr Zuhause verlieren. Ein beunruhigendes Klimawandel-Update von 22 Polarexperten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.