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Steuern : Eine Oase für Boris Becker und Günter Netzer

  • -Aktualisiert am

Nie wieder Deutschland - Michael Schumacher will mit seiner Familie in der Schweiz bleiben Bild: dpa

Das milde Steuerklima der Schweiz lockt. Wenn Boris Becker demnächst in der Steueroase Zug nach einer Bleibe sucht, wird er sich ganz schön wundern. Es gibt dort zur Zeit kaum Häuser, selbst wenn man Millionen hinblättert.

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          Wenn Boris Becker demnächst in der Schweizer Steueroase Zug nach einer Bleibe sucht, wird er sich ganz schön wundern. Es gibt in dieser Kleinstadt zwischen Zürich und Luzern zur Zeit kaum Häuser, selbst wenn man Millionen hinblättert. Der Immobilienmarkt ist leergefegt. Alle wollen nach Zug. Nicht nur die Eidgenossen aus Hochsteuer-Kantonen (in Zug zahlt man nur die Hälfte bei Kantons- und Gemeindesteuern), sondern auch viele deutsche Steuerflüchtlinge.

          Während in anderen Kantonen die meisten Ausländer aus Italien oder dem ehemaligen Jugoslawien stammen, sind es in Zug die Deutschen. Sie locken nicht See und Berge und auch nicht die berühmte Zuger Kirschtorte, sondern das milde Steuerklima.

          Tausende von Briefkastenfirmen

          Im Gegensatz zum Radsportler Jan Ullrich, der in den Thurgau zog, oder Michael Schumacher, der schon länger am Genfer See wohnt, will Becker nicht so sehr privat Steuern sparen, sondern es sind geschäftliche Interessen, die ihn nach Zug locken. Er gründet dort mit seinem Partner Hans-Dieter Cleven die Sportmarketing-Firma Boris Becker & Co. Cleven ist einer von den "alten" Deutschen in Zug. Er kam schon vor zwei Jahrzehnten mit Metro-Gründer Otto Beisheim in den Kanton, als dieser seine Holding in Baar ansiedelte.

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          „Mitte November kommen die Möbelpacker” - Milch-Großfabrikant Theo Müller zieht es wegen der Erbschaftssteuer in die Schweiz : Bild: dpa/dpaweb

          Wegen der Steuervorteile ist Zug mit Holding-Gesellschaften und Tausenden von Briefkastenfirmen zum reichsten Schweizer Kanton geworden. Selbst Günter Netzer, der in der Nähe von Zürich wohnt, weiß dies geschäftlich zu nutzen: Der von ihm geleitete Sportvermarkter Infront sitzt ebenfalls in Zug.

          Fiskaloase ohne Erbschaftsteuer

          Demnächst will ein weiterer Freund des Steuerklimas in die Schweiz kommen, der Molkerei-Magnat Theo Müller (Müller-Milch). Er dürfte in den Kanton Schwyz gehen, eine Fiskaloase am oberen Zürichsee, wo man keine Erbschaftsteuer verlangt. Dabei zeigt man sich in der Handelskammer Deutschland-Schweiz skeptisch, ob er dem deutschen Fiskus tatsächlich entgeht. "Die Flucht nützt ihm vermutlich nicht viel, weil nach dem Außensteuerrecht bis zu fünf Jahre nach dem Wegzug der deutsche Fiskus Zugriff auf das Vermögen hat." Überdies rufen Schweizer Sozialdemokraten nach einer Erbschaftsteuer des Bundes.

          Steuerexperten stellen immer wieder fest, daß es einige Ilusionen gibt über das Schweizer "Paradies". Gewiß ist das Abgabenniveau erheblich niedriger und jene Superreichen, die mehr als 50 Millionen Franken (32 Millionen Euro) mitbringen, bekommen oft Sonderkonditionen für Kantons- und Gemeindesteuer.

          Die Welle ist vorbei

          Bei "Normalreichen" ist die Differenz oft nicht so groß. Wenn ein leitender Angestellter in Deutschland samt Sozialabgaben 51 Prozent abführen muß, sind es in Zürich 31 Prozent. Die Differenz schrumpft aber, da die Mieten höher sind, die Lebenshaltungskosten etwa 40 Prozent über denen anderer Industriestaaten liegen und die Zahnarzthonorare und andere Gesundheitskosten privat berappt werden müssen. "Es kommen zwar immer noch viele Deutsche", sagt ein Berater, "aber jene Welle, die es kurz nach der Bundestagswahl gab, die gibt es nicht mehr."

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