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Künstliche Intelligenz : Das klügste Hirn wird verlieren

Per Handy konnten die Besucher der AsiaWorld-Messe in Hongkong im April die Mimik des humanoiden Roboters „Ham“ steuern - was, wenn es in hundert Jahren umgekehrt ist? Bild: dpa

Innerhalb von hundert Jahren werden Computer intelligenter sein als Menschen, sagt Stephen Hawking. Wird das der größte Moment der Menschheit - oder der letzte?

          Demis Hassabis ist kein bekannter, aber ein hochintelligenter Mann. Und man sollte ihn kennen. Sein Gehirn dürfte zu den leistungsfähigsten gehören, die die Evolution bisher hervorgebracht hat. Und jetzt macht Hassabis Maschinen intelligent.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Er spielt gerne Schach, schon lange. „Mit vier Jahren habe ich damit begonnen“, erinnert sich Hassabis. Schon bald danach habe er sich immer wieder gefragt, welcher Teil des Gehirns wohl dafür zuständig sei, dass ihm die jeweiligen Züge einfielen. Denn es waren gute Züge, die Hassabis in den Sinn kamen; mit zwölf Jahren hatte Hassabis in Großbritannien den Titel eines Schachmeisters erlangt.

          Grund genug für ihn, mit der Programmierung einer eigenen Schachsoftware zu beginnen, die immerhin in der Lage gewesen sei, seinen jüngeren Bruder zu bezwingen. „Das war mir wichtig“, erinnert sich Hassabis. Inzwischen hat er sich ambitioniertere Ziele gesetzt.

          Das Größte und das Letzte

          Ehrgeizig war er schon immer. Seinen Abschluss an der Schule zog Hassabis nicht nur um ein, sondern gleich um zwei Jahre vor. Schon im Alter von 17 Jahren programmierte er sein bekanntestes Computerspiel. Es trug den Namen „Theme Park“ und handelte vom Aufbau und Betrieb eines Freizeitparks, dessen Management der jeweilige Videospieler zu übernehmen hatte. Es kamen virtuelle Besucher auf den Bildschirm, die mit künstlicher Intelligenz Entscheidungen trafen, welche vom Verhalten des jeweiligen Managers abhingen. Aus der Sicht von Hassabis war das eine wahrhaft wegweisende Entwicklung.

          Während Hassabis in einem Hotel im Nordwesten von London von solchen Erfahrungen berichtet, ist ein prominenter Zuhörer in den Raum gekommen. Der Physiker Stephen Hawking wird kurze Zeit nach Hassabis sprechen und ebenfalls über künstliche Intelligenz reden. Hawking wird das von Hassabis Gesagte in eine Perspektive rücken, die vielen Menschen als bedrohlich erscheinen wird: „Die Computer werden irgendwann in den kommenden hundert Jahren mit ihrer künstlichen Intelligenz den Menschen übertreffen“, sagt Hawking.

          Angesichts der Bedeutung dieser Aussage ist das eine wahrlich kurze Zeitspanne. Und dann fügt er an: „Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden - und möglicherweise auch das letzte.“

          Roboter ohne Waffen

          Die Entscheidung aber, ob der Siegeszug der künstlichen Intelligenz das beste oder schlechteste ist, was der Menschheit widerfährt, liege in der Hand der Menschen selbst, sagt Hawking. Heute gelte es deshalb, die Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgten, dass die Computer der Zukunft dabei helfen, Krankheiten zu überwinden, Armut und Umweltzerstörung. „Wenn wir wüssten, dass in hundert Jahren Außerirdische auf der Welt landeten, würden wir uns darauf ja auch vorbereiten“, sagt Hawking.

          Stephen Hawking: Lasst uns dafür sorgen, dass die Weisheit siegt.

          Unbedingt verhindert werden müsse im Rahmen dieser Überlegungen, dass Kriegsgerät mit künstlicher Intelligenz ausgerüstet werde, das sich letztlich nicht mehr beherrschen lasse. Dazu kann sich Hawking so etwas wie eine Genfer Konvention vorstellen, die dafür sorgt, dass das Schlimmste verhindert wird.

          „Als wir das Feuer erfunden haben, haben die Menschen damit auch eine Weile Mist gebaut. Aber irgendwann haben wir den Feuerlöscher erfunden“, formuliert er es in dem Bemühen, die Lage humorvoll zu sehen. Und zu den Menschen, die sich in den kommenden Jahren entscheiden müssen, ob sie das Feuer oder den Feuerlöscher erfinden möchten, gehört der Enddreißiger Hassabis, zunächst ausgerüstet mit einem Abschluss in Informatik der University of Cambridge; später als Chef seines eigenen Spielunternehmens tätig, das er im Jahr 2005 aber wieder verkaufte.

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