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Stellschrauben (2) : Eine Gratwanderung zwischen Beitragssatz und Rentenniveau

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Diese Abhängigkeit besteht allerdings bereits. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind seit langem nicht mehr die einzigen, die in das Umlagesystem einzahlen. Der steuerfinanzierte Anteil der Rente, der im "Bundeszuschuß" zusammengefaßt wird, ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Gleichzeitig stieg auch der Beitragssatz zwischen 1967 und heute um 5,5 Prozentpunkte. Mit dem Steuerzuschuß zur Rente werden jene Rentenbestandteile finanziert, die nicht durch Beiträge gedeckt sind. Das gilt etwa für Kindererziehungszeiten, Phasen der Teilzeitbeschäftigung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Studium, aber auch Kriegsgefangenschaft, Flucht und NS-Verfolgung. Ferner leistet die gesetzliche Rentenversicherung den Hinterbliebenen eines Versicherten mit der Witwen- oder Waisenrente Ersatz für den entfallenen Unterhalt. Ist die Arbeitsfähigkeit eines Versicherten eingeschränkt, ersetzt eine Erwerbsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente (Invalidenrente) die Einkommenslücke.

29 Prozent des Einkommens für die Rente

Der Zuschuß zu den Rentenausgaben machte im Haushalt 2002 nach Angaben des Bundesfinanzministeriums knapp 30 Prozent der Gesamtausgaben aus. Im laufenden Haushalt sind 73 Milliarden Euro Bundeszuschuß eingeplant. Die Höhe des Bundeszuschusses wird für jedes Kalenderjahr entsprechend der Veränderung der Bruttolöhne und des Beitragssatzes fortgeschrieben. Steigt der Beitragssatz um einen Zehntelprozentpunkt, wächst der Zuschuß um 200 Millionen Euro. Die Deutsche Bank hat jüngst ausgerechnet, daß der Bürger - Rentenbeitrag und Steueranteil zusammengerechnet - inzwischen 29 Prozent seines Einkommens für die Rente ausgeben muß.

Das Rentenniveau bei der Altersrente liegt heute bei rund 70 Prozent des letzten Nettoarbeitsentgelts. Ein Rentner in Westdeutschland erhielt Ende 2001 nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft eine durchschnittliche Monatsrente von 1041 Euro, eine Rentnerin 475 Euro. Im Osten bekamen die Männer mit 1011 Euro etwas weniger, die Frauen mit 634 Euro deutlich mehr. Das Alterseinkommen insgesamt liegt oft höher; Einkünfte aus anderen Quellen kommen hinzu.

Minusrunden nicht ausgeschlossen

In den kommenden Jahrzehnten wird das Rentenniveau deutlich sinken, so daß die gesetzliche Rente allein den Lebensstandard im Alter nicht mehr sichern wird. Für den gedämpften Anstieg wird nicht erst der "Nachhaltigkeitsfaktor" sorgen, den die Regierung als Ausgleich für die niedrigen Geburtenzahlen einzuführen erwägt und der den "demographischen Faktor" des früheren Sozialministers Norbert Blüm (CDU) ersetzen könnte. Schon der Ausgleich für die Aufwendungen der Jungen für die private oder betriebliche Vorsorge ("Riester-Rente") kürzt die Rentenanpassungen, beginnend in diesem Jahr, um jährlich rund 0,6 Prozentpunkte. Theoretisch sind damit Minusrunden bei den Rentenanpassungen nicht ausgeschlossen.

Eine erste Sonderseite zum Thema "Die demographische Zeitbombe" erschien am 7. August.

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