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Raffinerien : Hier steckt das Geld der Autofahrer

Die BP-Raffinerie in Scholven im Ruhrgebiet Bild: ddp

Der Tankrabatt soll weitgehend bei den Kunden angekommen sein. Doch dass Benzin so teuer ist, liegt nicht zuletzt an den Raffinerien. Missbrauchen sie ihre Macht?

          6 Min.

          Das Urteil stand für viele schon fest, bevor der Tankrabatt überhaupt eingeführt war: Dieses Geld sacken die Ölkonzerne ein. Wenige Tage vor der Einführung stieg der Benzinpreis, und der Argwohn war groß: Das machen die doch nur in Vorbereitung des Tankrabatts.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass der Tankrabatt nicht wirke, wurde zum allgemeinen Konsens. Inzwischen sieht die Lage aber anders aus. Gleich zwei unabhängige wissenschaftliche Schnellschätzungen kommen zum Schluss, dass der Tankrabatt wohl doch fast vollständig bei den Kunden ankam. Die eine lieferte Anfang der Woche das Ifo-Institut in München, die andere am Donnerstag die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer, der noch niemand zu große Nähe zur FDP unterstellt hat, die den Rabatt in der Koalition durchgesetzt hat. Schnitzer kam zu dem Schluss: Vom Benzin-Rabatt seien 90 Prozent bei den Kunden angekommen, rund vier Cent pro Liter seien bei den Ölkonzernen geblieben. Vom Diesel-Rabatt seien vielleicht sogar 102 Prozent bei den Kunden angekommen. Das ermittelten die Wissenschaftler durch den Vergleich mit Benzinpreisen in Frankreich. Die F.A.S. hatte vergangenen Sonntag berichtet: Auch der internationale Börsenpreis für Benzin entwickelte sich so ähnlich wie der in Deutschland oder Frankreich. So ist es häufig mit dem Benzinmarkt: Er lädt zu Missverständnissen ein, wenn man die Marktmechanismen nicht genau kennt. Und das hat Folgen für die Bewertung des Geschehens.

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