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Kampf gegen steigende Preise : Zurückgestaute Inflation ist keine Lösung

Wie hoch steigt die Teuerungsrate noch? Bild: dpa

Aus der Inflationsperiode vor einem halben Jahrhundert ist bekannt, dass es keinen Sinn hat, als Staat starre Preisobergrenzen für Güter festzulegen, deren Preisbildung gewöhnlich an Märkten stattfindet.

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          Es besteht eine starke Neigung, die Störung der internationalen Lieferketten und den unerwartet kräftigen Anstieg der Inflationsraten als ein vorübergehendes Phänomen zu betrachten. Und tatsächlich sind auch gute Nachrichten vernehmbar: So arbeiten die durch die Pandemie lahmgelegten Fabriken in Vietnam und Malaysia überwiegend wieder.

          Aber die Verteuerung der Energie, hinter der sich in einzelnen Fällen ernsthafte Versorgungsschwierigkeiten verbergen, dürfte ein Phänomen bleiben, mit dem sich die Menschen noch einige Zeit beschäftigen müssen. Und ob der erwartete Rückgang der Inflationsraten im kommenden Jahr von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten.

          Aufgabe für EZB und Fed

          Die Politik sieht sich zunehmend unter Druck, auf die Unzufriedenheit der Menschen über steigende Preise und Versorgungsengpässe zu reagieren. Kurzfristig wird sich an der Lage wenig ändern lassen. Sollten steigende Energiepreise den Regierungen Anlass geben, die Besteuerung von Energie zu überprüfen, ist das nicht zu tadeln.

          Aus der Inflationsperiode vor einem halben Jahrhundert ist jedoch bekannt, dass es keinen Sinn hat, als Staat starre Preisobergrenzen für Güter festzulegen, deren Preisbildung gewöhnlich an Märkten stattfindet. Dieses Phänomen ist seitdem als zurückgestaute Inflation bekannt. Es versucht, den Inflationsprozess zu verdecken, funktioniert in aller Regel aber nur vorübergehend, weil vom Staat verhängte Preisobergrenzen nichts an den Ursachen ändern, die zu dem Preisdruck geführt haben.

          Die Erfahrung seit dem Zweiten Weltkrieg lehrt: Verteuerungen von Rohstoffen standen häufig am Beginn von Inflationen, aber sie sind gewöhnlich nicht in der Lage, längerfristige Inflationsprozesse im Alleingang zu befeuern. Dafür bedarf es durch übermäßige Lohnerhöhungen ausgelöste Lohn-Preis-Spiralen und eine die Inflationsgefahren unterschätzende Geldpolitik.

          Auch in Abwesenheit starker Gewerkschaften kann ein sich abzeichnender Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskräften in den kommenden Jahren für einen Lohndruck sorgen, den die Zentralbanken nicht einfach ignorieren dürfen. Die Geldpolitik steht vor großen Herausforderungen.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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