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Bundesbank-Berechnungen : Rente erst mit 69,3 Jahren

Um das Rentenniveau zu stabilisieren, soll das Rentenalter steigen. Bild: dpa

Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate ist niedrig: Die Bundesbank rät zu einem späteren Renteneintrittsalter. Allerdings würde eine Anhebung noch dauern.

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          Fängt eine Analyse mit einem solchen Satz an, weiß man schon, dass Ungemach droht. „In den vergangenen Jahren war die Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung relativ entspannt“, schicken die Autoren einer neuen Analyse der Deutschen Bundesbank für ihren Monatsbericht voraus. Danach aber werden in dem Bericht, der sich auf Simulationsrechnungen bis ins Jahr 2070 stützt, die Herausforderungen des Umlagesystems ungeschönt beschrieben. Vor allem die steigende Lebenserwartung und die Auswirkungen niedrigerer Geburtenraten ab Ende der sechziger Jahre seien noch nicht ausreichend im System erfasst, schreiben die Autoren.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Im Jahr 2025 laufen die von der vergangenen Bundesregierung beschlossenen Regeln zu Haltelinien für das Versorgungsniveau und den Beitragssatz aus. Die wenigen Stellschrauben des Systems werden von den demographischen Großtrends bestimmt. Bliebe die Rechtslage wie derzeit, fiele das Versorgungsniveau ab 2025 von 48 Prozent des Durchschnittsgehalts innerhalb von vier Jahrzehnten unter 40 Prozent. Gleichzeitig stiege das Beitragsniveau von 18,6 auf mehr als 26 Prozent, während die Bundesmittel von etwa 3,5 Prozent der wirtschaftlichen Wertschöpfung auf gut 5 Prozent stiegen. Wollte man Haltelinie des Rentenniveaus aufrechterhalten, stiege der Beitragssatz über 30 Prozent und das Verhältnis der Bundesmittel zur Gesamtwertschöpfung auf 6 Prozent.

          So lässt sich das Versorgungsniveau bis 2070 auf mehr als 43 Prozent stabilisieren

          Deshalb sprechen sich die Bundesbank-Autoren für eine Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung aus. Im halben Jahrhundert seit den frühen sechziger Jahren floss jeder Zugewinn an Lebenserwartung in die Rentenzeit. Vergleicht man das Verhältnis von Renten- und Arbeitszeit, machte die Ruhestandsphase im Jahr 1960 noch 30 Prozent aus, bis ins Jahr 2012 stieg es auf 42 Prozent. Erst seither schwächt sich dieser Trend durch die Rente mit 67 etwas ab. Wollte man die Relation bei 40 Prozent stabil halten, müsste das Renteneintrittsalter auf 69,3 Jahre steigen.

          Als eine Möglichkeit stellen die Fachleute der Bundesbank eine Anhebung des Rentenalters von 2031 an in dem Ausmaß vor, in dem die Rentenbezugsdauer bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung konstant bleibt. Erst, wenn die Rentenbezugsdauer dagegen gekürzt würde, entspräche das einer tatsächlichen Umverteilung von den Rentnern weg. Gesundheitswissenschaftliche Studien legten nahe, dass ein höheres Rentenalter für viele Arbeitnehmer – mit Ausnahmen – vertretbar wäre. Der Vorteil eines an die Lebenserwartung gekoppelten (indexierten) Rentenalters bestehe darin, dass die umfangreichere Erwerbstätigkeit die Basis von Sozialbeiträgen und Steuern verbreiterten. Mit einem indexierten Rentenalter lasse sich das Versorgungsniveau bis 2070 auf mehr als 43 Prozent stabilisieren, der Beitragssatz unter 25 Prozent drücken und der Verhältnis der Steuerzuschüsse durch den Bund zur Wertschöpfung auf weniger als 4,7 Prozent halten.

          Mit ihren Berechnungen hat die Bundesbank aufgezeigt, dass sich beispielsweise das Ansinnen einiger Gewerkschaften, das Rentenniveau auf mehr als 50 Prozent zu heben, mit einem angestrebten Beitragssatz von 26 Prozent wohl nur schwer realisieren lassen dürfte. Bei einer Vorstellung der Ergebnisse in der Frankfurter Bundesbank-Zentrale verwiesen die Autoren überdies darauf, dass sich die Erwerbstätigenquote der mehr als 60-Jährigen innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt habe. Die Rentenversicherung stehe durch die von Mitte des kommenden Jahrzehnts verstärkt in die Rente drängenden Babyboomer vor erhöhtem Druck. Durch Zuwanderung oder eine höhere Geburtenquote lasse sich das nicht mehr lindern, da ganze Geburtenjahrgänge zu klein sind, um die Lücke auszugleichen. Für ihre Berechnungen hat die Bundesbank eine Geburtenrate von 1,55 Kindern je Frau zugrunde gelegt.

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