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Deutschlands Wirtschaftsmodell : Ein Hoch auf die deutsche Industrie

Im Auftrag der Bundesrepublik: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kämpft für das deutsche Wirtschaftsmodell. Bild: dpa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sorgt sich um das deutsche Wirtschaftsmodell. Doch die Bundesregierung lässt sich davon nicht beirren.

          Es ist nur eine kleine Zahl in einem großen Papier. Auf 25 Prozent soll der Anteil der Industrie an der deutschen Wirtschaft steigen. So steht es in der „Nationalen Industriestrategie 2030“, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Februar vorgestellt hat. Derzeit liegt der Anteil des verarbeitenden Gewerbes knapp über 23 Prozent.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Differenz mag klein erscheinen, aber Altmaier geht es um das große Ganze: Er will verhindern, dass der Industrieanteil in Deutschland irgendwann so niedrig liegt wie in anderen europäischen Ländern und es dann viele Tausende gut bezahlter Arbeitsplätze weniger in Deutschland gibt.

          Ganz gleich, wie gern der frankophile Altmaier sonst die engen Beziehungen zum Nachbarland Frankreich preist – wenn es um die grundsätzliche Aufstellung der Wirtschaft geht, treten die Unterschiede offen zutage. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Ende April angesichts des nur noch geringen Wirtschaftswachstums in Deutschland unkte, das so sehr auf den Export von Industriegütern fokussierte deutsche Modell sei am Ende, setzt die Bundesregierung alles daran, genau dieses Wirtschaftsmodell zu stärken. Das tut sie nicht zuletzt auch deshalb, weil in Berlin die Erkenntnis gereift ist, dass weder in Deutschland noch in Europa so schnell ein zweites Google, Facebook oder ein anderer Digitalkonzern für den Weltmarkt entstehen wird.

          Besonders die Zukunft der deutschen Autoindustrie treibt Altmaier um. Erst der Abgasbetrug, dann das vehemente Festhalten am Diesel und Benziner - das alles sei für die deutsche Wirtschaft hochgefährlich, lässt der Minister immer wieder durchblicken. Unermüdlich rechnet Altmaier Managern auf Industriekongressen vor, dass bei Elektroautos die Batterie 40 Prozent der Wertschöpfung ausmache. Ob die deutsche Wirtschaft es sich wirklich leisten könne, in einer sich zunehmend elektrisch fortbewegenden Verkehrswelt darauf zu verzichten und die Batterien weiter in Asien zuzukaufen?

          Ein wichtiges Signal für die Menschen

          Eine Milliarde Euro Anschubförderung hat Altmaier für eine deutsche Batteriezellenfertigung bereitgestellt. Nach dem anfangs eher schleppenden Interesse fühlt er sich jetzt bestätigt: Mehr als 30 Unternehmen haben Interesse an einer Förderung angemeldet, der französische PSA-Konzern und seine deutsche Tochtergesellschaft Opel haben als Erste grünes Licht bekommen. Das Opel-Komponentenwerk in Kaiserslautern, dessen Zukunft in der Vergangenheit immer wieder in Frage stand, könnte bald eines für Batteriezellen werden. Das ist ein wichtiges Signal für die Menschen in der sonst eher strukturschwachen Region.

          Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der in öffentlichen Äußerungen gerne mal in die Rolle des Neben-Wirtschaftsministers schlüpft, hält wenig von der Kritik Macrons. Konkret hatte der französische Präsident gesagt: „Deutschland befindet sich ohne Zweifel am Ende eines Wachstumsmodells, das stark von den Ungleichgewichten im Euroraum profitiert hat.“ Deutschland habe früher als andere Länder Strukturreformen vorgenommen, damit aber auch die Ungleichheiten im Euroraum verstärkt. Scholz stimmt dieser Sichtweise nur zum Teil zu. „Deutschland ist das wahrscheinlich am meisten globalisierte Land der Welt“, argumentiert er. Einige Länder seien erfolgreich als Exportnation, andere als Importnation. Aber wenn man beides zusammennehme, seien wenige so stark wie Deutschland. „Wir sind das Land, das total verflochten ist mit der Europäischen Union.“

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