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Statistisches Bundesamt : Deutsche geben mehr Geld für ihre Kinder aus

Die Statistiker haben nachgerechnet: Je älter Kinder werden, desto mehr Geld geben ihre Eltern für sie aus Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt: Eltern in Deutschland greifen für ihren Nachwuchs immer tiefer in die Tasche. Besonders teuer sind Einzelkinder - und die Kinder reicher Eltern.

          Die Familien in Deutschland geben für ihre Kinder immer mehr Geld aus. Innerhalb von fünf Jahren stiegen die Aufwendungen für ein Einzelkind um 6,4 Prozent, für zwei Kinder um insgesamt 8,5 Prozent und für drei Kinder um 7 Prozent. Das geht aus der aktuellen Studie „Konsumausgaben von Familien für Kinder“ des Statistischen Bundesamtes hervor. Sie basiert auf der größten Einkommensbefragung innerhalb der Europäischen Union, der sogenannten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, an der im Jahr 2008 etwa 60.000 Haushalte in Deutschland teilgenommen haben. Neuere Zahlen gibt es nicht. Die Auswertung dauerte so lang, weil der Datensatz groß ist und die Auswertungsmethoden kompliziert sind.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Am meisten Geld je Kind wenden den Statistikern zufolge Paare mit einem Einzelkind auf. Sie geben durchschnittlich 584 Euro im Monat für ihren Nachwuchs aus, das sind 35 Euro mehr als im Jahr 2003. Eltern von zwei Kindern geben je Kind 515 Euro aus (plus jeweils 40 Euro), im Fall von drei Kindern sinken die Ausgaben auf nur noch je 484 Euro (plus 32 Euro). Das liegt vor allem daran, dass Eltern von Einzelkindern höhere Erstanschaffungskosten haben. In Familien mit mehr als einem Kind werden beispielsweise Spielzeuge und Kleidung mehrfach genutzt, sodass die Kosten je Kind sinken.

          Je älter, desto teurer

          Die Berechnungen der Wissenschaftler weisen auch nach, dass nicht nur die absoluten Ausgaben für Kinder in Euro und Cent steigen. Vielmehr geben deutsche Eltern auch relativ gesehen mehr Geld für ihren Nachwuchs aus. Paare mit einem Kind zweigen etwas mehr als ein Fünftel (21,4 Prozent) ihrer privaten Konsumausgaben für ihr Kind ab. Eltern von zwei Kindern spendieren ein Drittel (32,7 Prozent), Paare mit drei Kindern 42,3 Prozent. Das sind jeweils 0,2 bis 0,6 Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor. Fast die Hälfte dieser Ausgaben wird für die materielle Grundversorgung der Kinder benötigt – also fürs Wohnen, die Nahrungsmittel und die Kleidung.

          Die Studie zeigt auch: Je älter der Nachwuchs, desto höher die Kosten. Paare mit einem Kind bis zu 6 Jahren geben 519 Euro im Monat für dieses aus. In den folgenden sechs Jahren steigen die privaten Konsumausgaben auf 604 Euro. Für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren wenden Eltern dann sogar 700 Euro auf. „Zweifellos begründet sich das unter anderem durch einen höheren Verbrauch an Nahrungsmitteln sowie die Wünsche der Teenager, geschmackvoll und modisch gekleidet zu sein und angesagte Markenprodukte zu tragen“, so die Studie. Die Wissenschaftler schränken aber ein: „Das Haushaltsbudget muss dafür allerdings die Voraussetzungen bieten.“

          Bis zu 900 Euro pro Kind

          Dass durchaus nicht alle Ausgaben für Kinder unausweichlich sind, zeigt sich, wenn man die Ausgaben von armen und reichen Familien miteinander vergleicht. Die Forscher unterteilten dazu die Haushalte in Deutschland in zehn gleich große Gruppen. Die ärmsten 10 Prozent gaben für ein Einzelkind lediglich 328 Euro im Monat aus. Die reichsten Eltern spendierten ihrem Kind fast das Dreifache: 900 Euro im Monat. „Sowohl für die Grundbedürfnisse als auch bei allen anderen Gütergruppen gaben Paarhaushalte mit hohem Einkommen mehr Geld für ihre Kinder aus, als es sich Paare mit Kind(ern) der untersten Einkommensgruppe leisten konnten“, schreiben die Statistiker. So wenden die reichsten Familien im Vergleich mit den ärmsten beispielsweise das Acht- bis Zehnfache für die Gesundheitspflege ihrer Kinder auf. Für Bücher und Schreibwaren spendierten sie etwa den vierfachen Betrag. Große Unterschiede gab es zudem bei den Ausgaben für Urlaube und Restaurantbesuche.

          Mit Blick auf einzelne Gruppen ist die Lage für Alleinerziehende in Deutschland am schwierigsten. Sie seien „finanziell erheblich schlechter gestellt als Paarhaushalte mit Kindern“ und „müssen sehen, wie sie finanziell über die Runden kommen“. Je nach Alter ihres Kindes geben Alleinerziehende dafür bis zu 80 Euro weniger aus als Haushalte mit zwei Elternteilen. In ihrem Bericht legen die Forscher Wert auf die Feststellung, dass die in der Studie genannten Kosten für den privaten Konsum der Kinder niedriger sind als die tatsächlichen Kosten. So fehlten in der Erhebung alle über den privaten Konsum hinaus anfallenden Aufwendungen für Kinder, wie etwa für ihren Versicherungsschutz und für die Vorsorge. Keine Rolle spielten auch die Opportunitätskosten, die entstehen, wenn ein Elternteil zugunsten der Kinder beruflich kürzer tritt und dadurch auf Erwerbseinkommen verzichtet.

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