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Start-up : Vom Wert junger Unternehmen

  • -Aktualisiert am

Junge Unternehmen auf ihren Wert hin abzuschätzen ist schwer - verlässliche Daten fehlen. Ein Problem für potenzielle Investoren.

          2 Min.

          Wie und anhand welcher Kriterien bewertet ein Seed- oder Start-Up-Investor ein neugegründetes Unternehmen? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht nur für den Investor, sondern auch für das kapitalsuchende Unternehmen von großem Interesse.

          Bei den klassischen Verfahren der Unternehmensbewertung wird ein Unternehmenswert auf Basis von veröffentlichten Daten - wie vergangenen Umsätzen, Kosten und Gewinnen - ermittelt. Bei neugegründeten Betrieben stehen diese Daten nicht zur Verfügung. Deshalb ist die Wertermittlung hier besonders problematisch.

          Unternehmensdynamik erschwert die Bewertung

          Unternehmen der New Economy zeichnen sich nicht nur durch die kurze oder gar nicht vorhandene Historie, sondern in hohem Maß durch neue Technologien, Innovationen, starkes Wachstum und große Chancen aus. Dem hohen Ertragspotenzial stehen aber ebenso hohe Risiken der Geschäftsentwicklung gegenüber. Der starke Kursverfall der Aktien am Neuen Markt hat dieses Risiko nachhaltig verdeutlicht. Die Dynamik der New Economy erschwert die Unternehmenswertermittlung also zusätzlich.

          Ein Frühphasen-Investor bewertet deshalb zunächst qualitative Faktoren des Unternehmens. Die drei wichtigsten Faktoren sind

          - der Kundennutzen des Produktes,

          - das Marktumfeld

          - die Managementfähigkeiten des Gründerteams.

          Das Geschäftsmodell muss also komparative Vorteile gegenüber Mitbewerbern aufweisen, und schon im Zutrittszeitpunkt muss der Zielmarkt über ein ausreichendes Volumen und Wachstumspotenzial verfügen. Bei der Management-Qualifikation sind Branchen- und Vertriebserfahrung sowie komplementäre Eigenschaften und Stärken der Gründer von größter Bedeutung.

          Neben diesen drei wichtigsten Faktoren widmen die Investoren zudem große Aufmerksamkeit der

          - Organisation

          - dem Finanzplan

          - dem Realisierungsfahrplan

          Ein Investor prüft im ersten Schritt einen Businessplan auf diese Faktoren. Nur in wenigen Fälle werden die Teams zu einer mehrstündigen Präsentation beim Kapitalgeber eingeladen. Dabei werden Einzelheiten, offene Fragen und Schwachstellen näher diskutiert. Im Anschluss daran fällt in der Regel die Entscheidung, ob ein Investment grundsätzlich in Frage kommt. Ist dies der Fall, folgt eine umfangreiche Prüfung (Due Diligence) der Konzepte, Rechte, Marktgegebenheiten, Kapitalplanung und der Lebensläufe des Gründerteams. Letztlich wird über den Preis, also den Unternehmenswert, verhandelt. Dabei ist festzulegen, wie viel Kapitalanteile der Investor für seinen Kapitaleinschuss erhält.

          Vergleichen, Verzinsen, Verhandeln

          Der Unternehmenswert kann zum Beispiel aus dem Vergleich mit einem ausländischen Unternehmen abgleitet werden, das in demselben Marktsegment tätig ist, aber eine längere Historie aufweist (Peergroup-Analyse).

          Ein Unternehmenswert lässt sich auch dadurch ermitteln, dass der Investor mit seiner angestrebten Mindestverzinsung den Kapitaleinschuss über die Anzahl der Jahre bis zum geplanten Exit verzinst. Es ist dann zu prüfen, ob sich dieser Unternehmenswert bei einem realistischen Marktszenario erzielen lässt.

          Sind mehrere Seed- oder Start-Up-Investoren zu einer Finanzierung bereit, kann das Gründerteam den Unternehmenswert in den Verhandlungen mit den Investoren ermitteln. Bei diesem Verfahren entsteht sozusagen ein Marktpreis. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass für das neu gegründete Unternehmen nicht nur das Kapital, sondern auch andere Dienstleistungen des Investors wie Branchenkontakte und Beratungsfunktionen (Smart Money) von Bedeutung sind.

          Hilfreich können auch die Ergebnisse der Gründungsforschung sein. Auf Seiten des Unternehmerteams ist insbesondere die Branchenerfahrung, aber auch eine gute Ausbildung und eine hinreichend lange Berufserfahrung von besonderer Wichtigkeit. Interdisziplinär zusammengesetzte Teams haben bessere Chancen als Teams, in denen nur technisches oder betriebswirtschaftliches Wissen vertreten ist.

          Aber auch bei guten Ausgangsbedingungen sind die Risiken hoch. Nach fünf Jahren werden fast die Hälfte aller neugegründeten Unternehmen wieder aufgelöst. Diese Information kann helfen, eine angemessene Risikoprämie zu berücksichtigen, um somit einen fairen Unternehmenswert festzustellen.

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