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Start-up : Start-ups und Linux (2) - Schutz von Wettbewerbsvorteilen

  • -Aktualisiert am

Zahlreiche junge Unternehmen bauen auf Open-Source-Software auf. Um Wettbewerbsvorteile zu schützen, sind daher andere Strategien erforderlich.

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          Das freie Betriebssystem Linux hat Open-Source-Software („OS-Software“) populär gemacht, und viele Unternehmensgründungen wollen den Erfolg solcher Software nutzen. Es gab großartige Börsenerfolge, jedoch auch herbe Enttäuschungen und Pleiten (siehe Teil 1 Start-ups und Linux (1)). Es stellt sich die Frage: ist die Begeisterung für Linux & Co. ein Strohfeuer, oder können langfristig erfolgreiche Unternehmen darauf aufgebaut werden.

          Hier muss unterschieden werden zwischen dem Erfolg von Open-Source-Software selbst und dem Erfolg von Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell darauf aufbauen. Viele Open-Source-Programme sind unbestritten erfolgreich und von hoher Qualität, wie z.B. Linux, Apache, Samba oder Perl. Diese Software kommt jedoch zum größten Teil von Hobby-Programmierern oder Unternehmen wie IBM und Sun, die sie als Ergänzung zu ihrem sonstigen Angebot benötigen. Der Erfolg von Unternehmen, deren Schwerpunkt auf Open-Source-Software liegt, ist damit noch lange nicht gesichert.

          Erfolg der Gründer?

          Die Stärken des Open-Source-Konzeptes implizieren offensichtliche Nachteile für die kommerzielle Verwertung der Software: Die Möglichkeit der freien Weitergabe macht ein auf Platzlizenzen basierendes Geschäftsmodell unmöglich, und die Offenheit des Quellcodes erschwert den Schutz des geistigen Eigentums zusätzlich. Ein kommerzielles Angebot auf existierender Open-Source-Software aufzubauen ist zwar relativ leicht, aber die niedrigen Eintrittsbarrieren erlauben umgekehrt keine hohen Renditen.

          Open-Source stellt also neue Regeln auf. Welche Möglichkeiten bieten sich, innerhalb dieser Regeln nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln und Wettbewerbsvorteile zu schützen? Man kann dazu grob drei Ansätze unterscheiden: Komplementäre Assets, die Kombination mit proprietärer Software sowie spezifische Open-Source-Software.

          Komplementäre Assets - „Marken-Linux“

          Eine bekannte Marke, Einfluss auf Vertriebskanäle, eine Serviceorganisation sowie kompetente Mitarbeiter sind sogenannte „komplementäre Assets“. Sie machen ein profitables Geschäft mit Open-Source-Software möglich, da sie wesentlich schwieriger zu kopieren sind als die Software selbst. Red Hat, SuSE und Ximian zum Beispiel verkaufen getestete und einfach zu installierende Software-Pakete. Der Großteil davon ist Open-Source und kann beliebig kopiert werden, aber die bekannten Firmen profitieren von den genannten komplementären Assets. Somit kommt es ihnen mehr als anderen zugute, wenn sie in die Weiterentwicklung der Software investieren.

          Halb frei, halb proprietär

          Ein ähnlicher Ansatz besteht darin, ein Angebot an Open-Source-Software mit proprietärer Software zu kombinieren, was durchaus möglich ist. So können Hilfsprogramme und Entwicklungstools auf eine bestimmte Open-Source-Software zugeschnitten sein, ohne selbst Open-Source zu sein. Auch können proprietäre Anwendungsprogramme auf Linux laufen. Eine recht spektakuläre Unternehmensgründung mit diesem Modell ist Lindows.com. Deren Software kombiniert Linux mit einer Mittelschicht, die den Betrieb Windows-kompatibler Anwendungen erlaubt. Die Firma wurde übrigens von Microsoft wegen vermeintlicher Verletzung der Namensrechte verklagt - erfolglos - was ihre beachtliche Publizität einbrachte.

          Geheime Open-Source-Software

          Um Missverständnissen vorzubeugen: Open-Source-Software, auch unter der General Public License, darf durchaus geheimgehalten werden. Die GPL fordert lediglich, dass die Software, wenn sie denn weitergegeben wird, wiederum unter der GPL steht und damit inklusive Quellcode geliefert wird. Wenn also der Käufer einer Software selbst kein Interesse an ihrer Weitergabe hat, ergibt sich kaum ein Problem aus der Open-Source-Lizenz; ebensowenig dann, wenn die Software spezifisch für die Bedürfnisse des Käufers ist und keinem anderen nützt.

          In diesen Fällen sind durch den Einsatz von Open-Source hohe Kosten- und Zeitvorteile möglich: die große Auswahl an existierender Open-Source-Software erlaubt es, den Anteil aufwändiger Eigenentwicklung zu reduzieren sowie auf teure und zeitraubende Lizenzierungen proprietärer Softwarebauteile zu verzichten.

          Neue Regeln auch für Kunden

          Es gibt also durchaus Ansätze, den Erfolg von Open-Source-Software in kommerzielle Erfolge von Start-up zu übersetzen. Ob diese Ansätze langfristig erfolgreich sind, muss sich noch zeigen. Eine wichtige Hürde stellen dabei die eingefahrenen Gewohnheiten der potenziellen Kunden von Open-Source-Unternehmen dar. Auch sie müssen einige neue Regeln lernen - mehr dazu nächste Woche.

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