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Start-up : Investor und Co-Investor - die Mischung macht's

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Die Finanzierung eines Start-up ist seit Jahren ein mühsames Unterfangen. Um das notwenige Kapital für ein Projekt aufzutreiben, werden häufig Venture Capital-Geber kombiniert. Was muß ein Start-up bei ihrer Auswahl beachten?

          3 Min.

          Die Finanzierung eines Start-up ist nun schon seit rund drei Jahren ein mühsames Unterfangen. Um überhaupt das notwenige Kapital für ein Projekt aufzutreiben, schließen sich häufig zwei oder mehrere Venture Capitalisten (VC) zusammen und bilden ein sogenanntes Syndikat. Die finanzierten Unternehmen (PU für Portfoliounternehmen) haben Einfluß darauf, ob syndiziert wird, und welche Venture Capitalist-Gesellschaften dabei sind.

          Im Jahr 2003 syndizierten Venture Capitalisten mehr als ein Drittel (37,8 Prozent) ihrer Deals (http://www.bvk-ev.de/bvk.php/cat/66). Das bedeutet für das PU:

          1. Es kann nicht damit rechnen, nur mit einem VC zu kooperieren. Sind unterschiedliche VC im Boot, gilt es, unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, unterschiedliche Kooperationsstile und eventuell Streitigkeiten und Animositäten zwischen den VC zu ertragen.

          2. Bietet es den VC ein interessantes Projekt, so kann es auf die Entscheidung einwirken, ob syndiziert wird und welche VC dabei sein sollen.

          Die Frage ist, welchen Einfluß soll das finanzierte Unternehmen auf die Gestaltung des Syndikats nehmen? Was kann es tun, um von dem Syndikat zu profitieren?

          Keine trivialen Fragen

          Eine Studie von Brander, Amit und Antweiler (University of British Columbia und Wharton School of Business) zeigte, daß Syndizierung die Erfolgsaussichten eines PU stark verbessert (http://www.wep.wharton.upenn.edu/vcsyndication.html).

          Während allein finanzierte Unternehmen im Durchschnitt Rückflüsse von 15 Prozent bis 20 Prozent erwirtschafteten, brachten syndizierte Projekte Rückflüsse von jährlich 35 Prozent bis 39 Prozent. Die Wissenschaftler erklären diesen Erfolg mit den komplementären Fähigkeiten und Fertigkeiten der am Projekt beteiligten VC.

          Kalküle der Finanziers antizipieren

          Da also jeder VC in einem Gebiet besonders gut Bescheid weiß, steigt die Projektqualität insgesamt. Allerdings geht es um Durchschnittswerte. Will das PU diese Wertschöpfung durch das Syndikat mitnehmen, muß er sich gut überlegen, was er von welcher VC-Kombination erwarten kann. Und dazu lohnt es sich, die Kalküle der einzelnen VC zu antizipieren.

          VC, die auf bestimmte Industrien wie Bio- oder Medizintechnologie spezialisiert sind, haben aufgrund ihrer Spezialisierung in einem regional begrenzten Markt oft eine Art Monopolstellung. Geht es um die Finanzierung eines Biotech-Unternehmens, findet das Ergebnis ihrer Due Diligence (Unternehmensbewertung) im Markt große Beachtung. Die Spezialisten profitieren zwar von dieser Situation, denn die Deals kommen früher oder später zu ihnen, sind sich aber auch der Verantwortung ihrer Lead-Position bewußt.

          „Heikle Balance“

          Thomas Egolf von TAT Capital, ein schweizer Spezialist für Halbleiter- und Medizintechnik, meint: „Wenn wir nein sagen, heißt es, daß man das Projekt vergessen kann, weil wir nein gesagt haben.“ Es sei jedoch durchaus möglich, daß „wir ein Projekt ablehnen, weil wir nicht wollen, oder weil wir schon genügend Geld in der Schweiz investiert und nur noch Geld für Amerika haben“, so Egolf. „Das ist eine heikle Balance.“

          Was heißt das für das PU? Eine Ablehnung aufgrund nicht projekt-bezogener Gründe sollte unbedingt vermieden werden. Vor der Vorlage des Businessplans ist zu klären, ob eine Finanzierung durch den Spezialisten generell in Frage kommt.

          Vorteile aus der richtigen Mischung ziehen

          Akzeptiert der Spezialist das Projekt als Lead-Investor und der Deal kommt zustande, stellt sich die Frage nach den Co-Investoren. Hier haben die Spezialisten wiederum eigene Interessen. Ihnen ist am liebsten, wenn der andere sich nicht einmischt, denn dann, so heißt es immer wieder „können sie ruhig arbeiten“. Für das PU geht so aber ein möglicher Vorteil durch die Zusatzleistung eines Co-Investors verloren.

          Ein an der Universität Zürich durchgeführtes Forschungsprojekt zeigte (http://www.isu.unizh.ch/fuehrung/Dokumente/WorkingPaper/23full.pdf), daß nicht auf Branchen spezialisierte VC intensiver betreuen und stärker in das Unternehmensgeschehen involviert sind als Spezialisten. Das heißt, diese Generalisten haben Erfahrung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. Hier lohnt es sich gezielt, nach einem erfahrenen Generalisten als Co-Investor Ausschau zu halten.

          Spezialisten dagegen mischen sich ungern bei ihren eigenen und gar nicht in fremde Deals ein. Er ist der richtige Partner, wenn eine Managementunterstützung eher als lästig eingestuft wird.

          Insgesamt scheinen allerdings Syndikate aus Spezialisten und Generalisten erfolgversprechend. (http://www.isu.unizh.ch/fuehrung/Dokumente/WorkingPaper/23full.pdf). Der Generalist sorgt für den Deal-flow, also den Zugang zu neuen Projekten, und der Spezialist liefert das Know-how zur Bewertung der Projekte. Wenn beide Seiten gleichermaßen involviert sind, verringern sich die Animositäten zwischen den VC. Bereits davon profitiert das junge Unternehmen. Und ein erfahrener Coach obendrein? So richtig schaden kann der auch nicht.

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