https://www.faz.net/-gqe-2u6t

Start up : Im Visier: b-business partners

  • Aktualisiert am

          3 Min.

          b-business partners unterstützt Start up-Firmen. Über deren Strategie sprach FAZ.NET mit dem CEO Hans-Dieter Koch.

          Herr Koch, was macht b-business partners anders als andere Venture Capitalists (VC) oder als Corporate Venture Capitalist (CVC). Welchen Vorteil hätte ein Start-up davon, von ihrer Gesellschaft finanziert zu werden?

          Die Idee von b-business partners ist es, die Vorteile eines Financial VC wie Apax oder 3i mit denen eines Corporate VC wie Nokia oder SAP zu verbinden. Der wesentliche Vorteil eines Financial VCs ist die Unabhängigkeit von seinen Eigentümern, wahrscheinlich auch die hohe finanzielle Expertise. Der wesentliche Nachteil ist der geringe Zugriff auf Quellen, um Technologien zu beurteilen, weil die Eigentümer per definitionem nicht mit dem Investment in Verbindung gebracht werden möchten.

          Beim Corporate VC sieht es genau umgekehrt aus. Er hat viele Möglichkeiten, Technologien in ihrem Wert einzuschätzen. Denn die Muttergesellschaft hat in der Regel technologisches Know-how. Der Nachteil: Man kann in diesem Bereich sicher die Unabhängigkeit des Geldgebers hinterfragen. Und es ist auch schwer für einen Unternehmer, sich mit einem Corporate VC zu verbinden, wenn er nicht sicher ist, irgendwann einmal mit der Muttergesellschaft in Verbindung gebracht zu werden.

          B-business partners ist eine Kombination aus beiden Möglichkeiten. Wir haben 13 Eigentümer. Damit haben wir Zugriff auf das technologische Wissen von rund 700.000 Mitarbeiter. Unser Haupterfolgsfaktor ist es, dieses Wissen nach Bedarf zu nutzen. Das ist der Teil, der mit dem Corporate Venture vergleichbar wäre. Dabei sind wir aber im Unterschied zu einem reinen Corporate VC in der Investmententscheidung völlig frei.

          Was ist ihr Unternehmensziel?

          Unser Ziel ist es, Unternehmen zu kaufen und sie aufzubauen, „to build businesses“. Wir verstehen uns als aktive Eigentümer. Mit dem Schwerpunkt auf der Arbeit nach Kauf versprechen wir uns überdurchschnittliche Renditen für den Unternehmer und für uns.

          Wie wollen Sie diese Rendite erreichen?

          Es gibt hier zwei Möglichkeiten: Sie kaufen ein Unternehmen billig und verkaufen zum Einkaufspreis plus x, oder sie kaufen zum Normalpreis, bringen danach aber eine höhere Wertschöpfung mit, so dass das Unternehmen zu einem deutlich höheren Preis verkauft werden kann. Dann hätten sie eine höhere Rendite für den Eigentümer, aber auch für den Unternehmer.

          Warum sind sie der Ansicht, dass ihnen das eher gelingt als anderen? Denn hohe Renditen erwirtschaften wollen schließlich alle.

          Ich glaube, wir machen weniger Fehler beim Kauf eines Unternehmens. Bei der Beurteilung der Technologie greifen wir auf unsere Eigentümer zurück. Denken sie sich das Beispiel Bluetooth. Wenn wir über ein Engagement in ein Unternehmen mit einer Bluetooth-Anwendung nachdenken, dann ist es nicht schwer für uns, bei Ericsson diese neue Technik bewerten zu lassen und Fachleute von Ericsson mit den Unternehmern ins Gespräch zu bringen.
          Zweiter Punkt. Wenn wir das Unternehmen erworben haben, dann geben wir dem Unternehmer zwei wesentliche Hilfestellungen. Wir bringen ihn mit unseren Eigentümern zusammen, um Preismodelle zu erörtern oder Technologien zu besprechen. Das ermöglicht dem Unternehmer, seine Produkte besser zu konstruieren oder sein Unternehmen besser zu strukturieren.

          Außerdem bieten wir ihm etwa 700.000 potentielle Kunden. Letzteres ist nicht der Schwerpunkt unserer Arbeit. Aber häufig ist es nicht allein entscheidend, ein gutes Produkt zu haben, sondern auch die richtige Tür in einem Unternehmen zu öffnen. Versuchen sie beispielsweise, etwas an ABB zu verkaufen. ABB hat mehr als 150.000 Mitarbeiter. Wie finden sie die richtige Tür, die dazu geöffnet werden muss. Dabei helfen wir. Wir finden die Tür, und wir öffnen sie auch. Diese beiden Leistungen verstehe ich unter Wertschöpfung, nachdem man das Unternehmen gekauft hat. Wir geben aber keine Hilfe beim Verkauf des Produktes, nachdem die Tür geöffnet wurde.

          Wie groß ist denn b-business partners im engeren Sinne als VC?

          Wir haben heute vier Büros in Amsterdam, London, München, Stockholm mit insgesamt 20 professionellen Mitarbeitern und fünf Mitarbeiter zur Unterstützung. Das Investitionsvolumen liegt bei einer Milliarde Euro. Derzeit sind davon 55 Millionen investiert.

          Wie ist das Betreuungsverhältnis, das heißt, wie viel Unternehmen betreut einer ihrer professionellen Mitarbeiter im Maximum?

          Jeder Partner kann fünf bis sechs Unternehmen betreuen, nicht mehr. Alles darüber hinaus ist nicht zu leisten, wenn sie tatsächlich die Hilfestellungen für die Unternehmen erbringen wollen, von denen ich eben sprach.

          Weitere Themen

          Nicht vom Bitcoin narren lassen!

          FAZ Plus Artikel: Unsichere Anlage : Nicht vom Bitcoin narren lassen!

          Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Warum der Bitcoin mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt. Ein Gastbeitrag.

          Quo vadis Thermofenster?

          FAZ Plus Artikel: Klagen gegen Daimler : Quo vadis Thermofenster?

          Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs fragen sich Mercedes-Dieselfahrer, wie es weitergeht. Mancher wird mit seiner Klage zurückziehen, andere hoffen nun noch mehr auf die Verbraucherschützer. Ein Überblick.

          Topmeldungen

          Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

          Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.
          Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung

          Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

          Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.