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Start-up : Entrepreneurship: Dichtung und Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Viele Mythen gibt es über Entrepreneure. Sind sie Heilsbringer oder Harakiri-Bankrotteure? Was trifft zu, was nicht?

          2 Min.

          Die enorme Bedeutung von Unternehmensgründungen für Wirtschaft und Gesellschaft ist mittlerweile unbestritten. In kaum einer Rede von Politikern fehlt das Bekenntnis zu einer aktiven Gründungsförderung. Durch diesen begrüßenswerten Aufschwung in der allgemeinen Wertschätzung haben sich jedoch einige Stereotype über Entrepreneurship herausgebildet, die zwar oft wiederholt werden, aber dennoch falsch sind. Einige populäre Mythen werden im folgenden genannt und korrigiert.

          Mythos 1

          „Es ist für eine Volkswirtschaft entscheidend wichtig, eine möglichst hohe Gründerquote zu haben.“

          Falsch. Die Quote allein sagt wenig aus. Entscheidend ist, dass es sich bei den Gründungen um potentiell wachstumsintensive Start-ups handelt. Eine einzige erfolgreiche Neugründung in einer Wachstumsbranche wie der Biotechnologie hat unter Umständen bedeutsamere wirtschaftspolitische Folgewirkungen in Hinblick auf Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum als dutzende neugegründete Blumengeschäfte oder Kneipen. Auch diese sind zwar für das Funktionieren von Markt und Wettbewerb wichtig, ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung ist jedoch kleiner.

          Mythos 2

          „Insolvenzen von Gründungen sollten unter allen Umständen verhindert werden.“

          Falsch. Es gibt keinen Grund Start-ups, für deren Produkte es dauerhaft keinen Markt gibt, künstlich am Leben zu erhalten. Auch neue Unternehmen müssen ihre Existenzberechtigung vor dem unbestechlichen Richter des Marktes beweisen. Dies bedeutet nicht, dass öffentliche Förderprogramme negativ zu sehen sind. Gerade zu Beginn ihres Lebens sind Unternehmen sehr verletzlich und müssen erst lernen, sich im Wettbewerb zu behaupten. Ein befristeter staatlicher Schutz ist daher hilfreich. Auf Dauer müssen jedoch auch neue Unternehmen einen positiven Beitrag zur Wirtschaft leisten. Diese wichtige Selektionsfunktion übernimmt in unserer Gesellschaft der Markt - und das ist gut so.

          Mythos 3

          „80 Prozent der Gründungen sind sofort wieder pleite.“

          Falsch. Die immer wieder kolportierten Horrorzahlen zu Insolvenzen sind beinahe immer drastisch übertrieben. Seriöse Studien ermitteln international Überlebensquoten von etwa 60-70 Prozent nach mehreren Jahren. Auch die nicht überlebenden Fälle sind nicht immer Pleiten: Oft werden hierzu auch (für die Gründer häufig sehr lukrative) Aufkäufe durch andere Unternehmen dazugezählt.

          Mythos 4

          „Gründer sind vor allem an Geld interessiert.“

          Falsch. Empirische Studien zeigen immer wieder, dass die Hauptmotivation für erfolgreiche Gründer meist die Freude an der Verwirklichung eigener Ideen ist. Einige wenige Gründer ließen sich von den Medien in der Zeit des Gründungsrausches im Zuge der sogenannten New Economy als zigarrerauchende Sonnyboys in Swimmingpools abbilden und als Glücksritter zu einer Art neuer Helden stilisieren. Dadurch wurde teilweise der Eindruck erweckt, Gründer seien überwiegend geldgierige, vergnügungssüchtige Hasardeure. Dieses Stereotyp passt auf den geringsten Teil der hart arbeitenden Entrepreneure.

          Mythos 5

          „Gründung kann man nicht lehren. Zum Unternehmer ist man geboren oder nicht.“

          Falsch. Erfolgreiche Gründer sind wie Olympiasieger: Zwar kann man ohne eine naturgegebene Begabung aus einer Person selbst mit dem besten Training der Welt keinen 100-Meter-Sieger machen. Umgekehrt jedoch - und das ist der springende Punkt - gibt es schon seit hundert Jahren keinen Olympiasieger mehr, dessen Begabung nicht durch jahrelanges gezieltes Training gefördert und verbessert wurde. So verhält es sich auch mit Gründern: Ohne bestimmte Voraussetzungen geht nichts. Werden diese Anlagen aber gefördert und trainiert sowie durch Wissen, Kontakte und Erfahrungen bereichert, dann steigt die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs einer Gründung stark an.

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