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Start-up : Ein Segen?! - die Beratungs- und Inkubatorenbranche

  • -Aktualisiert am

Vor 18 Monaten schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Die Qualität war oft fragwürdig. Jetzt ist die Marktbereinigung weit vorangeschritten.

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          Die Berater rund um Start-ups - sie gelten häufig als die Weisen in der Start-up-Szene, die richtungsweisende und erfolgsentscheidende Ratschläge geben. Sehr gute Berater haben in einigen Fällen auch deutlich zum Erfolg eines Unternehmens beigetragen, doch nicht alle Start-ups können dies für ihren Fall bezeugen. In einigen Fällen wären Berater sicherlich entbehrlich gewesen. Die wichtigen Fragen, in welcher Phase, zu welchen Themen und in welchen Situationen man welchen Berater konsultiert, sind schwer zu beantworten.

          Ein Blick auf die Seite der Berater zeigt, dass es in dieser Branche alles andere als rosig aussieht. Nur noch einige wenige der ehemals vielen Start-up-Berater verdienen seit Platzen des „Internet-Blase“ noch ganz gut, vielen ist die Luft bereits ausgegangen. Insbesondere die Inkubatoren-Konzepte scheinen nicht aufgegangen zu sein.

          Beratung gefragt!

          Entrepreneure können nicht Experten in allen Feldern des Aufbaus eines Unternehmens sein. Vor allem Gründern aus dem technischen Bereich fehlen häufig notwendige betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Kompensiert wird dieser Mangel meist durch Aufnahme eines betriebswirtschaftlich Teammitglieds oder durch hinzuziehen möglichst erfahrener Berater. Das zu Rate ziehen eines Beraters kann sehr hilfreich und erfolgsweisend sein.

          Allerdings fühlten sich, gerade in den letzten Jahren, einige Gründer einem undurchsichtigen Beratungsdschungel ausgesetzt. Bei Gründertreffs und anderen Gelegenheiten machten sie Bekanntschaft mit dem ein oder anderen Berater, der seine Dienste anbot und den Gründer bei der Gelegenheit auch noch gleich an einen anderen Berater, der ihm in einem anderen Gebiet zur Seite stehen könnte, weitergab und so fort. Der Gründer war häufig mit der Aufarbeitung der vielen Ratschläge sehr beschäftigt. Denn schließlich gilt es zu entscheiden, mit welchem Berater eine weitere Zusammenarbeit angestrebt, und noch viel wichtiger welcher Rat befolgt werden sollte.

          Guter Rat gegen Anteile oder Bares

          Eine groß angelegten US-Studie von Smallbone et al aus dem Jahr 1993 zeigt, dass 55 Prozent der jungen Unternehmen (jünger als 10 Jahre und unter 100 Mitarbeitern) eine externe Beratung in Sachen strategischer Planung in Anspruch genommen haben. Häufig wurde Rat zu den Themen Business Planning und Design/Produktentwicklung erkauft. Wobei die Beraterbranche ihre Dienste auch gut vergüten ließ und zwar über Anteile oder Bares.

          Start-ups haben aber auch die Möglichkeit sich gleich bei einem Berater einzunisten, bei den so genannten Inkubatoren. Inkubatoren stellen kommerzielle „Brutkästen“ für ideenreiche Newcomer dar, die den Start-ups Geld, Kontakte sowie Infrastruktur (Schreibtische, Computer, Rezeption und dergleichen) zur Verfügung stellen. Acceleratoren gehen noch einen Schritt weiter und spielen als Beschleuniger eine aktivere und enger eingebundene Rolle bei der Weiterentwicklung der Start-ups. Eine rundum Beratung meist gegen einen satten Kapitalanteil.

          Die Berater nach Platzen der Blase

          Allerdings kommen Zweifel auf, ob die Berater-Konzepte aufgegangen sind. Zwar können einige Berater auch weiterhin mit Erfolgsstories werben, doch viele sind inzwischen verschwunden. Die Inkubatorenbranche hat es besonders schwer erwischt: 90 Prozent der Inkubatoren verschwanden in den letzten 18 Monaten. Wissenschaftlich gesehen hat man es bei der geschilderten Entwicklung mit einem Selektionsmechanismus in Anlehnung an die Evolutionstheorie zu tun. Die Ausdünnung ist positiv zu sehen: Die guten Berater existieren noch, und die Rat suchenden Entrepreneure können aus einer qualitativ höherwertigen Grundgesamtheit ihren Berater wählen. Vermutlich wird daher auch die Zufriedenheit über geleistete Beratung bei den Start-ups steigen.

          Drum Prüfe wer sich bindet

          Eine retrospektive Untersuchung zur Zufriedenheit über die Start-up-Berater liegt leider in Deutschland noch nicht vor. Das starke Berater- und Inkubatorensterben lag beziehungsweise liegt aber sicherlich nicht nur am Einbruch der Branche, sondern auch an einer Herde mit leider vielen schwarzen Schafen. Dem Entrepreneur ist daher zu raten, bei Beratungsbedarf sich auf die sorgfältige Suche nach den weißen Schafen zu begeben. Denn auch im Start-up-Sektor gilt: Drum prüfe wer sich bindet.

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