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Start-up : All Stars und Boy Groups - die zentrale Bedeutung des Gründerteams

  • -Aktualisiert am

Welche Fähigkeiten muss ein erfolgreiches Gründerteam aufweisen? Ein gesunder Mix an Fähigkeiten ist optimal, aber noch nicht alles.

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          „Lieber ein erstklassiges Team mit einem zweitklassigen Businessplan finanzieren als ein zweitklassiges Team mit einem erstklassigen Businessplan.“ Diese Bemerkung hört man immer wieder, wenn es um die Finanzierungsentscheidung von Venture Capital (VC)-Gebern geht.

          Team wichtiger als Produkt und Markt?

          Die erste empirische Studie zur Bedeutung von verschiedenen Bewertungskriterien bei der VC-Entscheidung wurde bereits 1974 von Wells durchgeführt. Das Ergebnis dieser sowie der meisten späteren Untersuchungen ist, dass es sich beim Gründerteam/Management um das bedeutendste Bewertungskriterium für Finanzierungsentscheidungen handelt. Weitere Kriterien, wie zum Beispiel Produkt, Markt oder das vorhandene Eigenkapital der Gründer sind für den VC-Geber deutlich weniger wichtig.

          Idealprofil des Gründerteams

          Empirische Studien belegen: Der erfolgreiche Gründer ist eine Person mit hohem Ausbildungsniveau (in der Regel abgeschlossenes Studium oder sogar Promotion), mehrjähriger Branchenerfahrung sowie Marktkenntnis. Außerdem sollte der Gründer über Selbstvertrauen, Handlungswillen und Bereitschaft zur Übernahme von Risiko verfügen.

          Erfolgreiche Gründerteams sind meist heterogen zusammengesetzt, so dass sich die Fähigkeiten von Kaufleuten und Technikern gegenseitig ergänzen. Zu einseitige Teams dagegen scheitern leicht, beispielsweise auf Grund von technikverliebter Marktferne. Ein reines Ingenieurteam tut daher gut daran, sich um eine Verstärkung durch Finanz- und Marketingfachleute zu bemühen, bevor es an VC-Firmen herantritt. Sollten die Gründer selbst niemanden gewinnen können, kann der VC-Geber möglicherweise einen geeigneten Kandidaten finden.

          Einseitigkeit ist auch in anderer Hinsicht unerwünscht. „All Stars“, zum Beispiel ein Team bestehend aus fünf Harvard-Absolventen, wie auch „Boy Groups“ (Teams, deren Mitglieder alle zwischen 20 und 25 Jahre sind) werden von VC-Gebern meist abgelehnt. All Stars bringen zwar gute Voraussetzungen in Form einer guten Ausbildung und oftmals guten Kontakten mit, sind sich jedoch zu ähnlich und neigen dazu, die gleichen Fehler zu machen. Mit zu jungen Teams haben VC-Gesellschaften während des Internet-Booms schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Teams hatten oftmals gute Ideen, konnten diese aber aufgrund mangelnder Managementerfahrung nicht erfolgreich umsetzen.

          Eine wichtige Voraussetzung für den späteren Erfolg ist schließlich, dass die „Chemie“ zwischen den einzelnen Teammitgliedern sowie zwischen Team und VC-Geber stimmt: Ein Unternehmen zu gründen erfordert enge und intensive Zusammenarbeit, die ohne gute persönliche Beziehungen nahezu unmöglich ist.

          Finanzierung ist (auch) Geschmacksache

          Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen können Aufschluss darüber geben, welche Kriterien ein Gründerteam erfüllen sollte, damit es gute Aussichten auf eine Finanzierung hat. Dazu zählen - wie erwähnt - Branchenerfahrung und Teamzusammensetzung. Unberücksichtigt in empirischen Studien und deshalb unbekannt ist dagegen, wie persönliche Eigenschaften von VC-Gebern die Auswahlentscheidung beeinflussen.

          Eine aktuelle Untersuchung fördert interessante Ergebnisse zu Tage: sie zeigt zum Beispiel, dass die Bewertung eines Hochschulabschlusses erheblich variiert. Je mehr Erfahrung ein VC-Geber mit der Bewertung von Businessplänen gesammelt hat, desto weniger wichtig sind ihm die Hochschulabschlüsse der Gründer. Auch der berufliche Hintergrund des VC-Gebers spielt eine große Rolle: Wer im Bereich Finanzdienstleistungen gearbeitet hat, misst dem Hochschulstudium eine wesentlich höhere Bedeutung zu als jemand, der seine Berufserfahrungen in der Industrie gesammelt hat.

          Was heißt das für das Gründerteam?

          Gründerteams können ihre Chance auf Finanzierung erhöhen, indem sie sich über die Entscheidungskriterien, den Entscheidungsprozess sowie Eigenschaften des VC-Gebers informieren. Dabei kann das Ablehnungsrisiko natürlich nicht auf Null reduziert werden. Aber Kopf hoch, eine Ablehnung bedeutet nicht automatisch, dass das Team oder das Businesskonzept schlecht sind: Bill Gates hätte mit seinem Lebenslauf (Ausschluss aus der Informatikgruppe seiner Schule, da er einen Absturz der Schulcomputer verursachte, Abbruch seines Studiums in Harvard) wohl nie Venture Capital bekommen.

          Fazit:

          1. Auswahlprozess: Welcher VC passt zu mir?
          2. Nicht gleich den Kopf in den Sand stecken“.
          3. Es geht auch ohne VC.

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