https://www.faz.net/-gqe-adrs3

Laschet nach Hochwasser : „Brauchen mehr Tempo bei Maßnahmen zum Klimaschutz“

  • -Aktualisiert am

„Wir werden die Kommunen und die Betroffenen nicht alleine lassen“, sagte Armin Laschet in Hagen. Bild: EPA

Viele Städte in Nordrhein-Westfalen sind stark von dem Unwetter betroffen. Ministerpräsident Armin Laschet hat bei einem Ortsbesuch in Hagen schnelle Hilfe versprochen – und über den Klimawandel gesprochen.

          3 Min.

          Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, hat nach dem Unwetter rasche Hilfe versprochen. „Wir werden die Kommunen und die Betroffenen nicht alleine lassen, sondern als Land Hilfe leisten, damit Nordrhein-Westfalen in dieser Situation solidarisch zusammensteht“, sagte Laschet am Donnerstag bei einem Besuch in Hagen. „Wir werden solidarisch die Folgen dieser Katastrophe gemeinsam bewältigen.“

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nach dem schweren Unwetter berichtete die Polizei Köln von 20 Toten in der Region. Neben zwei in Köln gefundenen Toten seien bislang aus Euskirchen 15 und aus Rheinbach drei Tote gemeldet worden, teilte die Polizei am Donnerstagnachmittag mit.

          Ministerpräsident Laschet hatte am Vorabend seine Reise in Süddeutschland abgebrochen und in Hagen übernachtet. Seinen Termin bei der CSU-Klausur in Seeon hatte er am Morgen abgesagt und war zunächst nach Altena gefahren, einer Stadt, die ganz besonders vom Hochwasser betroffen war. Ein Feuerwehrmann war dort ums Leben gekommen, ein weiterer im Nachbarort Werdohl. „Ich habe mit vielen Anwohnern gesprochen, die quasi über Nacht alles verloren haben. Es ist jetzt wichtig, dass schnelle Hilfe hier hinkommt“, sagte Laschet.

          Er bedankte sich bei den Tausenden ehrenamtlichen Helfern, sowie der Feuerwehr und der Bundeswehr, die etwa in Hagen dafür gesorgt habe, dass kein Ortsteil mehr abgeschottet sei. Seine Gedanken seien bei den Familien derer, die ums Leben gekommen sind. „Wir haben noch kein genaues Lagebild über die Opfer, die wir im gesamten Land Nordrhein-Westfalen zu beklagen haben“, sagte Laschet. Die Landespolizei suche mit Hubschraubern nach vermissten Menschen.

          Am Freitag soll das Landeskabinett zu einer Sondersitzung zusammenkommen. „Wir werden immer wieder mit solchen Ereignissen konfrontiert werden. Das bedeutet, dass wir bei den Maßnahmen zum Klimaschutz mehr Tempo brauchen“, sagte Laschet. „Der Klimawandel entsteht ja nicht in einem Bundesland, sondern weltweit. Da brauchen wir mehr Dynamik.“ 

          In Hagen waren wegen der Wassermassen Autos durch die Straßen geschwommen, Hunderte Anwohner schöpften mit Eimern ihre Keller aus. Die Feuerwehr war am Donnerstag weiterhin im Dauereinsatz. „Sie hat schlicht noch keine Kapazität für die Keller der Anwohner. Wir haben eine ganze Reihe von unbeantworteten Anrufen“, sagte Hagens Oberbürgermeister Erik Schulz. Eine Einschätzung zum Schaden könne es derzeit noch nicht geben. „Wenn die Pegelstände so hoch sind, kann man den Schaden noch nicht aufnehmen“, sagte Schulz. 

          Über Twitter musste die Stadt auch zahlreichen Falschmeldungen widersprechen, die im Internet kursierten. So würden weder Sandsäcke verteilt, noch werde die Wasserversorgung in Hagen abgeschaltet. 

          Die Lage ist unübersichtlich

          Im ganzen Land ist die Lage noch unübersichtlich. In mehreren Orten wurden Altenheime evakuiert, in Leverkusen musste ein Krankenhaus geräumt werden, weil der Fluss Dhünn über die Ufer getreten war und einen Kurzschluss an den Notstromaggregaten ausgelöst hatte. „Die medizinischen Geräte der Intensivstationen mussten teilweise mit Akkus betrieben werden“, teilte das Klinikum mit. Davon betroffen waren 468 Menschen, auch in den kommenden Tagen können dort keine Operationen stattfinden. Patienten sollen sich an umliegende Krankenhäuser wenden. 

          In Wuppertal fiel in der Nacht zu Donnerstag eine Regenmenge, die dem Zehntel des durchschnittlichen Jahresniederschlags entspricht. Noch am Donnerstag fehlte in vielen Stadtteilen der Strom, Feuerwehr und Stadt mahnten weiterhin besonders Bewohner nahe der Wupper zur Vorsicht. Zwar hatte der Überlauf der Talsperre – wie noch in der Nacht befürchtet – keine Flutwelle ausgelöst, doch sei die Lage weiterhin angespannt. 

          Ein Regionalzug steht im Bahnhof des Ortes Kordel in Rheinland-Pfalz, umspült vom Hochwasser der Kyll. Als der Strom ausfiel, blieb auch die Bahn am Mittwoch liegen. Bilderstrecke
          Flut-Katastrophe im Westen : Talsperren laufen über, Häuser sind zerstört

          In der Nähe im Oberbergischen Kreis in Hückeswagen war ebenfalls die Bevertalsperre wegen der heftigen Regenfälle übergelaufen. Mehr als 1000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele wurden mit Booten gerettet. Im Kreis Euskirchen im Süden von Nordrhein-Westfalen drohte der Damm der Steinbachtalsperre zu brechen. Schon zuvor war im Kreisgebiet die Kommunikation weitgehend ausgefallen, zu einigen Orten bestand kein Zugang mehr, selbst die Notrufe und die Kreisverwaltung waren zwischenzeitlich nicht erreichbar.

          In Köln hatte die Feuerwehr schon am späten Mittwochabend zwei Tote in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern gefunden. „Ich bin mit den Gedanken bei den Angehörigen. Der bange Blick geht zudem ins Kölner Umland, wo sich teils dramatische Szenen abspielen“, teilte die Oberbürgermeisterin Henriette Reker über Twitter mit. Die Feuerwehr in Köln richtete am Donnerstag ein Gefahrentelefon ein, an das sich Anwohner bei allen Wasserschäden unter einer Sondernummer wenden können. Damit soll der Notruf für medizinische Notfälle und Brände freigehalten werden. 

          Stark eingeschränkt waren in Nordrhein-Westfalen zudem Verkehrswege. Nachdem zwei Brücken eingestürzt waren, hat die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis Landesstraßen gesperrt, zwischen den Autobahnkreuzen Bliesheim und Meckenheim war die Autobahn 61 komplett gesperrt, auch auf der A3 und am Autobahnkreuz Leverkusen waren Streckenabschnitte teilweise nicht mehr passierbar. Die Deutsche Bahn war praktisch im gesamten Bundesland betroffen: „Aufgrund der Vielzahl an Störungen bitten wir Sie, den Bereich NRW weiträumig zu umfahren. Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage“, teilte die Bahn mit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schulklasse in Bayern

          „Für mich unbegreiflich“ : Krankenhausgesellschaft kritisiert RKI

          Im Streit um eine mögliche Abkehr von der Inzidenz als Hauptrichtwert in der Corona-Politik bemängelt die Deutsche Krankenhausgesellschaft das Verhalten des RKI. Es könne nicht sein, dass das Institut auf allen Daten sitze, aber keine neuen Vorschläge mache.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.