https://www.faz.net/-gqe-t1yn

Starke Marke (3) : Schränke wie nach innen getragene Pelzmäntel

Zwei Verlustjahre in Folge, gepaart mit permanenten Unruhen im Gesellschafterkreis, sorgten 1995 schließlich für den Einstieg von Helmut Lübke in das väterliche Unternehmen, an dem er bis dahin nur 12 Prozent hielt. Seine erste Maßnahme damals war die sofortige Aufgabe von "Unit", auch wenn etliche Millionen Umsatz verlorengingen. Die Schweizer Designer von "Team Form" entwarfen den Schrank "S 96", und an den Handel sendete Lübke das Signal, daß Interlübke "zur alten Lehre" zurückkehre: "Marke und Gesinnung sind nicht teilbar" ist Lübkes Petitum.

„Die Kauflust ist zurückgekehrt“

Heute konzentriert sich Interlübke auf Betten und Schränke, während die von seinem 43 Jahre alten Sohn Leo geführte Schwesterfirma Cor ausschließlich Polstermöbel produziert. Beides bleibt strikt voneinander getrennt, auch wenn derselbe Kundenkreis angesprochen wird. Mit 320 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 47 Millionen Euro ist Interlübke deutlich größer als Cor. Ein Zehntel des Umsatzes steckt Interlübke jedes Jahr in Messeauftritte und Werbung. Inseriert wird ausschließlich in Wohnzeitschriften und der gehobenen Tagespresse, um den Bekanntheitsgrad in der Zielgruppe zu vergrößern und Streuverluste so gering wie möglich zu halten. Zwar geht heute noch niemand in ein Möbelhaus mit dem Vorsatz "Ich will den Interlübke-Schrank Eo kaufen". Doch das, sagt Lübke, "ist unser langfristiges Ziel".

Kurzfristig ist Lübke außerordentlich zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr. Ein Auftragsplus von 10 Prozent seit Dezember dürfte sich in einem Umsatzzuwachs von ebenfalls 10 Prozent niederschlagen. Damit würde Interlübke deutlich stärker wachsen als der Rest der Branche, die nach Jahren des Niedergangs aber immerhin ein Umsatzplus von 3,5 Prozent erwartet. "Die Kauflust ist in allen Bereichen zurückgekehrt", stellt Lübke zufrieden fest.

Renaissance der Häuslichkeit und Internationlisierung

Der Unternehmer ist Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und damit quasi Sprachrohr der gesamten Branche. Sicherlich mag die Renaissance der Häuslichkeit in Deutschland auch etwas mit vorgezogenen Käufen angesichts der drohenden Mehrwertsteuer zu tun haben. Bei Interlübke verhalten sich die Dinge anders, denn diese Kundschaft ist nicht anfällig für eine Steuererhöhung um 3 Prozentpunkte. Design dient vielen heute als Indikator für Stil und bürgerlichen Wohlstand.

Lübke ist froh darüber, daß das Interlübke-Design auch im Ausland immer stärker Fuß faßt. Nach Österreich, Benelux und England wird der Markt Rußlands immer bedeutender. Gut 40 Prozent der ausschließlich in Rheda-Wiedenbrück montierten Möbel gehen mittlerweile ins Ausland. In fünf Jahren sollen es 50 Prozent werden. Das Konzept, aus Ostwestfalen den Weltmarkt zu bedienen, scheint zu funktionieren. Abwanderungspläne gibt es nicht. Im Gegenteil: Interlübke investiert derzeit 3 Millionen Euro in eine neue Halle samt neuer Lackieranlage. "Unsere hochqualifizierten Fachkräfte sind ein entscheidendes Plus", sagt Lübke. Parallel will er die Vielzahl der Möbelprogramme konzentrieren, um die Komplexität in der Fertigung zu reduzieren.

Kopiert werden als Auszeichnung

Sorgen bereitet dem Unternehmer Lübke lediglich die wachsende Zahl der Plagiate und Me-too-Produkte. Nicht nur die Chinesen kopieren hemmungslos, auch heimische Konkurrenten bringen für sehr viel weniger Geld ganz ähnliche Schränke, Betten oder Kommoden auf den Markt. "Manchmal hilft da nur ein Schuß vor den Bug", sagt der passionierte Segler Lübke. "Aber wenn wir nicht mehr kopiert würden, hieße das doch, daß unsere Produkte nicht mehr begehrt sind."

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.