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Starke Marke (11) : Halloren: Von der Bückware im Osten zur Kultpraline im Westen

Hallorenkugeln am laufenden Band Bild: dpa

Deutschlands älteste Schokoladenfabrik Halloren will ihr Ossi-Image loswerden. Mittlerweile kann die Produktion mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten. Die Pralinen mit DDR-Vergangenheit eroberen die Ladenregale im Westen.

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          In der Schokoladenfabrik Halloren arbeiten derzeit Weißkittel neben Blaumännern. Da die Produktion mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann, bauen die Monteure eine weitere Trüffelanlage auf, während nebenan die weißgewandeten Lebensmitteltechniker die Arbeit der laufenden Maschinen überwachen. Doch auch die neue Linie wird nicht lange ausreichen, weshalb noch in diesem Monat die Bauarbeiten für eine zweite Werkshalle beginnen. Sie soll anderthalbmal so groß werden wie die bisherige und im Mai den Betrieb aufnehmen. „Wir haben Aufträge ohne Ende“, sagt der Geschäftsführer Klaus Lellé. Die Produktion laufe in drei Schichten rund um die Uhr, wenn nötig, auch an Sonn- und Feiertagen.

          Christian Geinitz
          (itz.), Wirtschaft

          Der Arbeitsplatz ist verlockend: In der Luft hängt ein betörender Duft von warmer Schokolade, Vanille und anderen Kindheitsträumen - Weihnachtsgeruch das ganze Jahr hindurch. Aus Kakaopulver, Sahne und einem Zuckergemisch namens Fondant mischen, kneten, schmelzen und formen die Apparaturen die wichtigste Köstlichkeit des Traditionsunternehmens, die mehr als die Hälfte des Sortiments ausmacht: die Hallorenkugel. Die Schokobällchen gelten als die einzigen vertikal geteilten Pralinen der Welt, klassischerweise enthält eine Hälfte Kakaocreme, die andere Sahne, aber es gibt auch Frucht-, Likör- oder Diätmischungen. „Die Marke ist ein Renner“, sagt Lellé, „immer stärker auch im Westen.“

          Bekanntheitsgrad im Osten bei 98 Prozent

          Nur wenige Ostprodukte haben die Wende ähnlich gut überlebt wie Halloren, noch weniger sind im anderen Teil der Republik bekannt. Rotkäppchen-Sekt gehört dazu, Radeberger Pils oder die Uhren aus Glashütte. Dagegen sind die Kathi Backmischungen, Nudossi oder Florena im Westen kaum jemandem ein Begriff. Mit Rondo Kaffee, Bodeta Bonbons, Badusan Schaumbad, Herbacin Hautpflege oder Koivo Rasierschaum kann ein Westdeutscher erst recht nichts anfangen.

          Halloren gehört zweifellos zu den stärksten Marken mit DDR-Vergangenheit. Der Bekanntheitsgrad im Osten liegt bei sagenhaften 98 Prozent, nicht zuletzt, weil die Süßigkeit zu DDR-Zeiten heiß begehrt und oft nur als „Bückware“ zu bekommen war. In den alten Ländern ist die Verbreitung gering, aber innerhalb weniger Jahre auf fast 9 Prozent gestiegen. In dieser dünnen Durchdringung sieht Lellé auch eine Chance. Die Wachstumsimpulse gingen eher vom Westen aus als von den gesättigten Heimatmärkten. „Dort liegt die Zukunft der Marke!“ Dazu muß es Halloren in die Regale der Handelsketten schaffen.

          „Der Segen der Marke ist auch ihr Fluch“

          Einige wichtige Listungen gibt es bereits, doch der Weg ist steinig. Zum einen ist das Werbebudget des Mittelständlers begrenzt, so daß er sich Fernsehreklame nicht leisten kann. „Ferrero oder Storck geben 20 bis 30 Millionen Euro für ein neues Produkt aus“, sagt Lellé. „Das ist so viel, wie wir im Jahr umsetzen.“ Zum anderen haftet Halloren noch immer ein ostdeutsches Image an, das im Westen nicht immer hilfreich ist. „Der Segen der Marke, hier stark verwurzelt zu sein, ist auch ihr Fluch.“ So werde die Stadt Halle, deren Namen man trägt, eher negativ gesehen. Zu Unrecht, wie Lellé findet. „Die Arbeitslosenquote ist geringer als in der Vorzeigestadt Leipzig.“

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