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Mehrwertsteuer : Empört euch nicht über Starbucks!

Eine Starbucks-Filiale in Frankfurt. Bild: Claus Setzer

Die Starbucks-Filialen geben die Mehrwertsteuer-Senkung nicht an ihre Kunden weiter? Die Aufregung darüber ist fehl am Platz.

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          Diese Aufregung ist so vorhersehbar wie unnötig: Kaum kommt das Gerücht auf, dass die meisten deutschen Starbucks-Filialen die Mehrwertsteuer-Senkung nicht an ihre Kunden weitergeben, kopieren Politiker alte Floskeln auf neue Sprechzettel. „Ein Konzern“, „zahlt ohnehin kaum Steuern“, „Mitarbeiter bekommen wenig“: die Empörung ist so ritualisiert, dass sie jeder halbwegs informierte Nachrichtenleser auswendig herbeten kann.

          Und doch ist sie dieses Mal fehl am Platz.

          Erstens: Die Starbucks-Filialen werden gar nicht mehr vom amerikanischen Starbucks-Konzern betrieben, sondern von einem sehr europäischen Unternehmen namens Amrest, das auch die Preisentscheidungen getroffen hat. Die Starbucks-Filialen haben laut dem jüngsten veröffentlichten Jahresbericht für 2018 in Deutschland keine Gewinnsteuern gezahlt, weil sie keinen Gewinn machen. Ja, ein paar Millionen an Franchise-Gebühren gehen an Starbucks, ungefähr genauso viel zahlt Amrest aber allein an Sozialabgaben – und da ist über die Mehrwertsteuer noch gar nicht geredet.

          Zweitens: Gerade in der Gastronomie war die Mehrwertsteuer-Senkung nicht nur dazu gedacht, dass die Preise sinken. Sie sollte auch den Gastronomen die Chance geben, sich nach den harten Corona-Wochen wenigstens ein bisschen zu sanieren.

          Drittens: Am Ende entscheiden die Kunden. Nichts sehen sie so deutlich wie die Preise. Starbucks-Filialen gehören sowieso nicht zu den billigsten Kaffeeverkäufern in Deutschlands Fußgängerzonen. Wenn den Kunden der Latte Macchiato bei Starbucks zu teuer ist, wenn ein anderes Kaffeehaus die Steuersenkung weitergibt, dann holen sich die Kunden ihr Koffein eben hundert Meter weiter.

          Die Starbucks-Filialen geben also die Mehrwertsteuer-Senkung nicht weiter? Das ist gut zu wissen. Und jetzt kümmern wir uns wieder um die wichtigen Fragen dieser Zeit.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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