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„Stammzellen-Zeitreise“ : Wie das Silicon Valley das Sterben abschaffen will

Karmazin geht nicht so weit, seinen Kunden wirklich zu versprechen, dass sie nicht mehr älter werden. Er sieht sich offenkundig als Unternehmer und Forscher zugleich und will vor allem herausfinden, ob das Blut (oder genauer wohl das Blutplasma) junger Menschen bestimmte mit der Alterung einhergehende Symptome lindern kann – wie ein nachlassendes Erinnerungsvermögen oder ein schwächer werdendes Herz. Das Blut kauft er von Blutbanken, die zum Beispiel auch Pharmaunternehmen beliefern.

Mit seinem Angebot knüpft er wiederum an Forschung aus den vergangenen Jahren an. Der aus der Schweiz stammende und gegenwärtig an der Universität Stanford arbeitende Neurologe Tony Wyss-Coray hat dafür den Weg mit bereitet. In Experimenten nähte er jeweils eine junge mit einer alten Maus operativ derart zusammen, dass Gefäße der beiden Tiere miteinander verwuchsen. Das Blut der jungen Tiere gelangte auf diese Weise über eine längere Zeit, teils mehrere Wochen, in den Kreislauf der älteren Artgenossen. Dann wurden beide Tiere durch eine zweite Operation wieder voneinander getrennt.

Das Ergebnis war erstaunlich. „Irgendwelche Stoffe, die mit dem Blut der jungen Tiere in den Kreislauf der greisen Mäuse flossen, stärkten offenbar deren Muskeln. Sie erneuerten Leber und Bauchspeicheldrüse. Die Knochen waren stabiler geworden, die Herzleistung verbesserte sich“, beschrieb der Biologe Ulrich Bahnsen die Auswirkungen vor einiger Zeit in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Besonders beeindruckend aber war die Wirkung des jungen Bluts im Gehirn. Vergreiste Mäuse lernen nur noch schlecht, auch ihr Gedächtnis wird schwach. Die Hirne von Wyss-Corays Versuchstieren zeigten Leistungen, als wären sie jugendlich.“

„Keine klinische Evidenz“

Unklar ist, ob sich das von Mäusen auf Menschen übertragen lässt. Und auch, welche Stoffe im Blut genau die entsprechenden Effekte auslösen. Und eine wichtige Unterscheidung zwischen diesen Experimenten und dem Angebot von Ambrosia-Gründer Karmazin, der Medizin studierte, besteht darin, dass er eben „nur“ Bluttransfusionen anbietet: Es werden nicht wie im Falle der Mäuse zwei Lebewesen wirklich miteinander verbunden.

Über die Behandlung mit Bluttransfusionen äußerte sich Wyss-Coray, der selbst eine Unternehmung namens Alkahest ins Leben gerufen hat, denn auch selbst kritisch. Gegenüber dem Internetportal „Business Insider“ sagte er zur Frage, ob das Prozedere wirklich hilft: „Es gibt keine klinische Evidenz.“

In einer Untersuchung, die Irina Conboy von der University of Berkeley mit Mitteln der Google-Tochtergesellschaft Calico und des National Institute of Health durchgeführt hat, zeigte sich dann auch: Tauscht man das Blut alter Mäuse gegen das junger Artgenossen aus, ohne die Organsysteme miteinander zu verbinden, findet nur eine stark eingeschränkte Regeneration statt.

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