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Stahlwerk Ilva in Toranto : Italienische Enteignung

  • -Aktualisiert am

Die italienische Regierung hat einen Zwangsverwalter für Europas größtes Stahlwerk Ilva in Toranto eingesetzt. Der Fall zeigt, wie schwer es Investoren in Italien haben.

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          Da kann Italiens Industrieminister Flavio Zanonato lange beteuern, er habe niemanden enteignet. Faktisch passiert genau dies mit Europas größtem Stahlwerk Ilva in Toranto. Die Regierung hat dort einen Zwangsverwalter mit allen Vollmachten eingesetzt, der das Stahlwerk und seine Vorkehrungen für den Umweltschutz auf den neuesten Stand bringen soll. Bezahlen soll er diese Investitionen mit beschlagnahmtem Vermögen der eigentlichen Eignerfamilie Riva.

          Die hat zwar Fehler gemacht, beginnend mit der mangelnden Kommunikation und der angeblichen Bestechung lokaler Aufsichtspersonen. Doch die Probleme des Stahlwerks sind ebenso sehr ein Zeichen für die Unfähigkeit der öffentlichen Institutionen Italiens, einen ordnungspolitischen Rahmen zu setzen und das Unternehmen mit Realismus und sanftem Druck auf den umweltpolitisch richtigen Pfad zu lenken. Das hat damit zu tun, dass Ilva bis 1995 staatlich war.

          Die Lasten der Vergangenheit werden nun von fundamentalistischen und unberechenbaren Staatsanwälten allein der privaten Unternehmerfamilie angelastet. Investoren seien gewarnt. Italien sollte nicht mehr damit rechnen, dass Ausländer im Land investieren, sei es bei Privatisierungen oder anderswo.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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