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Staatskonzern erwirbt Ex-Siemens-Sparte : Chinesen gehen auf Einkaufstour in Europa

In den Händen der Chinesen: Das trifft demnächst auf zwei weitere europäische Zulieferer zu. Bild: dapd

China hat in den vergangenen Jahren vermehrt europäische Unternehmen in Europa erworben. Nun ist es mal wieder soweit: Der Staatskonzern Avic schlägt beim deutschen Autozulieferer Hilite zu. Shanghai Prime Machinery kauft einen holländischen Zulieferer.

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          China macht einmal wieder mit Zukäufen in der westeuropäischen Industrie auf sich aufmerksam – zur Freude von Beteiligungsgesellschaften, die mehr Interessenten für ihre Unternehmen finden. Der chinesische Staatskonzern Avic kauft dem Finanzinvestor 3i für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer Hilite ab, der früher unter dem Namen Hydraulik-Ring zu Siemens gehörte. Und Shanghai Prime Machinery Co Ltd (PMC) erwirbt vom Private-Equity-Haus Gilde für 325 Millionen Euro den niederländischen Zulieferer Nedschroef, der mit größeren Standorten in Deutschland präsent ist.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          China kauft in den vergangenen Jahren vermehrt Unternehmen in Europa – auffällig oft im Maschinenbau und in der Autoindustrie, aber auch in anderen Branchen. Industriepolitisch hat sich das Land bemüht, zunächst kleinere nationale Unternehmen zu Großkonzernen („national champions“) zusammenzuschweißen, und will nun im zweiten Schritt international expandieren. In Deutschland nahmen die Akquisitionen im Jahr 2011 sprunghaft zu: Seitdem haben chinesische Unternehmen einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge jährlich jeweils mehr als 20 deutsche Unternehmen erworben.

          Viele davon waren kleine Deals, und nur wenige werden in der Öffentlichkeit so bekannt wie die Transaktionen, die 2012 so hohe Aufmerksamkeit erregten: Damals erwarben chinesische Unternehmen die deutschen Betonpumpenmischer Putzmeister und Schwing – zwei der führenden Anbieter ihrer Branche, und der Baumaschinenkonzern Weichai beteiligte sich am Gabelstaplerkonzern Kion, einer früheren Sparte des Linde-Konzerns.

          Hilite macht rund 400 Millionen Euro Jahresumsatz

          Nun kommt mit Hilite ein weiteres größeres Unternehmen in chinesische Hände. Das Unternehmen stellt Motor- und Getriebeteile her, die den Kraftstoffverbrauch senken, und erzielt damit rund 400 Millionen Euro Jahresumsatz. Siemens hatte die Tochtergesellschaft vor gut einem Jahrzehnt verkauft, seitdem war es in den Händen mehrerer Eigner gewesen. 3i erwarb es 2011 von einem Investorenkonsortium für etwa 230 Millionen Euro – und zwar ohne Kredit, also mit 100 Prozent Eigenkapital, wie 3i-Co-Deutschlandchef Ulf von Haacke im Gespräch mit der F.A.Z. sagte. Seitdem baute Hilite die Präsenz in Asien aus, zugleich verkaufte es das LKW-Zuliefergeschäft für mehr als 100 Millionen Euro. Kunden sind die großen Autohersteller wie VW, Audi oder General Motors (GM). Hilite habe in den vergangenen Jahren den Umsatz jeweils um rund 15 Prozent gesteigert, sagte von Haacke. Bei der Auktion der Gesellschaft hätten sich ausschließlich Unternehmen der Industrie beteiligt, keine Finanzinvestoren: „Das war von Beginn an ein reiner Prozess mit strategischen Interessenten.“

          3i ließ sich bei der Transaktion von der Investmentbank Morgan Stanley beraten, Avic nahm die Dienste von Rothschild in Anspruch. Beide Häuser können aus vergangenen Transaktionen Expertise bei Fusions- und Übernahmeverhandlungen mit chinesischen Interessenten nachweisen. Die gelten als notorisch kompliziert - wegen Verhandlungsstrategien, die sich von westlichen Unterhändlern unterschieden, aber auch weil häufig Genehmigungen von Behörden notwendig sind. Allerdings hat China die Genehmigungsverfahren in letzter Zeit eher vereinfacht. Avic zahlte nach Angaben aus Finanzkreisen knapp das Achtfache des jährlichen operativen Gewinns (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda) von Hilite. Die Beteiligten lehnten einen Kommentar dazu ab.

          In Holland geht Nedschroef in chinesischen Besitz, ein Unternehmen aus Helmond, das Schrauben und Befestigungsteile für PKW und LKW anbietet, aber auch Maschinen zur Schraubenherstellung sowie Werkzeuge. Die an der Börse Hongkong notierte Gesellschaft PMC kauft sich damit rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz ein. Nedschroef war 20 Jahre lang an der Börse notiert, bevor Gilde das Unternehmen 2007 erwarb.

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